Neckarwerft

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Relikte der Neckarwerft in Neckarsulm
Der 1975 in der Neckarwerft gebaute Neckarbummler

Die Neckarwerft war eine in Neckarsulm ansässige deutsche Binnenwerft.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die am Neckar in Neckarsulm gelegene Werft wurde im Jahr 1872 von dem Heilbronner Schiffbauer Franz Bauhardt gegründet. Im folgenden Jahr lief mit der Stadt Neckarsulm das erste Schiff vom Stapel, das erste in Württemberg gefertigte Schiff aus Eisen. Im Jahre 1878 wurde mit zunächst vier Kettenschleppern die Kettenschifffahrt auf dem Neckar eröffnet, für die der Neckarsulmer Betrieb die Schiffskörper fertigte. Als Bauhardt im selben Jahr verstarb, wurde der Betrieb ein Jahr später von der Schleppschiffahrt auf dem Neckar AG erworben, die das Unternehmen an den schwedischen Schiffbauer Julius Anderssen verpachtete. 1880 wird dann erstmals auch eine Kesselschmiede erwähnt. In diesem Jahr beschäftigte der Betrieb bereits 30 Mitarbeiter. In den folgenden Jahren wurden weitere Kettenschlepper gebaut, von denen einige auch auf dem Main zum Einsatz kamen. Außerdem fertigte man mit der Württemberg im Jahr 1900 auch ein eisernes Dampfschiff für den Verkehr auf dem Bodensee. Schließlich konnte Anderssen das Unternehmen 1901 von der Schleppschiffahrt auf dem Neckar AG erwerben.

Im Jahre 1939 entschloss sich das Unternehmen Anderssen, seinen Betrieb zu einem Zieh- und Presswerk umzustrukturieren, und verkaufte die Werft an die Mannheimer Schiffs- und Maschinenbau AG. Im Krieg erlitt das Neckarsulmer Werksgelände schwere Zerstörungen, und der dortige Schiffbaubetrieb musste Ende der 1940er Jahre vollständig neu aufgebaut werden. Mit der Anna Maria lief 1949 das erste Nachkriegsschiff vom Stapel. Hatte das Unternehmen bei der Übernahme durch die Mannheimer Werft nur rund 30 Personen beschäftigt, stieg die Mitarbeiterzahl dagegen 1950 auf 100 an.

1962 gab die Eigentümerin der Schiffs- und Maschinenbau AG Mannheim, die Fendel Schiffahrts AG, den Schiffbau in der Quadratestadt auf und veräußerte die dortige Werft an die saarländische Halberger Hütte. Die Neckarsulmer Werft blieb dagegen im Besitz der Fendel-Gruppe, und ihr Name wurde in Neckarwerft – Schiffs- und Maschinenbau AG Neckarsulm geändert. Allerdings wurde die Bauliste des Mannheimer Unternehmens weitergeführt.

Im Laufe ihrer Geschichte stellte die Neckarsulmer Werft in erster Linie Binnenfrachtschiffe her. In den 1970er Jahren konnte der Betrieb aber auch einige besondere Aufträge ausführen. So wurde 1975 für die Heilbronner Personenschifffahrt das Fahrgastschiff Neckarbummler erbaut. 1979 folgte das Messboot Max Honsell. Ende September 1984 stellte die Neckarwerft schließlich ihren Betrieb ein. Das Gelände wurde von der Kolbenschmidt AG erworben, die auch den Großteil der Belegschaft des Schiffbauunternehmens übernahm.

Einige Relikte der Neckarwerft, nämlich eine Nietlochstanze und ein rund 700 kg schwerer Anker, sind in der Nähe der Neckarsulmer Museen aufgestellt. Eine Tafel bei den Relikten nennt einige Meilensteine aus der Unternehmensgeschichte.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Willi A. Boelcke: Von der Weinstadt zur Industriestadt. In: Neckarsulm – Die Geschichte einer Stadt. Theiss, Stuttgart 1992, ISBN 3-8062-0883-2, S. 265–300, hier S. 273–276 und S. 297.
  • Sebastian Parzer: Die Schiffs- und Maschinenbau AG Mannheim. In: Badische Heimat 1/2009, S. 179–185.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Neckarwerft – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 49° 11′ 24″ N, 9° 13′ 3″ O