Luftangriff auf Durango

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Bombardierung von Durango
Datum 31. März bis 4. April 1937
Ort Durango, Bizkaia, Spanien
Ausgang Deutsch-italienische Luftstreitkräfte konnten ohne eigene Verluste und ohne Gegenwehr die Stadt mehrere Tage lang bombardieren.
Folgen Schwere Schäden im gesamten Stadtgebiet Durangos, Tod von vermutlich mehr als 300 Zivilisten.
Konfliktparteien

Spanien Zweite RepublikZweite Spanische Republik Spanien

Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Deutsches Reich (Legion Condor)
Italien 1861Königreich Italien (1861–1946) Italien (Aviazione Legionaria)

Truppenstärke
keine (Stadt besaß keine Luftverteidigung) ~70 Flugzeuge
Verluste

249 bis 336 Tote
1.000 bis 2.500 Verwundete

keine

Der Luftangriff auf Durango war ein Bombardement der baskischen Stadt Durango im Jahr 1937 während des spanischen Bürgerkrieges. Die Attacke wurde durch deutsche und italienische Flugzeuge ausgeführt, die auf Seiten der spanischen Nationalisten kämpften. Der Angriff fand im Rahmen des Feldzuges der spanischen Nationalisten in Nordspanien statt. Obgleich einer der schlimmsten Luftangriffe des spanischen Bürgerkrieges, wurde dem Ereignis weit weniger Aufmerksamkeit zuteil als etwa dem Luftangriff auf Gernika, welcher sich einige Wochen später ereignete.

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Frühjahr 1937 verlagerten sich die Kampfhandlungen des Bürgerkrieges verstärkt auf Nordspanien und das Baskenland, wobei der nationalistische Vorstoß vorwiegend auf die Einnahme von Bilbao und Santander zielte. Die republikanischen Truppen in diesem Gebiet leisteten indessen erbitterten Widerstand, weswegen der Vormarsch der Franco-Verbände zeitweilig ins Stocken geriet. Um den Widerstand zu schwächen und um den vorrückenden Truppen den Weg freizukämpfen, griffen verstärkt Flugzeuge der auf Seiten Francos kämpfenden italienischen Aviazione Legionaria und der deutschen Legion Condor in die Kämpfe ein. Insgesamt standen zur Unterstützung der Bodentruppen etwa 25 bis 30 zu Bombern umgebaute Junkers Ju 52-Transportmaschinen, fünf Heinkel He 111 B-Bomber, drei Dornier Do 17 sowie zehn italienische Savoia-Marchetti SM.81-Bomber (ebenfalls umgerüstete Transportmaschinen) zur Verfügung. Dazu kamen elf deutsche Jagdflugzeuge Heinkel He 51 und 18 italienische Fiat CR.32-Jäger.

Im Rahmen der Angriffsvorbereitungen auf die republikanischen Linien wurden mehrere städtische Ziele ausgewählt, unter anderem dabei auch die Stadt Durango, etwa 25 Kilometer östlich von Bilbao gelegen, die als Nachschubumschlagplatz der Republikaner galt, welche mit Wirkung vom 31. März 1937 massiv attackiert werden sollten. Emilio Mola, einer der nationalistischen Putschgeneräle, sah es im Vorfeld als vertretbar an, wenn notfalls die gesamte baskische Provinz Bizkaia dem Erdboden gleichgemacht werden müsste.[1]

Verlauf des Angriffs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Angriff fand nicht in einem geschlossenen Verband statt, sondern zog sich über den ganzen Tag und auch noch die nachfolgenden Tage hin, wobei meistens Gruppen von etwa vier bis sechs Flugzeugen ihre Bombenlast abwarfen. Die erste Maschine an jenem 31. März 1937, eine deutsche Ju 52 der Kampfgruppe 88, erschien gegen 7.20 Uhr über Durango, das zu diesem Zeitpunkt über keine eigene Luftabwehr verfügte. Die Ju 52 konnte deswegen bis auf eine Höhe von etwa 300 m heruntergehen,[2] was den Zielabwurf erleichterte, und warf zwei 250-Kilogramm-Bomben sowie zahlreiche Brandbomben ab. Gegen 7.30 Uhr bombardierten neun italienische SM.81 Durango, wobei etwa 80 50-Kilogramm-Sprengbomben abgeworfen wurden. Die ersten Angriffswellen trafen die Stadt zu einer Zeit, als in den drei Kirchen in Durango gerade die Frühmesse abgehalten wurde.

Eine Bombe traf dabei die Marienkirche, in welcher der dortige Pfarrer, Don Carlos Morillo, von herabfallenden Trümmern erschlagen wurde.[2] Die Luftangriffe erfolgten wahllos und betrafen das komplette Stadtgebiet. Ein Bombeneinschlag in der St.-Susanna-Kirche tötete dort 14 Nonnen. Neben den schweren Sprengbomben kamen teilweise auch 1-Kilogramm-Stabbrandbomben zum Einsatz.

