Orangerie (Neustrelitz)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Die Neustrelitzer Orangerie

Die klassizistische Orangerie, umgangssprachlich auch „Ora“ genannt, im nordöstlichen Teil des Schlossparks von Neustrelitz wurde 1755 als eingeschossiger Bau errichtet und in den Jahren von 1840 bis 1842 durch Friedrich Wilhelm Buttel zum Gartensalon ausgebaut.

Um die Gebäudesymetrie wieder herzustellen, werden im Rahmen der bis zum Frühjahr 2020 laufenden Bau- und Sanierungsarbeiten einige Anbauten aus den 20. Jahrhundert abgerissen. Anstelle des Anbaus von 1973 wird ein Gartenrestaurant entstehen. Sanitärräume und Toiletten befinden sich zukünftig im Untergeschoss und werden barrierefrei erreichbar sein.

Baugeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Postkarte der Orangerie, 1925

Bereits aus dem Jahr 1755 stammte die erste Ausführung des damals so genannten Orangenhauses als ein langgestrecktes eingeschossiges Gebäude von dem Architekten Martin Seydel. Buttel erhielt von dem kunstsinnigen Strelitzer Großherzog Georg im Jahre 1840 den Auftrag zur Umgestaltung und schuf damit sein wohl bedeutendstes Bauwerk. Der Großherzog wollte seine aus Rom mitgebrachte Sammlung antiker Skulpturen in der neuen Orangerie unterbringen. Außerdem sollten dort Gartenfeste gefeiert werden. Anregungen für den Umbau gaben die Brüder Alexander von Humboldt und Wilhelm von Humboldt bei einem Besuch im Jahr 1840. Mit den Berliner Klassizisten Karl Friedrich Schinkel und Christian Daniel Rauch tauschte sich der Großherzog ebenfalls über die Pläne aus, so dass in Buttels Ausführung letztlich viele verschiedene Ideen ihren Ausdruck gefunden haben.

2019 begannen Bau- und Sanierungsarbeiten an der Orangerie, die 2020 abgeschlossen werden sollen. Der Anbau von 1973 und ein Teil der Erweiterungen von 1938 werden abgerissen, um die ursprüngliche Symmetrie des Gebäudes wiederherzustellen. Dort wo sich jetzt der Anbau befindet, soll eine massive Pergola gebaut und ein Gartenrestaurant mit 40 Plätzen eingerichtet werden. Die Fundamente des Gebäudes sollen trockengelegt und die Fußböden saniert werden. Sanitärräume und Toiletten werden sich künftig im Untergeschoss befinden und wie alle anderen Räume barrierefrei und von den Sälen aus gut erreichbar sein.[1]

Gestaltung der Orangerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orangerie ist ein eingeschossiger Putzbau mit insgesamt neunzehn Achse und einem Mansarddach. Die drei großen Säle wurden beim Umbau in einen Gartensalon beibehalten. Der dreiachsige Mittelrisalit wurde um ein Geschoss aufgestockt und mit Rundbogenfenstern versehen. Er ist im Erdgeschoss vierfach und jeweils an den Seiten des Obergeschosses mit Doppelpilastern gegliedert. Den Abschluss bildet ein flacher Dreiecksgiebel. Auf der Gartenseite wurden eine Säulenveranda und eine Pergola errichtet. Im Inneren der Orangerie wurden umlaufende Arkaden und Flachnischen eingefügt. Die drei großen Säle sind in den mecklenburgischen Landesfarben Rot, Blau und Gelb gehalten. Eine repräsentative Raumwirkung wird durch Deckenmalereien und Arabesken im pompejanischen Stil von Bernhard Wilhelm Rosendahl, Rundbogennischen und Konsole mit antiken Plastiken sowie durch Reliefs klassizistischer Bildhauer wie Christian Daniel Rauch und Bertel Thorvaldsen erreicht. Der runde Vorbau am Vorplatz wurde erst 1937 angebaut.[2]

Umgestaltung des Gartens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kinderbrunnen im Garten vor der Orangerie
Der Betende Knabe auf einer korinthischen Marmorsäule stehend

Im Zuge der Umbauarbeiten wurde auch der Garten im Bereich der Orangerie erheblich verändert. Beauftragt wurde damit der Gartenarchitekt Peter Joseph Lenné, der schon damals für seine weiträumigen Parkanlagen nach dem Vorbild englischer Landschaftsgärten bekannt war. Dessen Kunst bestand darin, durch Sichtachsen die einzelnen Parkanlagen optisch miteinander zu verbinden und die Bauwerke wirkungsvoll in Szene zu setzen. Er legte verschlungene Wege und Gartenflächen mit exotischen Pflanzen an.

Eine Kopie der antiken Bronzestatue Betender Knabe wurde in der Mitte des Gartens auf einer korinthischen Marmorsäule aufgestellt. Das Original der um 300 v. Chr. in der künstlerischen Tradition des griechischen Bildhauers Lysipp geschaffenen Statue befindet sich in der Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin.[3] Um 1500 auf Rhodos gefunden, gelangte sie zunächst nach Venedig und ging dann in den Besitz des Finanzministers Ludwigs XIV. über.[3] Dieser ließ die Arme ergänzen und stellte den Knaben in seinem Schloss Vaux-le-Vicomte auf.[4] 1747 erwarb der preußische König Friedrich II. die Statue für den Park Sanssouci.[5] Heute steht das Original des Betenden Knaben im Alten Museum in Berlin und empfängt die aus der Rotunde eintretenden Besucher.[4]

Vor der breiten Eingangsterrasse der Orangerie fand der marmorne Kinderbrunnen von Albert Wolff, der auch als Märchenbrunnen bekannt ist, seinen Platz. Der 1844 von Wolff nach dem Entwurf von Eduard Stützel gefertigte Springbrunnen stand zunächst im Park Sanssouci und kam dann als Geschenk des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. an seinen Onkel, Großherzog Georg, nach Neustrelitz.[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Melanie Ehler, Matthias Müller (Hrsg.): Schinkel und seine Schüler. Thomas Helms Verlag, Schwerin 2004

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Orangerie (Neustrelitz) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Orangerie in Neustrelitz wird ab Sommer saniert. In: Nordkurier-Online. 10. Mai 2019, abgerufen am 12. November 2019.
  2. Faltblatt: Stadtrundgang – Neustrelitz erleben. Hrsg. Stadt Neustrelitz, Stand: 10/2010–30.
  3. a b Antikensammlung, Museumsinsel Berlin
  4. a b Objekt 2179: Betender Knabe (Antikensammlung, Staatliche Museen zu Berlin) in Arachne – Objektdatenbank des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) und des Archäologischen Instituts der Universität zu Köln; Abgerufen am 31. August 2015.
  5. Nikolas Bernau: Original und Experiment. In: Berliner Zeitung, 11. November 1997.
  6. Gerlinde Kienitz: Schlosspark Neustrelitz. Hrsg.: Museum der Stadt Neustrelitz, S. 15 [Illustriert mit Fotografien von Horst–Günter Jung]

Koordinaten: 53° 21′ 40″ N, 13° 3′ 27″ O