Mittellitauen (Staat)

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Mittellitauen
Litwa Środkowa
1920–1922
Flagge Wappen
Flagge Wappen
Navigation
Flag of Lithuania (1918-1940).svg LitauenPolen Flag of Poland.svg
Verfassung
Amtssprache Polnisch
Hauptstadt Wilna
Staatsform
Regierungssystem
Staatsoberhaupt Lucjan Żeligowski
Regierungschef
Staatsgründung 12. Oktober 1920
Auflösung 1922 zu Polen
Nationalhymne
Währung Mark
Karte
Karte von Mittellitauen (grün) und Litauen (grau)
Mittellitauische Briefmarken, 1920

Mittellitauen (poln. Litwa Środkowa) war der Name eines 1920 im vorwiegend polnischsprachigen Ostteil der Republik Litauen ausgerufenen Staates mit der Hauptstadt Vilnius, der sich 1922 Polen anschloss. Weil Polen, Litauen und die Sowjetunion Anspruch auf das Staatsgebiet erhoben, wird dessen Zugehörigkeit als Wilnafrage bezeichnet.

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die Lubliner Union vom 12. August 1569 wurden Polen und Litauen vereinigt. Nachdem Preußen, Österreich und das Russische Reich Polen unter sich aufgeteilt hatten, wurde das „Wilnagebiet“ vom Russischen Zarenreich annektiert. Ab 1918 hatte es zur neu gegründeten Republik Litauen gehört. Nach dem Abzug der deutschen Truppen begann der Kampf Litauens, Polens und Sowjetrusslands um die Vorherrschaft[1] in diesem Gebiet am oberen Neris, mit den Städten Vilnius, Aschmjany und Švenčionys. Polen beanspruchte das Wilnagebiet aus ethnographischen und kulturellen Gründen, Litauen aus historischen.

Staatsgründung und Zugehörigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Beginn des Polnisch-Sowjetischen Kriegs besetzten polnische Truppen unter dem Befehl des Generals Lucjan Żeligowski das zuvor von der Roten Armee besetzte Gebiet. Am 12. Oktober 1920 proklamierte Żeligowski zusammen mit einer provisorischen Regierung den Staat „Mittellitauen“ auf dem um östlich angrenzende Territorien erweiterte Wilnagebiet. Die Mehrheit der Bevölkerung in Mittellitauen waren mit 70,6 % Polen, gefolgt von 12,8 % Litauern und 6 % Weißrussen. In der Stadt Wilna sprachen laut der deutschen Volkszählung von 1916 nur 2,6 % litauisch. Nachdem die Bemühungen Polens um die Wiederherstellung seiner Staatsgrenzen von 1772 oder entsprechende konföderative Zusammenschlüsse mit Litauen gescheitert waren, stimmte das Parlament Mittellitauens am 20. Februar 1922 für einen Anschluss an Polen.

Litauen erkannte diese Entwicklung nicht an, erklärte Kaunas zu seiner provisorischen Hauptstadt und gab seinen Anspruch auf Vilnius erst 1938 unter ultimativem polnischen Anspruch auf.

1939 wurde Polen im geheimen Zusatzprotokoll zum Hitler-Stalin-Pakt entlang einer Demarkationslinie zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion aufgeteilt. Der Westteil des ehemaligen Mittellitauen mit der Stadt Vilnius wurde im Oktober 1939 an Litauen zurückgegeben. Im Juni 1940 marschierte die Rote Armee in Litauen ein. Litauen trat nach Installation einer kommunistischen Regierung am 3. August 1940 als Litauische Sozialistische Sowjetrepublik der Sowjetunion bei. Die Sowjetunion sah das Wilnagebiet nicht als polnisches, sondern als besetztes litauisches Staatsgebiet an und annektierte es ebenfalls. [2]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alicja Fiedler: Mehrsprachigkeit in Litauen am Beispiel der polnischen Minderheit. In: Stefan Daute, Adrian Fiedler (Hg.): Slavische nationale Minderheiten im Ostseeraum. Universitätsverlag Potsdam, 2008, ISBN 978-3-940793-63-8, S. 45–75, hier S. 50–51 (online)
  2. Wanda Krystyna Roman: Die sowjetische Okkupation der polnischen Ostgebiete 1939–1941. In: Bernhard Chiari (Hrsg.), Jerzy Kochanowski: Die polnische Heimatarmee: Geschichte und Mythos der Armia Krajowa seit dem Zweiten Weltkrieg (= Beiträge zur Militärgeschichte, Band 57). München 2003, S. 96