LiMAx-Test

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Der LiMAx-Test (maximum liver function capacity) ist ein dynamischer Leberfunktionstest, der auf der Verstoffwechselung von 13C-Methacetin durch das leberspezifische Cytochrom-P450-1A2-System beruht und die aktuelle Leberleistung im Augenblick der Messung am Patientenbett wiedergibt (Point-of-Care-Testing).

Testprinzip[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der LiMAx-Test ist ein innovativer und leberspezifischer C13-Atemtest. Im Rahmen dessen wird dem Patienten 13C-Methacetin intravenös appliziert und erreicht mit dem Blutstrom die Leber. Hier wird 13C-Methacetin durch das Cytochrom P450 1A2 zu Paracetamol und letztlich zu 13CO2 verstoffwechselt, das anschließend über den Blutstrom zu den Lungen transportiert und hier abgeatmet wird.

Methacetin wird durch das leberspezifische Cytochrom P450 1A2 zu Paracetamol und 13C-Formaldehyd verstoffwechselt, das anschließend in mehreren Schritten zu 13CO2 umgesetzt wird.

Cytochrom P450 1A2 ist gleichmäßig über alle Zellen eines Leberazinus verteilt[1] und kommt im Gegensatz zu anderen Mitgliedern der Cytochrom-P450-Familie ausschließlich in der Leber vor. Weiterhin ist das genannte Cytochrom P450 1A2 kaum durch klinisch häufig eingesetzte Medikamente induzierbar. Das als Testsubstanz eingesetzte 13C-Methacetin ist in der eingesetzten Dosierung nicht toxisch und sehr gut verträglich.[2] Ebenso ist das zur Markierung eingesetzte 13C ein stabiles, natürlich vorkommendes und nicht radioaktives Kohlenstoffisotop. Aus diesem Grund müssen Patienten mindestens drei Stunden vor Messung nüchtern sein, um mögliche Interferenzen mit Kohlenstoff aus der Nahrung auszuschließen.

Testdurchführung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Patient bekommt zu Beginn des Tests eine Atemmaske aufgesetzt, die Einatemluft von Ausatemluft durch zwei Ventile trennt. Anschließend wird im Rahmen einer Baseline-Messung das individuelle Verhältnis von 13CO2/12CO2 in der Ausatemluft über eine Zeitspanne von 10 bis 20 Minuten ermittelt (Abb.).

Durch kontinuierliche Messung der 13CO2/12CO2-Ratio kann nach Injektion und Verstoffwechselung von 13C-Methacetin die individuelle Leberfunktion bestimmt werden.

Nach Injektion von 13C-Methacetin steigt das Verhältnis von 13CO2/12CO2 entsprechend an und wird durch spezielle Lasertechnik kontinuierlich am Patientenbett quantifiziert (FLIP[3]). Da während der Messung stets nur das Verhältnis von 13CO2/12CO2 gemessen wird, beeinflussen chronische Lungenerkrankungen (z. B. COPD, Fibrose) das Ergebnis nicht. Mittels kinetischer Analyse kann folgend der zeitliche Umsatz von 13C-Methacetin ermittelt werden. Der LiMAx ergibt sich hierbei als der auf das Körpergewicht normierte Maximalwert des Substratumsatzes.

Klinische Anwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der LiMAx findet bislang an deutschen, österreichischen und schweizerischen Universitätskliniken einen breiten Einsatz in hepatologischen und leberchirurgischen Fragestellungen.[4] Stockmann et al. konnte zeigen, dass der LiMAx ein exzellenter Prädikator für postoperatives Leberversagen nach leberchirurgischen Eingriffen ist.[5][6] Nach Lock et al. kann zudem die einsetzende Leberregeneration gut charakterisiert werden.[7] Im Rahmen einer Lebertransplantation können mit Hilfe des LiMAx-Tests zeitnah nach Transplantation Dysfunktionen bzw. Non-Funktion des Transplantats erkannt werden und Patienten von einem entsprechenden klinischen Management profitieren.[8] Ebenso kann mit Hilfe des LiMAx-Tests eine bestehende Zirrhose des Organs adäquat diagnostiziert und nach funktioneller Beeinträchtigung graduiert werden.[9] Die aktuelle Forschung zum LiMAx-Test[10] beschäftigt sich u. a. mit der non-invasiven Diagnostik der Leberzirrhose, dem Einfluss von Chemotherapie auf die Leberfunktion und leberfunktionsabhängiger Arzneimitteltherapie sowie weiteren hepatologischen und leberchirurgischen Fragestellungen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. C. N. Palmer, P. J. Coates, S. E. Davies et al.: Localization of cytochrome P-450 gene expression in normal and diseased human liver by in situ hybridization of wax-embedded archival material. In: Hepatology, 1992, 16(3), S. 682–687
  2. G. A. Starmer, S. McLean, J. Thomas: Analgesic potency and acute toxicity of substituted anilides and benzamides. In: Toxicology and applied pharmacology, 1971, 19(1), S. 20–28
  3. FLIP (Memento des Originals vom 6. März 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.humedics.de
  4. M. Jara, J. Bednarsch, J. F. Lock et al.: [Enhancing safety in liver surgery using a new diagnostic tool for evaluation of actual liver function capacity – The LiMAx test]. In: Deutsche Medizinische Wochenschrift, 2014, 139(8), S. 387–391
  5. M. Stockmann, J. F. Lock, B. Riecke et al.: Prediction of postoperative outcome after hepatectomy with a new bedside test for maximal liver function capacity. In: Annals of Surgery, 2009, 250(1), S. 119–125
  6. M. Stockmann, J. F. Lock, M. Malinowski et al.: The LiMAx test: a new liver function test for predicting postoperative outcome in liver surgery. In: HPB, 2010, 12(2), S. 139–146
  7. J. F. Lock, M. Malinowski, D. Seehofer et al.: Function and volume recovery after partial hepatectomy: influence of preoperative liver function, residual liver volume, and obesity. In: Langenbeck’s archives of surgery, 2012
  8. J. F. Lock, F.E. Schwabauer, P. Martus et al.: Early diagnosis of primary nonfunction and indication for reoperation after liver transplantation. In: Liver transplantation, 2010, 16(2), S. 172–180
  9. M. Stockmann, J. F. Lock, M. Malinowski et al.: Accurate Diagnosis and Grading of Cirrhosis using the new LiMAx test. In: Journal of hepatology, 2012, 56, S. 389–548
  10. Aktuelle Forschung zum LiMAx-Test