Neocorus

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Johann Adolfi Köster, genannt Neocorus (* um 1550; † 1630) war Chronist des Landes Dithmarschen und von 1590 bis 1624 Pastor der Gemeinde Büsum.

Bronzeplastik mit der Handschrift des Neocorus

Chronistentätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neocorus war ein bedeutender Chronist der Geschichte Dithmarschens; er bearbeitete für die Einführung in die Geschichte auch den Text der Germania des Tacitus in mittelniederdeutsch.[1] Er hatte mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Zugriff auf die Schriften seiner „Vorgänger“ im Lande. Es sind bekannt: der Lundener Geistliche Nicolaus Milde um 1480, Verfasser einiger Notizen über das Land, Johann Erp um 1520, Henning Swyn, bis 1533, Nicolaus Dyck um 1500, und Jacob Boie um 1540, auf Zeitgeschichtliches bzw. Lokales.[2]

"Neocorus" – Bronzeplastik von Jens Rusch auf dem Neocorus-Platz in Büsum.

Weitere „Vorgänger“ waren Johann Russe, ca. 1506–1555, der die Aufzeichnungen von Henning Swyn nutzte (siehe oben), Carsten Schröder 1531–1615, der Zugang zu Russes Aufzeichnungen und die Petersens (1599) über die Schlacht bei Hemmingstedt mit Namensnennungen der gefallenen Ritter, die dieser von seinem Vater hatte.[3]

Neocorus hat sein historisches Werk Chronik des Landes Dithmarschen handschriftlich in Mittelniederdeutsch verfasst, aber nicht vollenden können, selbst sein „Nachfolger“ Hans Detleff tho Windtbergen (1634/43) konnte nur handschriftlich die Arbeiten weiterführen. Erst Prof. Friedrich Christoph Dahlmann, Kiel, hat die aus der Urschrift stammende Chronik ergänzt, unter Einbeziehung der fortschreibenden Chronisten wie Johann Adrian Bolten (1781–1788) und dem Zeitzeugen der Schlacht bei Hemmingstedt (1500) Albert Krantz (1504) (dessen umfangreiche Werke den vorherigen Chronisten so nicht zugänglich waren) in Kiel 1827 herausgegeben.

Informationstafel am Neocorus-Platz in Büsum

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bezeichnung neōcorus (griechisch: νεωκόρος) kommt aus dem Griechischen und bezeichnet einen Tempelaufseher, der auch für die Reinigung verantwortlich ist.[4]

  • In Büsum wurde eine Schule nach ihm benannt.
  • Der Neocorus-Platz befindet sich vor der St.-Clemens-Kirche in Büsum.
  • Die H.& W. Schmidt-Engels-Stiftung stiftete der St. Clemens-Kirchengemeinde eine lebensgroße Neocorus-Bronzeplastik.
Neocorus-Kleinplastik in Bronze.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. A. Lüdke, Synopse zum Text der Germania des Tacitus, latein (Tacitus) - hochdeutsch (Fuhrmann) - mittelniederdeutsch (Neocorus), in Auszügen aus dem Band I der "Chronik des Landes Dithmarschen" von Prof. Friedrich Christoph Dahlmann, Seite 209–224. Boyens, Heide
  2. A. Lüdke, Seite 143, R. Hansen, 1899: „Der dithmarsische Chronist Johann Russe und seine Vorgänger“. In: ZSHG, Bd. 29, S. 1–86.
  3. Kolster 1878, 201
  4. http://www.zeno.org/Georges-1913/A/neocorus