Leopold von Buch

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Leopold von Buch
Erbbegräbnis der Familie von Buch in Stolpe

Christian Leopold von Buch (* 26. April 1774 in Stolpe; † 4. März 1853 in Berlin)[1] war ein deutscher Geologe. Er gilt als einer der bedeutendsten Vertreter seines Fachs im 19. Jahrhundert. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „Buch“.

Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Buch entstammt der brandenburgischen Uradelsfamilie von Buch, die nördlich von Berlin und in der Uckermark begütert war. Sein Eltern waren der preußische Gesandte Adolf Friedrich von Buch (1733–1811) und dessen Ehefrau Charlotte Philippine Juliane von Arnim-Suckow (1746–1810).

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er studierte gemeinsam mit Alexander von Humboldt an der Bergakademie Freiberg bei Abraham Gottlob Werner, dem Begründer der Geognosie in Deutschland, sowie an den Universitäten in Halle und Göttingen.[2] Als Werners Schüler war er anfänglich ein Anhänger des Neptunismus, änderte jedoch später seine Ansicht und wechselte zum Plutonismus über. Von Buch bereiste weite Teile Europas und gilt als einer der ersten geologischen Feldforscher.

Das Hauptaugenmerk seiner breit angelegten geologischen Studien galt zunächst dem Phänomen des Vulkanismus, später wandte er sich der Fossilienforschung zu. Er prägte den Begriff Leitfossil und gilt als einer der Begründer der Stratigraphie. Als eine seiner bedeutendsten Leistungen gilt seine 1839 in Buchform veröffentlichte wissenschaftliche Definition des Gesteinssystems des Jura. Er führte 1822 den Begriff des Keupers (Obere Trias) in den wissenschaftlichen Sprachgebrauch ein, verwendet ihn jedoch noch als Name für ein Gestein, das er dem Buntsandstein (Untere Trias) zuordnete. 1826 veröffentlichte er die erste vollständige geologische Karte von Deutschland (hatte aber in Christian Keferstein einen Vorläufer). 1828 referierte er über ringförmige anorganische Erscheinungen auf Fossilien und sonstigen Kalkuntergründen, die heute unter dem Namen Buch’sche Kieselringe bekannt sind.

Nachdem er 1798 den Vesuv und 1802 die Auvergne besucht hatte, fand er die neptunistischen Theorien des Vulkanismus (etwa als Umschmelzen durch brennende Kohle im Untergrund) widerlegt. Ein Beweis war, dass in der Auvergne der Basalt direkt auf dem Granit-Grundgebirge auflag, so dass von Buch in der Folge Basalt als geschmolzenen Granit auffasste. Seine geologische Beschreibung des Tals der Caldera de Taburiente auf der Kanareninsel La Palma führte den Begriff Caldera als vulkanischen Einsturzkraters in die Erdwissenschaften ein (später stellte sich jedoch heraus, dass diese Typlokalität keine Caldera im eigentlichen Sinne ist). 1814 besichtigte er Lanzarote und erkannte, dass die meisten der dortigen Vulkan-Ausbrüche aus der Zeit von 1730 bis etwa 1736 aus einer einzigen langen Erdspalte kamen, die heute auf mindestens 14 km geschätzt wird[3]. Über seine Beobachtungen auf Lanzarote und daraus abgeleitete Annahmen zum Vulkanismus berichtete er 1819 in einer Vorlesung vor der Preußischen Akademie der Wissenschaften[4] und in einer Übersichtsarbeit von 1825.[5]

1821 veröffentlichte er seine Theorie der Vulkane als Erhebungskrater. Danach sind sie durch unterirdischen Druck des Magmas entstanden, was zu Aufwölbung führte, manchmal auch zu Caldera-Bildung. Anfangs ließ er noch eine zweite Art von Vulkanen gelten, die Aufschüttungskrater, ab 1835 meinte er aber, alle Vulkane seien Erhebungskrater, was zu einer wissenschaftlichen Kontroverse führte. Elie de Beaumont stand auf Seiten von Buch, Friedrich Hoffmann, Constant Prévost und Charles Lyell waren dagegen.[6] Buch reiste 1834 nochmals nach Italien, wo er seine (heute überholte) Theorie bestätigt fand.

Er war Mitglied der Berliner Akademie der Wissenschaften.

