Mehrlagenetikett

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Öffnen eines Mehrlagenetiketts

Ein Mehrlagenetikett (auch englisch Multi-Layer Label) ist ein Etikett mit mehreren Schichten. Es besteht aus einer oberen Lage mit Textfeldern/Informationen und mindestens einer unteren Lage mit weiterem Platz für Textfelder. Die untere oder unteren Lagen sind im geschlossenen Zustand des Etiketts abgedeckt. Wird die obere Lage, welche mit den unteren Lagen verbunden ist, durch Aufklappen geöffnet, so sind die von außen nicht sichtbaren Informationsfelder auf der Rückseite der oberen Lage und den unteren Lagen für den Nutzer zugänglich.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich entwickelte Jim Hattemer in den frühen 1970er Jahren ein Konzept der Mehrlagenetiketten. Es beruhte auf der Idee, eine Materialbahn zu bedrucken und eine weitere bedruckte Bahn darüber zu befestigen. Ein trockener Klebstoff zwischen den Bahnen ermöglichte die Produktion eines mehrschichtigen Etiketts. Bis heute sind viele verschiedene Arten von Mehrlagenetiketten entwickelt worden, beispielsweise mit Folie als Obermaterial und Papier als mittlere Schicht auf einem Trennpapier. Ebenso sind patentierte Varianten zu nennen, welche beispielsweise mehrere bedruckte und mit UV-Lack beschichtete Lagen beinhalten.[2] Patente für Mehrlagenetiketten besitzen unter anderem David Instance, die Schreiner Group, die Bayer AG und die Denny Bros Group – Fix-a-Form. Eine Gebrauchsmusterschrift des Deutschen Patent- und Markenamtes können beispielsweise Klaus Dinges für sein selbstklebendes mehrlagiges Etikett, die RIECO Gruppe für ihr nassklebendes Multi-Tasking-Label, sowie die Jungdruck GmbH & Co KG mit deren Nassleim-Mehrlagenetiketten (Teclabel) vorweisen.[3]

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Global harmonisierten System zur Einstufung und Kennzeichnung von Chemikalien (GHS), welches spätestens am 1. Juni 2015 in Kraft treten wird, stehen Hersteller und Abfüller unter dem Druck einer Mehrkennzeichnung von Gefahrenstoffen auf ihren Produkten. Aerosole und Sprühdosen sind beispielsweise Produkte, welche von dieser Mehrkennzeichnung betroffen sind. Jedoch besitzen diese meist nur eine geringe Oberfläche, auf welcher der Platz für Sicherheitshinweise begrenzt ist. Das Mehrlagenetikett ist eine Möglichkeit, diesen fehlenden Platz zu kompensieren[4].

Funktion/Leistung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • mehr Flächen für Informationen direkt am Produkt für Sicherheitshinweise, Werbung, Rezepte, die Produktanwendung, Bonusaktionen
  • wiederverschließbar oder nicht-wiederverschließbar
  • Möglichkeit der Mehrsprachigkeit eines Etiketts (Lagerflächenersparnis, Wegfalls einer länderspezifischen Lagerung, verringerter Umetikettierungsaufwand)

Etikettierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Etikettierung von Mehrlagenetiketten ist heute sowohl im Bereich des Nassleims (Kaltleim-Etikettierung oder Heißleim-Etikettierung) möglich, als auch selbstklebend in Form von Haftetiketten. Das Platzieren der Mehrlagenetiketten auf dem Produkt oder der Verpackung erfolgt, wie bei einlagigen Rolletiketten, durch manuelle oder automatische Etikettenspender.

Es gibt unterschiedliche Arten von Mehrlagenetiketten:

