Lingua Ignota

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Alphabet der Lingua ignota

Lingua Ignota (lateinisch für unbekannte Sprache) ist eine konstruierte Sprache aus dem 12. Jahrhundert. Sie wurde von der Äbtissin Hildegard von Bingen geschaffen und ist durch ein Wörterverzeichnis im Rupertsberger Riesenkodex sowie unvollständig im Codex Vindobonensis und Codex Parisiensis überliefert. Die Erklärung der Wörter ist in Deutsch und Latein angegeben. Der Wortschatz umfasst etwa 900 Begriffe, die einen Bezug zum menschlichen Leben sowie zur Natur haben. Mehrere Wörter lassen Ähnlichkeiten zum Deutschen, Lateinischen, Altgriechischen, Hebräischen und Pseudo-Hebräischen erahnen, wobei auch vollständig erfundene Wörter enthalten zu sein scheinen. Auffällig ist die Häufung der Endung -uz bzw. -z.

Aufgrund bestimmter Auffälligkeiten wie Silbenverlängerungen, Hinzufügung von Zischlauten oder dass einzelne Wörter der Lingua Ignota mit einem ähnlichen Phonem beginnen wie Wörter aus natürlichen Sprachen, aber mit einer erfundenen Silbe enden, verleitete Forscher wie Paul Alphandéry dazu anzunehmen, dass die Wörter aufgrund physiologischer Besonderheiten Hildegards von Bingen so konstruiert wurden. Auch eine Vermutung von Jacob Grimm, nach der Hildegard von Bingen sich an dialektalen Wendungen aus einem Glossar orientiert haben soll, scheint nicht haltbar zu sein.

Die Wörter der Lingua Ignota wurden in einem ebenfalls konstruierten Alphabet verfasst, das jedoch an die lateinischen Buchstaben erinnert.

Die Verwendung der Lingua Ignota scheint auf einzelne Ausdrücke in Hymnen begrenzt zu sein.

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lingua Ignota Deutsch
Aigouz Gott
crizia Kirche
diveliz Teufel
iminois Mensch
isparriz Geist
luzeica Licht
vaniz Weib

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alessandro Bausani: Geheim- und Universalsprachen. Entwicklung und Typologie. Stuttgart u. a. 1970, S. 76–78.