Orangerie (Neustrelitz)

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Die Neustrelitzer Orangerie

Die klassizistische Orangerie, umgangssprachlich auch „Ora“ genannt, im nordöstlichen Teil des Schlossparks von Neustrelitz wurde 1755 als eingeschossiger Bau errichtet und in den Jahren von 1840 bis 1842 durch Friedrich Wilhelm Buttel zum Gartensalon ausgebaut. Das Gebäude dient heute als Konzertsaal und Restaurant. Dort ist auch ein Modell des 1945 durch Brandstiftung zerstörten Neustrelitzer Schlosses ausgestellt.

Baugeschichte[Bearbeiten]

Postkarte der Orangerie, 1925

Bereits aus dem Jahr 1755 stammte die erste Ausführung des damals so genannten Orangenhauses als ein langgestrecktes eingeschossiges Gebäude von dem Architekten Martin Seydel. Buttel erhielt von dem kunstsinnigen Strelitzer Großherzog Georg im Jahre 1840 den Auftrag zur Umgestaltung und schuf damit sein wohl bedeutendstes Bauwerk. Der Großherzog wollte seine aus Rom mitgebrachte Sammlung antiker Skulpturen in der neuen Orangerie unterbringen. Außerdem sollten dort Gartenfeste gefeiert werden. Anregungen für den Umbau gaben die Brüder Alexander von Humboldt und Wilhelm von Humboldt bei einem Besuch im Jahr 1840. Mit den Berliner Klassizisten Karl Friedrich Schinkel und Christian Daniel Rauch tauschte sich der Großherzog ebenfalls über die Pläne aus, so dass in Buttels Ausführung letztlich viele verschiedene Ideen ihren Ausdruck gefunden haben. Anbauten aus dem 20. Jahrhundert, die das Werk beeinträchtigten, wurden im Zuge der Rekonstruktion des historischen Schlossumfelds nach altem Vorbild zwischen September 2013 und November 2014 größtenteils beseitigt.[1][2]

Gestaltung der Orangerie[Bearbeiten]

Die Orangerie ist ein eingeschossiger Putzbau mit insgesamt neunzehn Achse und einem Mansarddach. Die drei großen Säle wurden beim Umbau in einen Gartensalon beibehalten. Der dreiachsige Mittelrisalit wurde um ein Geschoss aufgestockt und mit Rundbogenfenstern versehen. Er ist im Erdgeschoss vierfach und jeweils an den Seiten des Obergeschosses mit Doppelpilastern gegliedert. Den Abschluss bildet ein flacher Dreiecksgiebel. Auf der Gartenseite wurden eine Säulenveranda und eine Pergola errichtet. Im Inneren der Orangerie wurden umlaufende Arkaden und Flachnischen eingefügt. Die drei großen Säle sind in den mecklenburgischen Landesfarben Rot, Blau und Gelb gehalten. Eine repräsentative Raumwirkung wird durch Deckenmalereien und Arabesken im pompejanischen Stil von Bernhard Wilhelm Rosendahl, Rundbogennischen und Konsole mit antiken Plastiken sowie durch Reliefs klassizistischer Bildhauer wie Christian Daniel Rauch und Bertel Thorvaldsen erreicht. Der runde Vorbau am Vorplatz wurde erst 1937 angebaut.[3]

Umgestaltung des Gartens[Bearbeiten]

Kinderbrunnen im Garten vor der Orangerie
Der Betende Knabe auf einer korinthischen Marmorsäule stehend

Im Zuge der Umbauarbeiten wurde auch der Garten im Bereich der Orangerie erheblich verändert. Beauftragt wurde damit der Gartenarchitekt Peter Joseph Lenné, der schon damals für seine weiträumigen Parkanlagen nach dem Vorbild englischer Landschaftsgärten bekannt war. Dessen Kunst bestand darin, durch Sichtachsen die einzelnen Parkanlagen optisch miteinander zu verbinden und die Bauwerke wirkungsvoll in Szene zu setzen. Er legte verschlungene Wege und Gartenflächen mit exotischen Pflanzen an.

Eine Kopie der antiken Bronzestatue Betender Knabe wurde in der Mitte des Gartens auf einer korinthischen Marmorsäule aufgestellt. Das Original, der um 300 v. Chr. in der künstlerischen Tradition des griechischen Bildhauers Lysipp geschaffen Statue, befindet sich in der Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin.[4] Um 1500 auf Rhodos gefunden, gelangte sie zunächst nach Venedig und ging dann in den Besitz des Finanzministers Ludwigs XIV. über.[4] Dieser ließ die Arme ergänzen und stellte den Knaben in seinem Schloss Vaux-le-Vicomte auf.[5] 1747 erwarb der preußische König Friedrich II. die Statue für den Park Sanssouci.[6] Heute steht das Original des Betenden Knaben im Alten Museum in Berlin und empfängt die aus der Rotunde eintretenden Besucher.[5]

Vor der breiten Eingangsterrasse der Orangerie fand der marmorne Kinderbrunnen von Albert Wolff, der auch als Märchenbrunnen bekannt ist, seinen Platz. Der 1844 von Wolff nach dem Entwurf von Eduard Stützel gefertigte Springbrunnen stand zunächst im Park Sanssouci und kam dann als Geschenk des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. an seinen Onkel, Großherzog Georg, nach Neustrelitz.[7]

Literatur[Bearbeiten]

  • Melanie Ehler, Matthias Müller [Hrsg.]: Schinkel und seine Schüler. Thomas Helms Verlag, Schwerin 2004

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Orangerie (Neustrelitz) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Anett Seidel: Ein Paradies mit süßen Früchten und göttlichen Schönheiten. Nordkurier vom 22. Mai 2015. Abgerufen am 1. September 2015.
  2. Schlossgarten Neustrelitz – Denkmalgerechte Sanierung des Orangerie Gartens. Abgerufen am 1. September 2015 bei webersinke-landschaftsarchitekten.de.
  3. Faltblatt: Stadtrundgang – Neustrelitz erleben. Hrsg. Stadt Neustrelitz, Stand: 10/2010–30.
  4. a b Antikensammlung, Museumsinsel Berlin
  5. a b Objekt 2179: Betender Knabe (Antikensammlung, Staatliche Museen zu Berlin) in Arachne – Objektdatenbank des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) und des Archäologischen Instituts der Universität zu Köln; Abgerufen am 31. August 2015.
  6. Nikolas Bernau: Original und Experiment. Archiv der Berliner Zeitung, Abgerufen am 31. August 2015.
  7. Gerlinde Kienitz: Schlosspark Neustrelitz. Hrsg.: Museum der Stadt Neustrelitz, S. 15 [Illustriert mit Fotografien von Horst–Günter Jung]

53.36111111111113.0575Koordinaten: 53° 21′ 40″ N, 13° 3′ 27″ O