Krinkberg

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Einer der beiden Mitte der 1980er-Jahre nachgebauten Grabhügel am Krinkberg (2017)

Krinkberg (Plattdeutsch Krinkbarg für Ringberg) bezeichnet eine Gruppe bronzezeitlicher Grabhügel auf dem Gebiet der Gemeinde Pöschendorf im Kreis Steinburg in Schleswig-Holstein.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich sind auf Pöschendorfer Gebiet 29 Hügelgräber nachgewiesen, die größtenteils bereits im 19. Jahrhundert, spätestens Anfang des 20. Jahrhunderts alle vollständig abgetragen waren.[1] Von den ehemals acht Grabhügeln direkt am Krinkberg wurden zwei im Jahr 1986 von Hobbyarchäologen der Stiftung Krinkberg e. V., von denen die Anlage heute betreut wird, am ehemaligen Standort nachgebaut. Die erforderlichen Baggerarbeiten und Aufschüttungen mit Erde aus anderer Umgebung übernahm dabei ein herkömmliches Bauunternehmen aus Schenefeld.[2]

Der größte Grabhügel war ursprünglich mit einem Wall umgeben.[3] Es wird angenommen, dass dieses Hügelgrab im 8. oder 9. Jahrhundert abgeflacht und für andere Zwecke genutzt wurde.[4] Diskutiert werden die Verwendung als Turmhügelburg, Fliehburg, Thingstätte, Tanzhügel, Weideplatz etc.[5]

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurden verschiedene prähistorische Gegenstände am Krinkberg entdeckt. Der größte dokumentierte Fund erfolgte im Jahr 1885. Darunter waren aus verschiedenen Epochen Äxte, Bronzeabschläge, Flintstücke, Gefäßreste bronzezeitlicher Keramik, Gold- und Silbermünzen, Lanzenspitzen, Perlen, Schwertfragmente, Silberhackstücke und Sporen.[3] Ein Teil des Fundes konnte gesichert werden und befindet sich heute im Archäologischen Landesmuseum auf Schloss Gottorf. Unter diesen Fundstücken sind 91 Silbermünzen, die wahrscheinlich aus der Karolinger Zeit stammen. Diese Brakteaten tragen als Münzstätte überwiegend die Prägung von Dorestad, mehrere sind Lochmünzen und bei einigen soll es sich um Nordische Nachprägungen handeln.[6]

Darüber hinaus wurden gegen Ende des 19. Jahrhunderts am Krinkberg über 2000 Jahre alte Schmucksachen und Zahlungsmittel aus der Antike gefunden, darunter römische Goldmünzen mit der Porträtprägung Kaiser Justinian I.[3] Viele Fundsachen aus Gold brachten einheimische Bauern zum Einschmelzen zu Juwelieren nach Itzehoe und Hamburg, denen wiederum das Schleswig-Holsteinische Museum Vaterländischer Alterthümer (heute Landesmuseum Schloss Gottorf) besonders gut erhaltene Ringe, Ketten und Münzen abkaufte.[6]

Im März 2019 überließ ein älterer Schenefelder Bürger dem Landesmuseum Schloss Gottorf 19 römische Silber- und Bronzemünzen, die sein Urgroßvater am Krinkberg vermutlich im Jahr 1885 beim Pflügen fand. Für Archäologen stellt diese Schenkung eine Besonderheit dar, da eine solche Menge und Qualität römischer Münzen bisher für keinen anderen Fundort in Schleswig-Holstein registriert werden konnte. Bis dahin war die offizielle Lehrmeinung, dass alle Funde am Krinkberg aus der Karolinger Zeit stammten. Mit den römischen Münzen zeichnet sich ab, dass wahrscheinlich römische Händler soweit in den Norden kamen, in jedem Fall aber diese Gegend bereits in der Antike von Bedeutung gewesen sein muss.[7]

Mit dem Krinkberg und seinen Schätzen haben sich unter anderem befasst: Johanna Mestorf, Heinrich Handelmann, Erwin Nöbbe, Karl Kersten, Hermann Hofmeister, Herbert Jankuhn, Peter La Baume, Vera Hatz.[5]

Bildergalerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinrich Handelmann: Der Krinkberg bei Schenefeld und die Holsteinischen Silberfunde. Universitäts-Buchhandlung Paul Toeche, Kiel 1890.
  • Erwin Nöbbe: Der karolingische Münzschatz vom Krinkberg. In: Festschrift zur Hundertjahrfeier des Museums vorgeschichtlicher Altertümer in Kiel. Wachholz, Neumünster 1936, S. 136–160.
  • Willi Nühs: Der Krinkberg auf dem Breitenfelde. In: Heimatverband Kreis Steinburg (Hrsg.): Steinburger Jahrbuch 1985. Itzehoe 1984, S. 304–306.
  • Willi Nühs: Münzfunde auf dem Krinkberg. In: Heimatverband Kreis Steinburg (Hrsg.): Steinburger Jahrbuch 1986. Itzehoe 1985, S. 80–93.
  • Ralf Wiechmann: Krinkberg. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Band 17, Göttingen 2000, S. 377–380.
  • Michael Bellmann: Pöschendorf. Das christliche Urdorf in Holstein? Itzehoe 2015, ISBN 978-3-00-047773-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Willi Nühs: Der Krinkberg auf dem Breitenfelde. In: Heimatverband Kreis Steinburg (Hrsg.): Steinburger Jahrbuch 1985. Itzehoe 1984, S. 304–306.
  2. Willi Nühs: Münzfunde auf dem Krinkberg. In: Heimatverband Kreis Steinburg (Hrsg.): Steinburger Jahrbuch 1986. Itzehoe 1985, S. 80–93.
  3. a b c Heinrich Handelmann: Der Krinkberg bei Schenefeld und die Holsteinischen Silberfunde. Universitäts-Buchhandlung Paul Toeche, Kiel 1890, S. 2 f.
  4. Stiftung Krinkberg e.V.
  5. a b Michael Bellmann: Pöschendorf. Das christliche Urdorf in Holstein? Itzehoe 2015, S. 55 f.
  6. a b Erwin Nöbbe: Der karolingische Münzschatz vom Krinkberg. in: Gustav Schwantes (Hrsg.): Beiträge zur Früh- und Vorgeschichte anläßlich der Hundertjahrfeier des Museums vorgeschichtlicher Altertümer in Kiel. Neumünster 1939, S. 136–160.
  7. Kai Müller: Vom Acker ins Schloss. In: Norddeutsche Rundschau, 18. März 2019, Seite 6.

Koordinaten: 54° 1′ 50″ N, 9° 28′ 19,8″ O