Kopffüßler

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Kopfloser (acephale) und Kopffüßler seitlich einer Miserikordie des Chorgestühls der Kathedrale von Ripon, England (15. Jh.)

Kopffüßler sind Gestalten, die nur aus Beinen und einem kopfähnlichen Gebilde bestehen, dem die Funktionen von Kopf und Leib zugleich übertragen sind.

Möglicher Ursprung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kopffüßler sind vereinfachte Darstellungen eines ganzen Menschen. Für die Kinderzeichnung gilt: Das Bild des Menschen beginnt mit dem Kopffüßler. Darüber hinaus spielt das Motiv des Kopffüßlers eine bedeutende Rolle von der Prähistorie bis zur aktuellen Kunstproduktion, von Ethnographica (Afrika, Asien, Ozeanien) bis zum Design unserer Zeit.

Kunst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit der Spätgotik und der Renaissance findet man das groteske Kopffüßler-Motiv häufiger (z. B. in der linken Tafel des Eremiten-Triptychons von Hieronymus Bosch). Heute wird es in der Werbung ebenso genutzt wie bei rituellen Gebrauchsgegenständen (z. B. bei Initiation) oder in der modernen (z. B. bei Pablo Picasso, Joan Miró, Alfred Kubin) und zeitgenössischen Kunst (z. B. bei Horst Antes, Peter Gilles, KH Hödicke, Gustav Kluge, Kolibri, Sigmar Polke). Außerdem findet sich die Darstellung von Kopffüßlern in den Bildern psychiatrischer und neurologischer Patienten sowie in der sogenannten Art brut (z. B. bei Oswald Tschirtner, Augustin Wilhelm Schnietz).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • H. Kraft: Die Kopffüßler. Eine transkulturelle Studie zur Psychologie und Psychopathologie der bildnerischen Gestaltung. Hippokrates, Stuttgart 1982, ISBN 3-7773-0576-6.
  • H. Kraft: Die Geburt des Menschenbildes – Die Kopffüßler. Salon Verlag, Köln 1999, ISBN 3-89770-014-X.
  • H. Kraft: Grenzgänger zwischen Kunst und Psychiatrie. Deutscher Ärzte-Verlag, Köln 2005, ISBN 3-7691-0483-8.
  • H. Prinzhorn: Bildnerei der Geisteskranken. Springer, Berlin 1922, DNB 361587430.