Operator (Bildungswesen)

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Im Bildungswesen versteht man unter Operatoren bestimmte Verben, die im Imperativ für Aufgabenstellungen eingesetzt werden. Primär werden sie in Prüfungen, Klausuren und Leistungskontrollen eingesetzt, zu deren Vorbereitung als Arbeitsaufträge auch im gesamten Unterricht.[1] Nur diejenigen Verben sind geeignet, die eine wahrnehmbare, in Lernprodukten sich niederschlagende, vielfach sogar messbare Umsetzung gestatten. Rein mentale Vorgänge (erkennen, nachspüren) sind keine Operatoren. Lernpsychologisch entstammen Operatoren damit dem Behaviorismus.

Operatoren in Deutschland und Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im deutschen und österreichischen Schulsystem werden die Lernziele meist in drei Anforderungsbereiche aufgeteilt, die ein unterschiedliches Ausmaß von Eigenleistung und komplexem Denken vom Schüler erfordern. Der Anforderungsbereich I umfasst meist eine Reproduktion, Anforderungsbereich II eine Reorganisation (Umgestaltung) sowie einen Transfer (Übertragung, Anwendung) und Anforderungsbereich III Urteilsbildung, Reflexion und Problemlösung.[1] Bei manchen Gegenständen kann der dritte Bereich eine gestalterische Aufgabe beinhalten.

In der Bundesrepublik werden Operatoren primär in Prüfungen in der Sekundarstufe II und dem Zentralabitur eingesetzt. Ziel ist die Vorbereitung auf ein wissenschaftliches Arbeiten, die Erfüllung von Bildungsstandards und Bildungszielen und eine Orientierung des Unterrichts an abprüfbaren Kompetenzen.

Je nach Schulfach kann die Gestaltung der Operatoren variieren. So findet zum Beispiel eine Rangordnung im Fach Mathematik nicht statt. In einigen Fächern wie Kunst, Musik und Sport können mehr Kompetenzen praktisch abgefragt werden, zum Beispiel das Zeichnen oder das Komponieren. Zudem sind viele Operatoren auch mehreren Anforderungsbereichen zuzuordnen (interpretieren, analysieren).

Die Operatoren finden sich als Listen in den Einheitlichen Prüfungsanforderungen für die Abiturprüfung, nicht mehr in den diese ersetzenden Bildungsstandards[2]. Mit Beispielen versehen zeigt sie die Liste für die Deutschen Auslandsschulen.[3]

Liste der Operatoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anforderungsbereich 1: Reproduktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • (Be)nennen: Die aus einem Text entnommenen Informationen sollen nach bestimmten Aspekten eines gegebenen Sachverhalt wiedergegeben werden und Fakten zusammengetragen werden.
  • Beschreiben: Textaussagen oder Sachverhalte sollen in eigenen Worten strukturiert und fachsprachlich richtig dargestellt werden.
  • Wiedergeben: Inhalte, Zusammenhänge sollen in eigenen Worten sachlich und fachsprachlich richtig formuliert wiedergeben werden.
  • Zusammenfassen oder Skizzieren: Inhalte, Aussagen, Zusammenhänge sollen komprimiert und strukturiert fachsprachlich richtig dargestellt werden.
  • Definieren: Die Bedeutungen von Begriffen in Abgrenzung zu benachbarten Begriffen wiedergeben.
  • Dokumentieren: Ergebnisse sollen zusammengefasst und dokumentiert werden.

Anforderungsbereich 2: Reorganisation und Transfer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Untersuchen oder Erschließen: Texte, Textaussagen, Problemstellungen, Sachverhalte sollen kriterienorientiert bzw. aspektgeleitet bearbeitet werden.
  • Einordnen: Ein Inhalt, eine Aussage, Raum, eine Problemstellung oder ein Sachverhalt soll in einen vorgegebenen oder selbst gewählten Kontext einbezogen werden.
  • Erläutern und Erklären: Textaussagen, Sachverhalte sollen auf der Basis von Kenntnissen und Einsichten differenziert dargestellt werden und durch zusätzliche Informationen und Beispiele veranschaulicht werden.
  • In Beziehung setzen: Analyseergebnisse, Textaussagen, Sachverhalte, Problemstellungen sollen mit vorgegebenen oder selbstgewählten Aspekten in Verbindung gebracht werden.
  • Erörtern: Sachzusammenhänge sollen mit Hilfe ergänzender Informationen verdeutlicht werden.
  • Entscheiden: Sich zwischen mehren Möglichkeiten begründet für eine entscheiden (zum Beispiel durch eine Pro und Kontra -Argumentation oder Beweisführung bzw. Widerlegung)