  • Sandwichetiketten/ Peel-off-Etiketten/ Doppellagenetiketten: Sie bestehen aus zwei oder drei Etikettenlagen. Das Trägeretikett (untere Lage) ist mit einem dauerhaften Kleber versehen. Das Decketikett (obere Lage) kann bis zu einem fest verschlossenen Bund vom Trägeretikett abgelöst werden (Peel-off) und wieder aufgeklebt werden. Bedruckt werden können alle Seiten bis auf die Kleberseite des Trägeretiketts.
  • Booklet-Etiketten/ Leporello-Etiketten: Diese Art von Etiketten besteht aus einem Basisetikett, Papierbooklet, dabei handelt es sich um einen Miniprospekt, der mit dem Basisetikett verklebt ist, sowie aus einer Laminatfolie. Die Laminatfolie schützt das Papierbooklet vor äußeren Einflüssen und ermöglicht ein Wederverschließen des Etiketts. Als Alternative gibt es Booklet-Etiketten, bei denen auf eine Laminatfolie verzichtet wird, somit können sie nicht wiederverschlossen werden. Eine Sonderform des Etiketts ist das sogenannte Leporelle-Etikett. Dabei wird es mit einem Akkordeon- bzw. Zick-Zack-Falz (Leporello-Falz) versehen.
  • Wickeletiketten/Banderolen: Das Wickeletikett wurde für runde Verpackungen entwickelt. Mit einer Klebefläche wird das Etikett am Gebinde befestigt und kann somit mehrfach umwickelt werden. Sie bestehen entweder aus Etikettpapier oder Kunststofffolie. Dabei können sie entweder permanent haftend oder wiederablösbar und von einer oder beiden Seiten bedruckt sein.
  • Nassleim-Mehrlagenetiketten: Man spricht von einem Nassleim-Mehrlagenetikett, wenn die Etiketten nicht auf selbstklebenden Rollenmaterial produziert, sondern im Bogen-Offset und erst später an der Kennzeichnungslinie mit einem Nassleim bestrichen werden.[5]

Herstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Druckverfahren: In erster Linie kommen drei Druckverfahren zum Einsatz der Offsetdruck, Flexodruck und Digitaldruck. Weitere Druckverfahren sind der Siebdruck und Buchdruck.
  • Materialien: Dabei wird zwischen Mehrlagenetiketten aus Papier und Folie unterschieden. Für Etiketten aus Folien kommen vor allem folgende Kunststoffe zum Einsatz: Polyester (PET), Polyethylen (PE), Polypropylen (PP) und Polyvinylchlorid (PVC). Bei Papier gibt es große Vielfalt von Etikettenpapier angefangen bei 60 g bis zu einem Gewicht von 135 g.
  • Klebstoffe für Mehrlagenetiketten: Unterschieden wird zwischen einem Kleber mit permanenter Haftung und zum anderen wiederablösbarer Haftung. Beim semi-permanenten Haftkleber handelt es sich um eine Kombination aus den beiden, anfänglich lässt er sich gut ablösen, haften aber später fest auf den Materialien. Bei ablösbaren Etiketten sind Grenzwerte der Klebkräfte von 3 N/25 mm (entspricht 1,2 N/10 mm) gängig. Bei permanenten Etiketten liegt der Wert bei 9 N/25 mm (entspricht 3,6 N/10 mm).
  • 'Weiterverarbeitung:' Bei der Weiterverarbeitung können verschiedene Weiterverarbeitungstechnologien zum Einsatz:
    • Veredelung/ Laminierung/ Kaschierung/ Prägung
    • Blindenschrift/ Tastbares Warndreieck
    • Falzung/ Perforation
  • Das Zusammentragen / Falzleimung: Damit aus den einzelnen Lagen ein Mehrlagenetikett entsteht, müssen alle Lagen zusammengetragen werden. Dies erfolgt mit einer Sandwich- bzw. Bookletanlage. Eine andere Methode zum Verbinden ist die Falzleimung. Bei dem Falzvorgang wird Leim am Bund verteilt, um so die einzelnen Lagen zu verbinden.
  • Das Stanzen: Nach dem Verbinden der Lagen wird die Kontur herausgestanzt. Der Arbeitsschritt wird mit Hilfe eines scharfkantigen mechanischen Stanzwerkzeugs aus Metall (Zylinderstanze) oder mit einer Laserstanze durchgeführt.
  • Das Umrollen: Das Umrollen erfolgt an einen Etikettenwickler. Dadurch, dass es unterschiedliche Modelle von Etikettenspender gibt, werden die fertigen Etiketten auf Rollkerne mit verschiedenen Kern- und Außendurchmessern gewickelt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Deutsches Patent und Markenamt Welches Patent?
  2. Peeling Back the Layers (Memento des Originals vom 7. Juli 2012 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.etiquette.co.uk
  3. [1] - Recherche im Deutschen Patent- und Markenamt
  4. Umweltbundesamt für Mensch und Umwelt
  5. Mehrlagenetiketten. 14. November 2016, abgerufen am 12. Januar 2017.