Ordensgesetz

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Basisdaten
Titel: Gesetz über Titel, Orden und Ehrenzeichen
Kurztitel: Ordensgesetz
Abkürzung: OrdenG
Art: Bundesgesetz
Geltungsbereich: Bundesrepublik Deutschland
Rechtsmaterie: Staatsrecht, Verwaltungsrecht
Fundstellennachweis: 1132-1
Erlassen am: 26. Juli 1957 (BGBl. I S. 844)
Inkrafttreten am: 27. Juli 1957, § 11 a.F. rückwirkend zum 1. Oktober 1956
Letzte Änderung durch: Art. 10 G vom 19. Februar 2006
(BGBl. I S. 334, 335)
Inkrafttreten der
letzten Änderung:
23. Februar 2006
(Art. 100 Abs. 1 G vom 19. Februar 2006)
Weblink: aktuelle Fassung
Bitte den Hinweis zur geltenden Gesetzesfassung beachten.

Mit dem deutschen Gesetz über Titel, Orden und Ehrenzeichen (Ordensgesetz) vom 26. Juli 1957[1] wurden die bis dahin gem. Art. 123 GG fortgeltenden Ordensgesetze aus der Zeit des Nationalsozialismus[2][3] aufgehoben.

Das Ordensgesetz sollte einerseits die Frage klären, welche vor dem 8. Mai 1945 verliehenen Auszeichnungen in der Bundesrepublik Deutschland getragen werden dürfen, insbesondere solche aus der NS-Zeit, andererseits regeln, welche Auszeichnungen in der Bundesrepublik Deutschland verliehen werden.

Nach Art. 109 der Weimarer Reichsverfassung von 1919 durften Titel nur als Amts- und Berufsbezeichnungen, Orden und Ehrenzeichen überhaupt nicht vergeben werden.

Grundsätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch das Gesetz wurden folgende Grundsatzentscheidungen getroffen:

  • Sowohl Bund als auch Länder können Titel, Orden und Ehrenzeichen (im Folgenden immer kurz: Orden) verleihen.
  • Der Bundespräsident kann selbst Orden stiften oder bereits bestehende Ehrenzeichen (z. B. im Bereich des Sportes) quasi amtlich anerkennen.
  • Rechtskräftig verurteilten Straftätern werden in der Regel Orden und Ehrenzeichen wieder aberkannt.
  • Deutsche dürfen ausländische Orden nur nach ausdrücklicher Genehmigung durch den Bundespräsidenten annehmen.
  • Orden dürfen nur vom Ausgezeichneten persönlich getragen werden; die Abzeichen verbleiben aber in der Regel nach dem Tod im Besitz der Erben.
  • Das unbefugte Tragen von inländischen und ausländischen Orden und Ehrenzeichen sowie das Tragen von Auszeichnungen mit nationalsozialistischen Emblemen kann als Ordnungswidrigkeit mit einer Geldbuße geahndet werden

Vorschriften für früher verliehene Orden und Ehrenzeichen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Orden aus der Zeit vor 1933 dürfen vom Träger weiter getragen werden.
  • Orden aus der Zeit zwischen 1933 und 1945 dürfen nur ohne die nationalsozialistischen Embleme (Hakenkreuz, SS-Rune etc.) getragen werden, und zwar:
    • die zivilen Orden (z. B. Feuerwehr- oder Grubenwehr-Auszeichnungen) ohne Einschränkungen;
    • von den militärischen Auszeichnungen (aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg), auch von ehemals verbündeten Staaten verliehene Orden, nur diejenigen, die im Gesetz ausdrücklich aufgelistet werden. Dazu gehören: Das Eiserne Kreuz, der Schlesische Adler, das Baltenkreuz, das Verwundetenabzeichen, das Luftschutzabzeichen, die staatlichen Dienst- und Diensttreueabzeichen sowie die übrigen Waffen- und Verdienstabzeichen
  • Orden mit nationalsozialistischen Emblemen dürfen nicht getragen werden. Sie dürfen weder hergestellt noch angeboten, feilgehalten, verkauft oder sonst in Verkehr gebracht werden. (OrdenG § 6 Abs. 2)
  • Für die geänderten Fassungen der Orden aus der Zeit zwischen 1933 und 1945 wurden vom Bundesinnenminister ausführliche Bestimmungen erlassen, in denen sämtliche Orden, deren Aussehen für das öffentliche Tragen geändert werden muss, abgebildet sind.[4]

