Michael Born

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Michael Born (* 30. Juli 1958 in Lahnstein) ist ein deutscher Fernsehjournalist. Der ausgebildete Schiffsoffizier war in den 1980er Jahren als Journalist in Krisengebieten tätig und konvertierte 1986 zum Islam. Born wurde als „Filmfälscher“ beziehungsweise „Kujau des Fernsehens“ bekannt, nachdem zahlreiche seiner vermeintlichen Dokumentarfilme, die er für Stern TV, Spiegel TV Magazin, ZAK und andere geliefert hatte, als Fälschung entlarvt worden sind.[1]

Dokumentarfilmfälschung[Bearbeiten]

In seinen Filmen hatte Born zum Beispiel Kinder gezeigt, die angeblich als Kindersklaven in Indien für Ikea Teppiche knüpften, oder ein mutmaßliches Ku-Klux-Klan-Treffen in der Eifel, das er aber tatsächlich mit Freunden bloß inszeniert hatte. Born rechtfertigt sich für diese Inszenierungen noch heute mit dem Hinweis, dass zu Beginn seiner Tätigkeiten nicht der Spaß am Fälschen, sondern vor allem die Sorge um die eigene Sicherheit, gepaart mit journalistischem Eifer seine eigentlichen Beweggründe gewesen wären.[2] Alles soll damit begonnen haben, dass Born reale Kriegsberichte mit Archivaufnahmen von Explosionen u. Ä. versah. Hier hätte er zum ersten Mal bemerkt, dass dieses Material nur sehr oberflächlich geprüft würde, und er hätte begonnen, diese Methode auch bei anderen Reportagen anzuwenden. Er behauptet, damals aus erster Hand über brisante Informationen verfügt zu haben, bspw. über illegale Kinderarbeit in Indien oder über Schmuggelrouten für Drogen in die EU. Diese Vorkommnisse real zu dokumentieren sei ihm aber dermaßen gefährlich erschienen, dass er sich dafür entschieden hätte, diese aus seiner Sicht wahren Begebenheiten einfach „nachzustellen“. Im Lauf der Zeit jedoch nahm Borns Dreistigkeit der Nachstellung offenbar zu, bis er schließlich entlarvt wurde, weil die Stimme des sogenannten Ku-Klux-Klan-Redners in einem seiner Filme laut polizeilichem Gutachten mit 60-prozentiger Wahrscheinlichkeit identisch war mit der Stimme des angeblichen Drogenkuriers aus Guadeloupe. Der Staatsanwaltschaft gelang es darauf hin, einen von Borns Mitarbeitern zu einem umfangreichem Geständnis zu bewegen und Born anzuklagen.[2][3][4]

Das Landgericht Koblenz verurteilte Born im Dezember 1996. Die Anklage warf ihm 32 gefälschte Dokumentationen vor, wovon ihm 16 nachgewiesen werden konnten. Bei einigen der anderen Filme erkannte das Gericht die Mitschuld oder gar den Auftrag durch die beteiligten Sendeanstalten an. Für jeden nachgewiesenen Betrug wurde er zu drei Monaten Haft verurteilt, also zu einer Gesamtstrafe von vier Jahren Haft. Michael Born wies im Prozess auf das auf Einschaltquoten fixierte Mediensystem hin und warf den nachlässigen Redakteuren eine wesentliche Mitschuld an seinen Fälschungen vor.[5]

Seit 2002 lebt Born in Griechenland.[2]

Der damalige Chefredakteur von stern TV, der ausgebildete Journalist Günther Jauch, verteidigte sich bei seiner Vernehmung gegen den Vorwurf mangelnder Sorgfalt mit der Begründung, er habe nie im Schneideraum gearbeitet.[6][7] Allerdings änderte stern TV anschließend grundsätzlich seine Personalpolitik. Setzte man bis dato überwiegend auf Freiberufler und Zulieferfirmen, wurde von nun an eine Redaktion mit festangestellten Mitarbeitern aufgebaut. Diese besteht bis heute.[8]

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Born: Wer einmal fälscht... - Die Geschichte eines Fernsehjournalisten mit einem Nachwort von Volker Lilienthal. Kiepenheuer und Witsch, 1997. ISBN 3462026674
  • Martin Doll: Fälschung und Fake. Zur diskurskritischen Dimension des Täuschens. Kadmos Kulturverlag, Berlin 2012, S. 349-358. ISBN 978-3865991409
  • Thomas Pritzl: Der Fake-Faktor. Spurensuche im größten Betrugsfall des deutschen Fernsehens. kopäd, 2006. ISBN 3-938028-69-6
  • Matthias Junge: Grimme Preis für Michael Born, in: Heide Baumann und Clemens Schwender (Hrsg.): Kursbuch Neue Medien. Ein Reality-Check, Stuttgart, München: Deutsche Verlags-Anstalt, 2000, S. 178-197. ISBN 3-421-05319-7
  • Johannes Hof: Informationsgesellschaft und Demokratieentwicklung - Von der Mediendemokratie zur Internetdemokratie? Diplomarbeit der Fachhochschule Stuttgart (PDF; 3,4 MB), abgerufen am 15. Juni 2013.
  • Kay Hoffmann: Das dokumentarische Bild im Zeitalter der digitalen Manipulierbarkeit. In: Trau-Schau-Wem. Digitalisierung und dokumentarische Form, Kay Hoffmann (Hrsg.), UVK Medien, Konstanz 1997, S. 13-28.

Weblinks[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Werner A. Perger, Die Zeit, Unter Fälschern, 2. Februar 1996, Zeit-Online, abgerufen am 15. Juni 2013.
  2. a b c Panorama-Reporterin A. Reschke im Interview mit Michael Born, 2011, Die Bilder aus dem Lügenfernsehen, NDR, abgerufen am15. Juni 2013.
  3. Burkhard Strassmann, Die Zeit, Gut gefälscht ist halb gewonnen, 2. Februar 1996, Zeit-Online, abgerufen am 15. Juni 2013.
  4. Marika Schaertl, Günther Bähr und Uli Martin, Focus, Absurdes Theater, 5. Februar 1996, Focus-Online, abgerufen am 15. Juni 2013.
  5. Gisela Friedrichsen, Der Spiegel, Ich bei der Arbeit, sozusagen, 23. September 1996, Spiegel-Online, abgerufen am 15. Juni 2013.
  6. Volker Lilienthal, Die Zeit, 1. November 1996, Der Zeuge Günther Jauch im Filmfälscher-Prozeß, Zeit-Online, abgerufen am 15. Juni 2013.
  7. W. Timpe, Wir sind Opfer - Günther Jauch hat die gefälschten Beiträge des Michael Born gesehen, geprüft und gesendet - schuldig aber sollen andere sein, Die Woche, 25. Oktober 1996.
  8. Stern TV in: Hinter den Kulissen. Die Themen bitte!, abgerufen am 15. Juni 2013.