Im Dezember 1848 begründete Leopold von Buch als 1. Vorsitzender die Deutsche Geologische Gesellschaft, zusammen mit Rudolf von Carnall und Carl Karsten als stellvertretende Vorsitzende, den Schriftführern Heinrich Ernst Beyrich, Julius Ewald, Heinrich Girard und Gustav Rose, dem Schatzmeister Friedrich Tamnau, dem Archivar Carl Rammelsberg und weiteren 40 Teilnehmern der konstituierenden Sitzung.

Von Buch verstarb am 4. März 1853 im Alter von 78 Jahren in Berlin. Er wurde auf dem Erbbegräbnis der Familie von Buch im ehemaligen Stolper Park beigesetzt.

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Standbild des Leopold von Buch über dem Eingangsbereich des Museums für Naturkunde in Berlin. Bildhauer: Richard Ohmann

Zum Gedenken an seine Verdienste beim Verständnis von Vulkankratern wurde der Buch-Krater auf dem Mond nach ihm benannt. Ein InterCityExpress und mehrere Straßen tragen seinen Namen. Auch im Artepitheton verschiedener Pflanzenarten, beispielsweise Lavandula buchii von den Kanarischen Inseln, wurde er geehrt. Im Pechgraben bei Großraming befindet sich am größten mehrerer erratischer Granitblöcke das Leopold-von-Buch Denkmal[10]. Ihm zu Ehren wurde ein Gestein, welches durch Pyrometamorphose oder Verbrennungsmetamorphose entstanden ist und mehr als 20 % Glas enthält, Buchit genannt.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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  • Reise durch Norwegen und Lappland, 1810 (Digitalisat)
  • Über die Ursachen der Verbreitung großer Alpengeschiebe, Abhandlungen der physikalische Klasse der Königlichen Akademie der Wissenschaften zu Berlin, 161–186, Berlin 1815
  • Ueber die Zusammensetzung der basaltischen Inseln und über Erhebungs-Cratere, 1820 (Digitalisat)
  • Ueber einen vulcanischen Ausbruch auf der Insel Lanzarote, 1820 (Digitalisat)
  • Ueber den Pic von Teneriffa, 1820 (Digitalisat)
  • Einige Bemerkungen über das Klima der canarischen Inseln, 1821 (Digitalisat)
  • Physicalische Beschreibung der Canarischen Inseln, 1825 (Digitalisat)
  • Über den Jura in Deutschland* , 1839
  • Über Terebratula Mentzelii im Tarnowitzer Muschelkalke. In: Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geognosie, Geologie und Petrefakten-Kunde, Jahrgang 1843, Stuttgart 1843, S. 253 – 256, Tafel II
  • Über Ceratiten. Abhandlungen der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin, physikalische Klasse, S. 1–43, Taf. 1–7, Berlin 1850

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Leopold von Buch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Leopold von Buch – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Werner QuenstedtBuch, Christian Leopold von. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 2, Duncker & Humblot, Berlin 1955, ISBN 3-428-00183-4, S. 697 (Digitalisat).
  2. Immatrikulation Göttingen am 4. Mai 1795 als stud. cam.
  3. Juan Carlos Carracedo, Eduardo Rodríguez Badiola, Vicente Soler: Aspectos volcanológicos y estructurales, evolución petrológica e implicaciones en riesgo volcánico de la erupción de 1730 en Lanzarote, Islas Canarias. In: Consejo Superior de Investigaciones Científicas (España) (Hrsg.): Estudios geológicos. Bd. 46, 1990, S. 25–55 (PDF, 1,7 MB)
  4. Leopold von Buch: Ueber einen vulcanischen Ausbruch auf der Insel Lanzerote. In der Königlich-Preußischen Akademie der Wissenschaften am 4. Feb. 1819 vorgelesene Abhandlung. Frei einsehbares und als eBook herunterladbares Digitalisat
  5. Leopold von Buch: "Physikalische Beschreibung der Canarischen Inseln." Berlin 1825.
  6. Otfried Wagenbreth, Geschichte der Geologie in Deutschland, Springer 1999, S. 69
  7. Mitgliedseintrag von Leopold von Buch (mit Bild) bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 3. Februar 2016.
  8. Mitgliedseintrag von Leopold von Buch (mit Bild) bei der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, abgerufen am 3. Februar 2016.
  9. Holger Krahnke: Die Mitglieder der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen 1751–2001 (= Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Philologisch-Historische Klasse. Folge 3, Bd. 246 = Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, Mathematisch-Physikalische Klasse. Folge 3, Bd. 50). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001, ISBN 3-525-82516-1, S. 52.
  10. Leopold von Buch Denkmal