Ljóðaháttr

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Der Ljóðaháttr ist ein altnordisches Versmaß, welches vor allem in der Spruch- und Merkdichtung der Lieder-Edda Verwendung findet. Eine Ljóðaháttrstrophe zeichnet sich durch die Kombination von Lang- und Vollzeilen aus.

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ljóð bedeutet Strophe/Lied und háttr ist eine Art und Weise, im Falle von Dichtung also als „Versmaß“ zu übersetzen. Daraus ergeben sich zwei mögliche Übersetzungen des Namens, „Strophenversmaß“ (nach See) und „Ton der Zauberlieder“ (nach Heusler). Generell geht man aber davon aus, dass die Ljóðaháttrstrophen nicht gesungen sondern gesprochen worden sind. Der Name des Versmaßes geht auf Snorri zurück.

Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Ljóðaháttr wechselt sich immer eine Langzeile mit einer Vollzeile (eine zäsurlose Zeile die in sich stabt) ab.

Ár skal rísa,
sá er annars vill
fé eða fjör hafa;
sjaldan liggjandi ulfr
lær of getr
sofandi maðr sigr.
Hávamál, 58
Anvers, Langzeile 1
Abvers
Vollzeile 1
Anvers, Langzeile 2
Abvers
Vollzeile 2
Gliederung
Früh soll aufstehen
wer des andern
Gut oder Leben haben will
selten erringt ein liegender
Wolf den Schinken
und ein schlafender Mann den Sieg
Übersetzung (Arnulf Krause)

Die Stabsetzungsregeln unterscheiden sich nicht von denen einer germanischen Langzeile oder Fornyrðislagstrophe. In jeder Langzeile werden vier Hebungen untergebracht, zwei bis drei davon müssen staben. Die Vollzeilen werden nicht durch eine Zäsur unterbrochen und tragen zwei Hebungen und zwei Stäbe.

Der Ljóðaháttr ist jedoch ein Versmaß mit häufig vorkommenden Ausnahmen. Diese werden durch den Einfluss von älteren Sprichwörtern und Merkdichtungen erklärt, die sich später nicht vollständig in die recht strenge Versform überführen ließen. Ein solches Sprichwort ist auch in das althochdeutsche Hildebrandslied eingearbeitet und es ist wohl kein Zufall, dass es wie eine Ljóðaháttrhalbstrophe aussieht.

mit geru scal man || geba infahan
ort widar orte
Mit dem Speer soll man || eine Gabe empfangen
Spitze gegen Spitze

Es kann in einem Ljóðaháttrstrophe durchaus vorkommen, dass ein eingearbeitetes Sprichwort oder ein Merksatz die Versstruktur vollkommen durcheinanderbringt. Dann finden sich beispielsweise zusätzliche Stäbe in Abversen oder Vollzeilen oder es werden Substantive (die einen Stab verlangen) einem schwächeren Satzglied vorangestellt ohne selbst zu staben.

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ljóðaháttr ist besonders charakteristisch für Teile der Lieder-Edda. Dort wird er vor allem in Liedern verwendet in denen Wissen einprägsam vermittelt werden soll. Die Spruchsammlung Hávamál ist fast durchgängig im Ljóðaháttr. Weiterhin wird er in den Götterliedern Grímnismál, Vafþrúðnismál, Skírnismál, Hárbarðslióð, Alvíssmál und in den Heldenliedern Reginsmál, Fáfnismál und Sigrdrífumál verwendet. Man findet ihn immer dort wo Charaktere miteinander reden. Für Erzählungen wird das Fornyrðislag verwendet.

In der skaldischen Dichtung tritt der Ljóðaháttr selten auf. Wir finden ihn beispielsweise in einigen Strophen der Eiríksmál und Hákonarmál, beides Werke von überschaubarer Länge.

Es wurden auch einige Runeninschriften im Ljóðaháttr gefunden. In Ansätzen lässt er sich schon in sehr frühen Inschriften erkennen (Stein von Tune, Brakteat von Tjurkö). Für die Wikingerzeit ist er in mehreren Inschriften bezeugt und selbst um 1250 findet sich noch auf einem der bergener Holzstäbchen ein kleiner Liebesvers (Bryggen, B 265):

Sæll ek þá þóttumk || er vit sáttumk í hjá
ok komat okkar maðr á meðal
Glücklich schien ich mir da, || als wir beide zusammensaßen
und niemand zwischen uns kam

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Andreas Heusler: Die altgermanische Dichtung, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1957, S. 34
  • Klaus von See: Germanische Verskunst, Metzler, Stuttgart, 1967, S. 52 ff.
  • Edith Marold: Ljóðháttr. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde Bd. 18. (2. Aufl.) Berlin, New York 2001.
  • Seiichi Suzuki: The Meters of Old Norse Eddic Poetry. (= Ergänzungsbände zum Reallexikon der Germanischen Altertumskunde, 86) de Gruyter, Berlin/Boston 2014, ISBN 978-3-11-033500-2.