Ehrensold[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bundesregierung übernahm 1957 nur die Ehrensoldverpflichtungen aus dem Ersten Weltkrieg. Dies umfasste namentlich folgende höchste Kriegsauszeichnungen:[5]

Mit dem Rechtsbereinigungsgesetz vom 19. Februar 2006 wurde diese Regelung (§ 11 OrdenG a. F.) aufgehoben.

Trageweise und Rangfolge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Orden und Ehrenzeichen werden auf der linken Brustseite von rechts nach links in folgender Reihenfolge angebracht:

  1. Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland („Bundesverdienstkreuz“),
  2. Rettungsmedaille am Bande,
  3. Eisernes Kreuz 1914,
  4. Eisernes Kreuz 1939,
  5. Orden und Ehrenzeichen für Verdienste im Ersten Weltkrieg in der Reihenfolge ihrer Verleihung,
  6. Ehrenkreuz des Ersten Weltkrieges,
  7. Kriegsverdienstkreuz 1939,
  8. sonstige Auszeichnungen für Verdienste im Zweiten Weltkrieg in der Reihenfolge ihrer Verleihung,
  9. weitere deutsche Auszeichnungen in der Reihenfolge ihrer Verleihung,
  10. staatlich genehmigte Auszeichnungen in der Reihenfolge ihrer Verleihung,
  11. ausländische Auszeichnungen in der Reihenfolge ihres Klassenverhältnisses.

Orden und Ehrenzeichen des Bundes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom Bundespräsidenten gestiftete Orden und Ehrenzeichen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom Bundespräsidenten genehmigte Ehrenzeichen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom Bundespräsidenten anerkannte Auszeichnungen für sportliche Leistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Konkretisierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bundespräsident hat mit Erlass vom 18. Dezember 1997 (BGBl. I S. 3438) bekannt gemacht, unter welchen Voraussetzungen Annahme- und Tragegenehmigungen für bestimmte Orden und Ehrenzeichen erteilt werden.

Titel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

§ 2 des Ordensgesetzes berechtigt den Bundespräsidenten, nach Maßgabe eines Gesetzes Titel zu vergeben. Da bisher kein entsprechendes Gesetz erlassen wurde, werden auf Bundesebene keine Titel verliehen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinz Kirchner, Hermann Wilhelm Thiemann, Birgit Laitenberger: Deutsche Orden und Ehrenzeichen. Kommentar zum Gesetz über Titel, Orden und Ehrenzeichen und eine Darstellung deutscher Orden und Ehrenzeichen von der Kaiserzeit bis zur Gegenwart mit Abbildungen. 5. Auflage. Carl Heymanns Verlag, Köln u. a. 1997, ISBN 3-452-23210-7.
  • Hans Rothfels: Theodor Heuss, die Frage der Kriegsorden und die Friedensklasse des Pour le mérite. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. Jg. 17, Heft 4, 1969, S. 414–422, (Online, (PDF; 6 MB)).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. BGBl. I S. 844
  2. Gesetz über Titel, Orden und Ehrenzeichen vom 7. April 1933
  3. Gesetz über Titel, Orden und Ehrenzeichen vom 1. Juli 1937
  4. Die Beilage zum Ordensgesetz 1957 mit den Abbildungen der im Aussehen veränderten Orden (PDF-Dokument; 2,7 MB)
  5. Hans-Ulrich Krantz: Orden und Ehrenzeichen der Bundesrepublik Deutschland, Maximilian-Verlag, Köln 1958, S. 172–175.
  6. a b c d e f „Weitere Ehrenzeichen“ auf der Website des Bundespräsidenten
  7. Das Grubenwehr-Ehrenzeichen auf der Website des Bundespräsidenten
  8. „Das Silberne Lorbeerblatt“ auf der Website des Bundespräsidenten