Michel Roth

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Michel Roth (* 26. Juni 1976 in Altdorf UR, Schweiz) ist ein Schweizer Komponist, Musikforscher und Hochschullehrer.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Michel Roth studierte ein Jahr Musikwissenschaft und Germanistik an der Universität Basel und anschliessend Komposition und Musiktheorie bei Roland Moser an der Musikhochschule Basel. Nach dem Diplom mit Auszeichnung folgten zwei weitere Studienjahre bei Detlev Müller-Siemens. 2001 wurde er an die Musikhochschule Luzern berufen, wo er als Professor für Komposition und Musiktheorie wirkte und das Studio für zeitgenössische Musik leitete. In dieser Funktion arbeitete Michel Roth mit Sofia Gubaidulina, Pierre Boulez, Péter Eötvös, Helmut Lachenmann und George Benjamin zusammen und baute in Kooperation mit der Lucerne Festival Academy den Studiengang Contemporary Art Performance auf. 2011 folgte er einer Berufung zum Professor für Komposition und Musiktheorie der Hochschule für Musik Basel, wo er auch als Mitglied der Forschungsabteilung tätig ist.

Als Komponist hat Michel Roth mit vielen namhaften Interpreten aus dem In- und Ausland zusammengearbeitet, darunter das Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das Orchestre de Chambre de Lausanne, das Musikkollegium Winterthur, das Klangforum Wien, das Ensemble Mosaik Berlin, das Ensemble Phoenix Basel, das Ensemble Ascolta Stuttgart und die Stuttgarter Vocalsolisten. Er war Gast an zahlreichen internationalen Festivals, etwa am Lucerne Festival, an der Musica Viva (München), den Wittener Tage für Neue Kammermusik, dem Warschauer Herbst, den Tagen für Neue Musik Zürich und als "visiting composer" an den Darmstädter Ferienkursen. 2003 erhielt er einen Werkauftrag des Schweizerischen Tonkünstlervereins, 2005, 2007, 2011 und 2015 durch die Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia, ebenso folgten zahlreiche Preise und Förderbeiträge, darunter 2007 der BMW-Kompositionspreis der Musica Viva München für sein Orchesterstück "Der Spaziergang". Seine erste Oper "Im Bau" wurde 2011 von Georges Delnon am Theater Basel inszeniert, die zeitgenössische Operette "Die Künstliche Mutter" entstand 2016 als Koproduktion von Lucerne Festival und Gare du Nord Basel (unterstützt durch die Ernst von Siemens Musikstiftung). Ein breites Spektrum seiner neueren Werke wird vom Ricordi Verlag herausgegeben.

Neben seiner praktischen Tätigkeit forscht und publiziert Michel Roth zu musiktheoretischen Themen und war Musikkurator der vier interdisziplinären Ausstellungsprojekte "Harmonie und Dissonanz" (2006), "Neoimpressionismus und Moderne" (2008), "LINEA" (2011) und "Dieter Roth und die Musik" (2014) im Kunsthaus Zug und im Hamburger Bahnhof Berlin.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Musiktheater[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • "Räuber-Fragmente" (nach Robert Walser) für Schauspieler, improvisierenden Solisten, Saxophon, Gitarre und Kontrabass 2011
  • "Im Bau" (nach Franz Kafka) für Sopran, Oboe, Violoncello und Klavier 2011
  • "Die Künstliche Mutter" (nach Hermann Burger) für Sopran, Mezzosopran, Tenor, Bariton, zwei Schauspielerinnen und Ensemble 2016

Orchesterwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • "Arnold Schönberg: Drei Klavierstücke op.11", bearbeitet für Orchester von Michel Roth 1999
  • "Es weckt das Lied die Liebe", Klavierlieder von Gustav Mahler bearbeitet für Orchester von Michel Roth 2003
  • "Nachtstück aus der Oper Der ferne Klang von Franz Schreker", bearbeitet für Kammerorchester von Michel Roth 2006
  • "Der Spaziergang" für zwei Baritone und Orchester 2007
  • "rebotco" für Orchester 2012

Ensemblewerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • "Schöllenen" für Ensemble 2001
  • "Die auf dich zurückgreifende Zeit" für 6 Singstimmen und Ensemble 2006
  • "PESSOA" für 9 Singstimmen und Ensemble 2007
  • "molasse vivante" für Ensemble 2007
  • "MOI" für grosses Ensemble (nach Tonbändern von Giacinto Scelsi) 2012/13

Kammermusik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • "verinnerung" für Klaviertrio 2001
  • "erschöpfung" für Streichtrio 2002
  • "verrückung (...Boogie-Woogie)" für Klavierquartett 2003/rev.2010
  • "Quellmund" für Oboe und Streichtrio 2004
  • "HOAX. Variationen für zwei Gitarren" 2004
  • "molasse vivante" für Klavierduo 2004
  • "Mr. Wint and Mr. Kidd" für Flöte, Klavier und Schlagzeug 2005
  • "Zwirn" für vier Naturhörner 2007
  • "Wendungen" für Sprecher und Klavierquintett (als Gegenstück zu Schönbergs "Ode an Napoleon") 2014

Solowerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • "Töne oder Tiere" für Naturhorn 2006
  • "Trois Têtes de Giacometti" für Schlagzeug 2007
  • "Tête - Crâne" für Klarinette 2007
  • "KAVALKADE" für Kontrabass 2007
  • "Eins und Alles" für Orgel 2008
  • "Plaie et Douceur" für Viola 2009
  • "Raumerweiterungssignale" für Achteltonhorn und Elektronik 2011
  • "Die Zunge des Gletschers" für singenden Kontrabassisten 2015
  • "LAUT" Etüde für Posaune 2016

