Opstapje

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Opstapje ist ein präventives Spiel- und Lernprogramm für Kleinkinder aus sozial benachteiligten Familien (kompensatorische Erziehung).

Ziel von Opstapje (holländisch für Trittstein/Sprungbrett) ist es, die altersgemäße Entwicklung der Kinder zu fördern und motorischer, sozialer und Intelligenzfehlentwicklung vorzubeugen. So soll Chancengleichheit geschaffen werden.

Im Vordergrund steht die Unterstützung der Eltern bei ihren Erziehungsaufgaben. Bei Hausbesuchen werden sie dazu angeleitet, wie sie Spielsituationen mit ihrem Kind gestalten können. Zu jeder Programmeinheit und Spielsituation erhalten die Eltern Arbeitsblätter. Bei den Gruppentreffen wird das Gelernte vertieft. Das Programm erstreckt sich über insgesamt 60 Kalenderwochen.

Zielgruppe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Programm sollen Eltern angesprochen werden, denen es aus unterschiedlichen Gründen schwerfällt, auf die Bedürfnisse ihrer Kinder einzugehen. Es richtet sich an Eltern, die von struktureller sozialer Benachteiligung (wie etwa relativer Armut, Arbeitslosigkeit, ungünstigen Wohnverhältnissen oder Migrationshintergrund) betroffen sind, von einer belasteten familiären Situation (zum Beispiel Konflikte, Scheidung oder Trennung, Alleinerziehen) oder von individuellen Belastungen (zum Beispiel chronische Erkrankungen, psychische Probleme, Isolation, niedriges Bildungsniveau) betroffen sind. Das Programm richtet sich nicht an so genannte Multi-Problem-Familien. Dies würde die Leistungsfähigkeit der semiprofessionellen Hausbesucherinnen deutlich überfordern. Es ist jedoch in bestimmten Situationen möglich, auch solche Familien aufzunehmen, wenn eine gute Versorgung in den jeweiligen Problemfeldern gewährleistet ist.

Wissenschaftliche Evaluation von Opstapje[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch Opstapje bewegten sich die teilnehmenden Kinder, von denen zu Programmbeginn fast 50 % in ihrem Entwicklungsniveau unterhalb des Normalbereichs lagen, positiv in Richtung eines altersgerechten Entwicklungsstandes. Zu Beginn des Programmes war fast die Hälfte der teilnehmenden Kinder in ihrer Intelligenzentwicklung zumindest leicht verzögert. Der größte Teil holte diesen Entwicklungsrückstand auf. Viele Opstapje-Kinder hatten Defizite in ihrer motorischen Entwicklung. Mehr als die Hälfte der Kinder konnte diese im Lauf des Programmes verbessern und zwar umso stärker, je niedriger das Ausgangsniveau war. Viele Opstapje-Kinder, wiesen anfangs Beeinträchtigungen der Verhaltensentwicklung auf. Diese besserten sich im Programmverlauf.

Es gibt jedoch auch negative Ergebnisse. Die Erfolge des Programms erwiesen sich nur teilweise als dauerhaft. Neun Monate nach dem Ende von Opstapje waren nur bei wenigen Kindern die beobachteten Fortschritte in der Intelligenzentwicklung, motorischen und Verhaltensentwicklung erhalten geblieben oder hatten sich gar weiter verstärkt. Dies zeigt, wie wichtig es ist, derartige Programme in der Familie fortzusetzen.[1]

Für die Eltern hatte das Programm Erfolge. Sie schrieben sich etwa nach der Teilnahme am Programm deutlich verbesserte Problemlösefähigkeiten zu. Teilnehmende Mütter erlebten sich nach der Programmteilnahme als psychisch weniger belastet und bauten mehr soziale Kontakte auf.[2]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alexandra Sann, Kathrin Thrum: "Opstapje – Schritt für Schritt". Praxisleitfaden. 2005. Deutsches Jugendinstitut e.V.
  2. Alexandra Sann, Kathrin Thrum: "Opstapje – Schritt für Schritt". Praxisleitfaden. 2005. Deutsches Jugendinstitut e.V.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Marie-Cecile Bertau, Thomas Meier (Hrsg.): Opstapje - Schritt für Schritt - Förderung des Spracherwerbs und der kommunikativen Fähigkeit im Vorschul- und Grundschulalter. Dokumentation des Workshops. München: 2001 Deutsches Jugendinstitut
  • ITS-Nimwegen (Hrsg.): Uerz, Dana; Mulder, Lia: Merkmale und Leistungen der Teilnehmer am "Opstapje-Programm". Nimwegen: 2002
  • G. A. Kohnstamm, G. Meesters, M.A. Simons: Man kann es wahrnehmen, aber nicht messen. Eine Studie der Auswirkungen von "Opstapje" auf die Kinder türkischer Herkunft. Reichsuniversität Leiden, 1997
  • Alexandra Sann, Kathrin Thrum: Perspektiven präventiver Frühförderung im Kontext sozialer Benachteiligung. Das präventive Frühförderprogramm "Opstapje – Schritt für Schritt" für Familien mit zwei- bis vierjährigen Kindern im wissenschaftlich begleiteten Ersteinsatz in der BRD. In: ISA Institut für soziale Arbeit (Hrsg.): Beiträge zum ISA Kongress. 2003
  • Peter Tellegen: Opstapje en Opstap. Der Einfluss des Förderprogramms auf die Entwicklung der Intelligenz allochthoner Kinder. Eine Untersuchung mit dem nonverbalen Intelligenztest. Reichsuniversität Groningen: 2002

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]