Maeslant-Sperrwerk

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Maeslant-Sperrwerk

Die Maeslantkering ist ein Sturmflutsperrwerk an der Mündung des Nieuwe Waterweg. Es verbessert den Hochwasserschutz für etwa eine Million Menschen im Großraum Rotterdam.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Maeslant ist Altniederländisch für Maasland, nach dem Fluss Maas. Das niederländische Wort Kering bezeichnet jegliche Hochwasserschutzanlage. In der Fachsprache des Küstenschutzes findet sich auch im Deutschen die Formulierung, durch ein Sperrwerk werde die Flut „gekehrt“.[1][2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Modell des Maeslant-Sperrwerks

Nach der verheerenden Flutkatastrophe von 1953 mit 1836 Opfern wurde der Deltaplan entwickelt, der das Gebiet von Rotterdam bis Antwerpen mit Dämmen schützen sollte. Die Meeresarme sollten verschlossen und die Küstenlinie damit verkürzt werden, um Sturmfluten weniger Angriffsfläche zu bieten. Von mehreren Entwürfen wurde die beste heute bekannte Konstruktion schließlich verwirklicht. Nie zuvor wurde ein Sperrwerk mit derart großen beweglichen Teilen gebaut. Da diese sämtlich an Land liegen, wird der Schiffsverkehr auf dem Weg zum Rotterdamer Hafen nicht beeinträchtigt.

Das Sperrwerk wurde von 1991 bis 1997 von 600 Arbeitern errichtet und kostete 660 Millionen Euro. Die gesamte Konstruktion besteht aus dreimal so viel Stahl wie der Eiffelturm in Paris. Die beiden kreisbogenförmigen Tore sind drehbar um ein Kugelgelenk mit einem Durchmesser von 10 Metern und einem Gewicht von 680 Tonnen gelagert. Die Fundamente der Lager bestehen aus Beton. Die Arme, die die Kreisbogensegmente der Sperrtore mit den Drehgelenken an den Lagerpunkten verbinden, haben eine Länge von 237 m und bestehen aus drei großen, miteinander verbundenen Fachwerkträgern aus Stahlrohren. Die Sperrtore sind 22 m hoch und je 210 m lang. Sie wurden aus insgesamt 18 Einzelsegmenten zusammengesetzt, die auf Schiffen im Wasser aneinander geschweißt wurden.

Funktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Maeslant-Sperrwerk geschlossen

Bei normalem Wasserstand befinden sich die Tore in Trockendocks am Ufer des Nieuwe Waterweg. Die Schifffahrt kann dann ungehindert passieren. Bei einer drohenden Sturmflut werden die Docks geflutet. Dadurch schwimmen die Tore auf. Mit zwei redundanten Fünf-Zylinder-Hydraulikmotoren werden die Tore um ihren Drehpunkt in die Mitte des Nieuwe Waterweg geschwenkt. Dort werden die Tore geflutet und auf den Grund der Schifffahrtsstraße abgesenkt. Kurz vor der Bodenberührung entsteht eine starke Strömung zwischen den Toren und dem Grund, die das Fundament von Ablagerungen und Schlick befreit. So schließen die Tore den 360 Meter breiten Nieuwe Waterweg ab. In der Mitte bleibt jedoch ein Spalt von 1,5 m, damit die Tore bei Sturm nicht aufeinanderprallen.

Die Schließung der Wasserstraße dauert genau 2½ Stunden und erfolgt dann, wenn bei Rotterdam ein Wasserstand von 3,00 Metern über dem Amsterdamer Pegel (NAP) erwartet wird. Dieser Wasserstand tritt im Durchschnitt einmal in fünf Jahren auf. Auf beiden Seiten des Sperrwerks stehen Kontrollzentren, in denen Computer die Schließung automatisch steuern. Alle zehn Minuten wird eine Voraussage des Wasserstandes der nächsten 24 Stunden erstellt. Einmal im Jahr wird eine gesamte Schließung zur Überprüfung durchgeführt.

Im angeschlossenen Besucherzentrum sind Bau, Funktion und Auswirkung des Sperrwerks erklärt. Auch Satellitenkarten und ein auf Knopfdruck flutendes Modell (nebenstehend abgebildet) sind zu sehen.

In der Nacht zum 9. November 2007 wurde das Sperrwerk erstmals aufgrund einer Sturmflut geschlossen, als das Sturmtief Tilo über Mittel- und Nordeuropa zog. Gleichzeitig wurde auch das Hartelsperrwerk geschlossen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Maeslant-Sperrwerk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. NLWKN: Emssperrwerk
  2. Vegesack: Lesum-Sperrwerk

Koordinaten: 51° 57′ 14″ N, 4° 9′ 49″ O