Landoudioer

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Die Landoudioer (Lander) (lateinisch: Landoudioi) waren ein germanischer Volksstamm, der ungefähr ab dem 1. Jahrhundert an der Lahn im heutigen Mittelhessen siedelte. Erstmals erwähnt wird er in der Geographie des Griechen Strabon unter der Bezeichnung Landi.[1]

"Und auch Libes, ein Priester der Chatten ging im Triumphzug mit, ebenso wie andere Gefangene der besiegten Stämme - die Caülcer, die Campsaner, die Brukterer, die Usipeter, die Cherusker, die Chatten, die Chattuarier, die Lander, die Tubanten."[2]

Ein Jahrhundert später, um 150, nennt Ptolemäus in seiner Geographike Hyphegesis das Volk der Landoudioer.

Noch im 4. Jahrhundert findet die Stammesbezeichnung in den unterschiedlichen Formen Langiones, Lanciones, Longiones und Logiones Erwähnung.[3]

In einem Sendschreiben Papst Gregors III. an Bonifatius aus dem Jahr 738 wird von mehreren Kleinstämmen auf dem Gebiet der Chatten berichtet. Genannt wurden neben dem populus hessiorum (an der unteren Fulda), den Nistresi (auf der Korbacher Hochfläche) und den Wedrecii (möglicherweise im Wetschafttal) auch die Lognai im mittleren und oberen Lahntal.[4] Wahrscheinlich gehörten die Landoudioer in den Jahren 9 bis 16 zu den Verbündeten des Arminius während der germanisch-römischen Auseinandersetzungen.[5] Unklar ist, in welcher Beziehung die Landoudioer zu den benachbarten Chatten standen, vielleicht waren sie deren Klienten oder bildeten sogar einen Unterstamm. Zudem konnte bisher ebenfalls nicht geklärt werden, welche Rolle die Landoudioer bei der Zerstörung des Oppidums Dünsberg in augusteischer Zeit spielten.

Archäologische Ausgrabung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Teile des bei Niederweimar erschlossenen Siedlungsareals unterschiedlichster Zeitstellungen können möglicherweise den Landoudioern zugeordnet werden. Bei Ausgrabungen stieß man unter dicken Auelehmschichten an der Lahn auf deutliche Hinweise, die eine ununterbrochene Besiedlung von der Jungsteinzeit über die La-Tène-Zeit bis in die frühe römische Kaiserzeit belegen. Die Keramik zeigt u. a. einen Stil, bei dem keltische Einflüsse mit dem im Osten geprägten germanischen Form- und Zierstil verbunden wurden.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wilhelm Niemeyer: Der Pagus des frühen Mittelalters in Hessen. Marburg, 1968. S. 169.
  2. Strabon: Geographie 7, 1, 292.
  3. Wilhelm Niemeyer: Der Pagus des frühen Mittelalters in Hessen. Marburg, 1968. S. 169.
  4. Reallexikon der germanischen Altertumskunde. Band 14. De Gruyter, 1999. S. 503 ff.
  5. Ralf Günter Jahn: Der Römisch-Germanische Krieg (9–16 n. Chr.). Dissertation, Bonn 2001, S. 117 f.