Etwa gegen 8.00 Uhr morgens tauchten die ersten CR.32- und He 51-Jagdflugzeuge über Durango auf, warfen kleinere Splitterbomben von 10 Kilogramm Gewicht ab und beschossen mit Maschinengewehren die Ausfallstraßen, wobei (widersprüchlichen Angaben zufolge) auch Rettungskräfte beschossen worden sein sollen. Eine weitere Angriffswelle von fünf Bombern und neun Jagdflugzeugen griff die Stadt gegen 8.30 Uhr an, wobei auch die örtliche Jesuitenschule getroffen wurde. Da dort viele Personen Zuflucht gesucht hatten, wurden in der Schule alleine etwa 30 bis 40 Menschen getötet. Nach den ersten Angriffswellen wurde versucht, die verwüsteten Straßenzüge zu räumen und Brände zu löschen. Da aber den ganzen Tag über, bis etwa gegen 17.45 Uhr, immer wieder sporadische Angriffe erfolgten, mussten Bergungs- und Rettungsversuche mehrfach unterbrochen werden.

Auch an den drei nachfolgenden Tagen, bis zum 4. April 1937, bombardierten einzelne oder in Gruppen zu zwei oder drei Maschinen anfliegende italienische und deutsche Flugzeuge die Stadt. Insgesamt fielen rund 45 Tonnen Bomben auf Durango, wobei etwa 15 Tonnen von italienischen Maschinen abgeworfen wurden.

Opfer unter der Zivilbevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Anzahl der Opfer ist nicht genau gesichert. Es gilt aber als verifizierbar, dass mindestens 128 Einwohner Durangos bei den Angriffen ums Leben kamen. Weitere 121 Menschen sollen allerdings an den darauffolgenden Tagen in den Krankenhäusern der umliegenden Städte, vor allem in Bilbao, ihren Verletzungen erlegen sein,[2] womit sich die Zahl der Getöteten auf insgesamt 249 erhöhen würde. Letztlich ist diese Zahl allerdings nicht gesichert, spanische Quellen nennen auch bis zu 336 Tote.[3] Über die Anzahl der Verletzten herrscht ebenfalls keine Klarheit, es dürften jedoch weit über 1.000 gewesen sein (manche Quellen geben gar die Zahl von 2.500 Verletzten an).[4] Da Durango im Jahr 1937 etwa eine Bevölkerung von knapp 8.800 Menschen besessen hatte, sich in der Stadt aufhaltende Bürgerkriegsflüchtlinge nicht mit einbezogen, wäre somit beinahe ein Drittel aller Einwohner getötet oder verwundet worden. Die italienischen und deutschen Streitkräfte erlitten bei dem Angriff auf die nicht verteidigte Stadt keine Verluste.

Nachwirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Luftangriff auf Durango war nicht nur der erste direkte Angriff auf eine nicht verteidigte Stadt im Kontext des spanischen Bürgerkrieges in Europa, er forderte indessen vermutlich auch beinahe so viele Opfer, eventuell sogar mehr (die Anzahl der Opfer ist oftmals nur geschätzt und variiert stark), wie der Luftangriff auf Gernika einige Wochen später. Gleichwohl jedoch wurde dem Vorfall nicht die gleiche Rezeption und Aufmerksamkeit in Kunst und Medien zuteil wie dem verheerenden Bombardement Gernikas, obgleich der Angriff auf Durango quasi als eine Art Generalprobe für Luftangriffe dieser Art auf Städte gedeutet werden kann.

Das weitgehend zerstörte Durango fiel am 28. April 1937 in die Hände der vorrückenden nationalspanischen Truppen, wobei diese später jegliche Verantwortung für die Zerstörungen in der Stadt und auch für den Tod der Nonnen und des Priesters Don Carlos Morillo zurückwiesen und stattdessen die Gegenseite dafür verantwortlich machten.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Antony Beevor: The Battle for Spain. The Spanish Civil War, 1936–1939. Penguin Books, New York NY 2006, ISBN 0-14-303765-X.
  • Herbert M. Mason: Die Luftwaffe. Aufbau, Aufstieg und Scheitern im Sieg. Paul Neff Verlag KG, Wien u. a. 1973.
  • Hugh Thomas: The Spanish Civil War. Revised and updated edition. Modern Library, New York NY 2001, ISBN 0-375-75515-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hugh Thomas: The Spanish Civil War. Revised and updated edition. 2001, S. 598.
  2. a b c Herbert M. Mason: Die Luftwaffe. 1973, S. 215 f.
  3. Una instalación artística evoca a las 336 víctimas del bombardeo de Durango.
  4. Spanish Civil War – March 1937.