Anforderungsbereich 3: Reflexion und Problemlösung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Deuten: Ergebnisse der Textbeschreibung sollen in einen Erklärungszusammenhang unter der Berücksichtigung des Wechselbezuges von Textstrukturen, Funktionen und Intentionen, der erfassten zentralen strukturbildenden genretypischen, syntaktischen, semantischen und stilistisch-rhetorischen Elemente und ihrer Funktion für das Textganze zusammengebracht werden.
  • Bewerten: Hinsichtlich eines Textes, einer Textaussage, der ästhetischen Qualität eines Textes, eines Sachverhalts, einer Problemlösung, einer Problematik ohne subjektiven Wertebezug soll mit Bezug von Fachwissen und -erkenntnis ein selbstständiges und begründetes Sachurteil gebildet werden.
  • (kritisch) Stellung nehmen: Eine Problemstellung, Problemlösung, ein Sachverhalt, eine Wertung soll auf der Grundlage fachlicher Kenntnis und Einsicht nach kritischer Prüfung und sorgfältiger Abwägung eingeschätzt werden.
  • Begründen: ein Analyseergebnis, Urteil, eine Einschätzung oder eine Wertung soll fachlich und sachlich durch Belege, Beispiele oder eine Argumentation eine These beweisen.
  • Sich auseinandersetzen mit: Aufgabe ist es zu einer (fachlichen) Problemstellung oder These eine Argumentation entwickeln, die zu einem begründeten und nachvollziehbaren Ergebnis führt.
  • Prüfen oder Überprüfen: Eine Textaussage, These, Argumentation, Analyseergebnis, ein Sachverhalt soll auf der Grundlage eigener Kenntnisse, Einsichten oder Textkenntnis auf die Angemessenheit hin untersucht werden und zu Ergebnissen kommen.
  • Entwerfen: In Verbindung mit einer Textvorlage soll auf der Grundlage einer konkreten Arbeitsanweisung ein eigener Text unter Benennung der notwendigen Entscheidungen und Arbeitsschritte verfasst und geplant werden.
  • Gestalten: In Verbindung mit einer Textvorlage soll auf der Grundlage einer konkreten Arbeitsanweisung ein eigener Text nach ausgewiesenen Kriterien erarbeitet werden.

Zwischen Anforderungsbereich 1 und 2[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Darstellen: Aus dem Unterricht bekannte oder aus dem Material entnehmbare Informationen und Sachzusammenhänge sollen geordnet (graphisch oder verbal) und verdeutlicht werden.
  • Lokalisieren oder Verorten: Ein Fall oder Raumbeispiel soll nach einem bekannten Orientierungsraster klassifiziert und eingeordnet werden.

Zwischen Anforderungsbereich 2 und 3[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Analysieren: Komplexe Materialien, Texte, Sachverhalte sollen in ihren Einzelaspekten erfasst werden mit dem Ziel, Entwicklungen und Zusammenhänge zwischen ihnen aufzuzeigen.
  • Anwenden: Theorien, Modelle, Regeln sollen mit konkretem Fall- oder Raumbeispiel oder Sachverhalten in Beziehung gesetzt werden.
  • Vergleichen: Texte, Textaussagen, Problemstellungen, Sachverhalte sollen unter vorgegebenen oder selbst gewählten Aspekten auf der Grundlage von vorgegebenen Kriterien gegenüberstellt werden und in Beziehung zueinander gesetzt und analysiert werden. Dadurch sollen Gemeinsamkeiten, Unterschiede, Teil-Identitäten, Ähnlichkeiten, Abweichungen oder Gegensätze ermittelt werden.
  • Interpretieren: Zusammenhänge bzw. Ergebnisse sollen begründet auf gegebene Fragestellungen bezogen werden.

Spezielle Operatoren in der Mathematik, Statistik und Naturwissenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Mathematik beziehen sich die Operatoren in Gegensatz zu den anderen Fächern meist auf eine rechnerische und/oder grafische Darstellung und Lösung eines Problems. Antworten werden in einem Antwortsatz wiedergeben. Um ein Sachverhalt zu beweisen, beurteilen, zeigen, nachzuweisen oder zu widerlegen kann eine mathematische Beweismethode bzw. ein mathematischer oder logischer Beweis erforderlich sein.

  • Berechnen: Ergebnisse sollen mit der Darstellung von Ansatz und Berechnung erzielt werden.
  • Bestimmen und Ermitteln: Zusammenhänge bzw. Lösungswege sollen aufgezeigt werden und das Vorgehen dargestellt werden. Anschließend sollen die Ergebnisse formuliert werden.
  • Erstellen und Aufstellen: Sachverhalte, Vermutungen, Zusammenhänge, Methoden, Gleichungen etc. sollen in übersichtlicher, fachlich sachgerechter oder vorgegebener Form notiert werden.
  • Herleiten: Eine Gleichung oder Sachverhalt soll hergeleitet werden.
  • Grafisch darstellen, modellieren oder zeichnen: Sachverhalte sollen fachlich richtig visualisiert werden und/oder auf ein Modell übertragen werden.
  • Ordnen und Klassifizieren: Begriffe, Gegenstände, Daten etc. sollen auf der Grundlage bestimmter Merkmale systematisch eingeteilt werden.
  • Auswerten: Daten oder Sachverhalte sollen zusammengestellt werden und zu einer abschließenden Gesamtaussage geführt werden.
  • Vervollständigen oder Erweitern: Eine angegebene Struktur soll gemäß konkreten Vorgaben erweitert und dargestellt werden.
  • Implementieren, Entwickeln oder Modifizieren: Eine angegebene Struktur soll gemäß konkreten Vorgaben verändert oder erweitert werden.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b [1] Reitbrecht, Sorger: Operatoren als Marker der Kompetenzorientierung In: Open Online Journal for Research and Education, April 2018
  2. Bildungsstandards im Fach Deutsch Abitur. KMK, 2012, abgerufen am 6. Juni 2020.
  3. Auslandsschulwesen Operatoren. KMK, 2012, abgerufen am 6. Juni 2020.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Operatoren nach Schulfächern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die hier aufgenommenen Operatorenlisten aus Nordrhein-Westfalen sind in der Regel auf alle Bundesländer übertragbar.