Mithridatikum

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Mithridatikum oder Mithridat(icum) (Electuarium Mithridatis, ältere Schreibweise Metridat[1]) ist eines der ältesten als Universalheilmittel bzw. Gegenmittel („Gegengift“, Antidot) benutzten Arzneimittelzubereitungen.

Gemäß Plinius[2] fürchtete der pontische König Mithridates VI. Eupator (120–63 v.Chr.) Giftanschläge aus seiner Familie, da er als Jugendlicher seine Eltern vergiftet hatte, um an die Macht zu gelangen. Er erweiterte angeblich mithilfe seines Leibarztes eine bereits bestehende Kräutermixtur aus Anis, Fenchelsamen und Kümmel (deren Rezept in die Mauer des Asklepieion von Kos eingemeißelt war) auf 54 Ingredienzien, darunter „magische“ Zutaten wie Entenblut, Schlangen- und Krötenfleisch und nahm es als Vorbeugung gegen Giftanschläge. Nach ihm wurde es antidotum Mithridatis (‚Gegenmittel des Mithridates‘) und (antidotum) Mithridatium bzw. Mithridatikum[3] genannt.

Die Zusammenstellung wurde später um Vipernfleisch als weitere Zutat erweitert. Die durch Neros Leibarzt Andromachus[4] um etwa zehn Zutaten erweiterte Rezeptur (mit etwa 60 bis 80 und mehr statt etwa 35 bis 60 Ingredienzen)[5][6] erhielt die Bezeichnung Theriak.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gilbert Watson: Theriac and Mithridatium: A study in therapeutics, London 1966 (= Publications of the Wellcome Historical medical library, Neue Folge, 9)
  • Erhardt Kahle: Das Mithridatikum in der arabischen medizinischen Literatur. In: „gelêrter der arzeniê, ouch apotêker“. Beiträge zur Wissenschaftsgeschichte. Festschrift zum 70. Geburtstag von Willem F. Daems. Hrsg. von Gundolf Keil, Horst Wellm Verlag, Pattensen/Hannover 1982 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Band 24), ISBN 3-921456-35-5, S. 371–385.
  • Gundolf Keil: Mithridaticum (Mithridat[i]um). In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 1000.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Siehe Oeconomische Encyclopädie, Lemma Metridat
  2. Plinius der Ältere: Naturalis historia. XXV, 5–7.
  3. Karl Ernst Georges: Ausführliches lateinisch-deutsches Handwörterbuch, 7. Aufl. Leipzig 1879/80, II, S. 842
  4. Gundolf Keil: Mithridaticum. 2005, S. 1000.
  5. Moriz Bernstein: Betrachtungen über das Verhältniss der Religion zur Medicin (aphoristisch mitgeteilt). In: Deutsches Archiv für Geschichte der Medicin und medicinische Geographie. Band 4, 1881; Neudruck Hildesheim/ New York 1971, S. 107–120, 201–208 und 297–310; hier: S. 303.
  6. Gerhard Eis: Medizinische Fachprosa des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit. Amsterdam 1982 (= Amsterdamer Publikationen zur Sprache und Literatur, 48), S. 120 f.