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • „Varèse analysieren“, in: Felix Meyer und Heidy Zimmermann (Hrsg.): Edgard Varèse: Komponist, Klangforscher, Visionär, eine Publikation der Paul-Sacher-Stiftung Basel und dem Museum Tinguely, Schott, Mainz e.a. 2006, S. 480-481. ISBN 978-3-7957-0455-1
  • Matthias Haldemann (Hrsg.): Harmonie und Dissonanz. Gerstl Schönberg Kandinsky. Malerei und Musik im Aufbruch, Kunsthaus Zug in Zusammenarbeit mit der Musikhochschule Luzern, Einleitung von Christian Meyer, ausführlicher interdisziplinärer Gesprächstext von Andreas Brenner, Matthias Haldemann, Michel Roth und einer abschliessenden Diskussion mit Pierre Boulez, Hatje Cantz, Ostfildern 2006. ISBN 978-3-7757-1821-9
  • „Das magische Quadrat“ und „Schönberg, der Erfinder“ in: Musikhochschule Luzern, Arnold Schönberg Center, Wien (Hrsg.): Das Magische Quadrat, eine Annäherung an den Visionär Arnold Schönberg, multimediale Buchbox mit 10 Druck- und Spielobjekten, einer CD und einem Vexieretui von und über Arnold Schönberg, zahlreiche Originalbeiträge u.a. von Ch. Meyer, M. Roth, M. Böggemann, U.P. Jauch, C. Emmenegger, A. Jacob, E. Fess und einem Geleitwort von Nuria Schönberg-Nono, Edizioni Periferia, Poschiavo/Luzern 2006. ISBN 978-3-907474-23-5
  • „Arnold Schönbergs Begriff der Klangfarbenmelodie“ und „Harmonie und Dissonanz, Wahrnehmung und Vermittlung“, in: Claudia Emmenegger, Elisabeth Schwind, Olivier Senn (Hrsg.): Musik – Wahrnehmung – Sprache, Bericht des gleichnamigen Symposiums anlässlich von Lucerne Festival Sommer 2006, Reihe: Eine Publikation der Musikhochschule Luzern, Chronos Verlag, Luzern 2007, S. 59-80. ISBN 978-3-0340-0875-4
  • „Schöpferisches Potenzial. Komponieren in der Zentralschweiz“ in: Alois Koch (Hrsg.): Kreative Provinz. Musiklandschaft Zentralschweiz, Pro Libro Verlag, Luzern 2010, S. 218-245. ISBN 978-3-905927-06-1
  • „’Draw a straight line and follow it’. Eine Phänomenologie der Linie in der Musik“, in: Matthias Haldemann (Hrsg.): Linea. Vom Umriss zur Aktion: Die Kunst der Linie zwischen Antike und Gegenwart, Hatje Cantz, Ostfildern 2010, S. 291-310. ISBN 978-3-7757-2795-2
  • „’Bousculer le temps, bousculer l’espace’, Allusions- und Montagetechnik in Maurice Ravels Oper ’L’Enfant et les Sortilèges’“, in: Michael Kunkel e.a. (Hrsg.): Musik – Buchstaben – Musik. Kunst und Forschung an der Hochschule für Musik Basel, Saarbrücken 2013, S. 80-126. ISBN 978-3897274815
  • „Dieter Roth und die Musik. Discography“, Edizioni Periferia, Poschiavo/Luzern 2014. ISBN 978-3906016344
  • „Dieter Roth und die Musik. 'Und weg mit den Minuten'“, Katalog zur Ausstellung im Kunsthaus Zug und im Hamburger Bahnhof Berlin, Edizioni Periferia, Poschiavo/Luzern 2014. ISBN 978-3906016320

Diskographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • "PATERA" für 4 Hörner und 4 Schlagzeuger (Müller & Schade 5042/2) 2003
  • "verinnerung" für Klaviertrio (musiques suisses CTS-M88) 2004
  • "molasse vivante" für Klavierduo (musiques suisses CTS-M107) 2007
  • "Trois Têtes de Giacometti" für Schlagzeug solo (musiques suisses CTS-M121) 2009
  • "PESSOA" für 9 Singstimmen und Ensemble (musiques suisses CTS-M120) 2009
  • "Kavalkade" für Kontrabass solo (Dux 0800/0801) 2010
  • Grammont Portrait "Michel Roth" (musiques suisses CTS-M136) 2012
  • "Räuber-Fragmente" für Schauspieler, improvisierenden Solisten, Saxophon, Gitarre und Kontrabass (musiques suisses CTS-M137) 2012

Literatur über Michel Roth[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Kunkel: ‚Beifügen könnte ich, dass...‘. Behauptungen oder Mutmassungen über Michel Roths Komposition "Der Spaziergang" nach Robert Walser. In: Dissonanz 107 (2009), S. 8–11.
  • Imaginäre Inszenierungen. Thomas Gartmann im Gespräch mit Michel Roth über die Kammeroper Im Bau. In: Michael Kunkel e.a. (Hrsg.): Musik – Buchstaben – Musik. Kunst und Forschung an der Hochschule für Musik Basel, Saarbrücken 2013, S. 328-347. ISBN 978-3897274815.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]