Ostentor

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Das um 1280 entstandene Ostentor am Ostrand der heutigen Altstadt von Regensburg wurde zum Schutz der damaligen sogenannten „Ostenvorstadt“ errichtet. Das Tor entstand über der östlich nach Wien führenden Ausfallstraße und war damit das Stadttor, durch das der aus Wien kommende jeweilige Kaiser in die Stadt einzog. Das gotische repräsentative, fünfgeschossige Bauwerk wurde nach Aussage aufgefundenerSteinmetzzeichen von Mitgliedern der Regensburger Dombauhütte errichtet und zählt heute zu den besterhaltenen gotischen Stadttoren in Deutschland.

Ostentor, Ostseite
Kreuzgewölbe Torhalle
Ostentor, Westseite

Der viereckige Turm, dessen ursprüngliches mit Zinnen bewehrte Flachdach erst 1383 das heutige Zeltdach erhielt, wird auf der Ostseite von zwei achteckigen Türmen beidseitig flankiert. Auf beiden Seiten eröffnen Spitzbögen die Tordurchfahrt, die durch eine Torhalle mit Rippenkreuzjoch führt. Auf beiden Seiten der Torhalle finden sich Mauerschlitze, in denen die Fallgatter mit Ketten aus dem 1. OG des Turmes herabgelassen werden konnten. Auf der Ostseite des Turmes – der Feindseite – finden sich in Höhe des 2. OG über der Toröffnung auf Kragsteinen ruhende Vorbauten, die als Gusserker dienten. In den Obergeschossen sind Schießscharten und beidseitig kleine Spitzbogenfensterchen mit Maßwerk zu sehen.[1]

Als einer von sechs Tortürmen der ehemaligen Stadtbefestigung von Regensburg war das Ostentor in den Verlauf der Stadtmauer mit ihrem Wehrgang einbezogen, wie es eine Tür auf der Südseite im 1. OG noch deutlich macht. Auf der östlichen Feindseite war dem Ostentor ein Waffenhof mit Turm und angrenzender Zwingermauer vorgelagert, von wo aus die Brücke über den Stadtgraben führte. Unmittelbar nordöstlich angrenzend an das Ostentor wurde 1529/30 die Ostenbastei, eine durch Mauern und Türme eingefasste erhöhte Erdaufschüttung zur Aufstellung von Geschützen errichtet. Während des Dreißigjährigen Krieges, als 1633 die Eroberung Regensburgs durch die Schweden drohte, wurde das Ostentor durch ein Hornwerk geschützt, das vor der Stadtmauer mit Stadtgraben errichtet wurde.

Ostentorturm mit Ostenbastei 1630

Als im Dreißigjährigen Krieg die Schweden Regensburg im November 1633 belagerten und am 15. November eroberten, kam es bereits am 8. November zu einem Sturmangriff auf das Ostentor, bei dem eine Abteilung unter Oberstleutnant Nordhausen die Fallbrücke des Tores besetzt hatte und nur noch durch ein Gatter gehindert wurde, in die Stadt einzudringen. Wegen Pulvermangels scheiterte der Angriff, bei dem Nordhausen ums Leben kam. Seine Leiche fiel in die Hände der bayerischen Besatzungstruppen und wurde dem Ministerium der Stadt übergeben. Sein Begräbnis erfolgte auf dem Gesandtenfriedhof und war das erste von mehreren Begräbnissen hoher Offiziere, die dort erfolgten. Die Grabstätte ist nicht erhalten.[2][3]

Torwachthaus nord-östlich vor dem Ostentor

Das mittelalterliche Torwachthäuschen auf der Nordseite vor dem Ostentor wurde bereits 1840, 15 Jahre vor dem Bau der nördlich benachbarten Königlichen Villa, durch einen Neubau im Stil der Neugotik ersetzt.[4] Das Gebäude ist eines der wenigen neugotischen Baudenkmäler in Regensburg und eingetragen in der Liste der Baudenkmäler in Regensburg

Ab 1903 bis 1915 fuhr die Linie 3 der Straßenbahn Regensburg bis zum Ostentor und durchquerte das Tor ab 1915 bis 1955 auf dem Weg zur Endstation Schlachthof.[5][6] Diese Linie erschloss das nach 1850 östlich des Ostentors außerhalb der Altstadt neu entstandene Ostenviertel mit Gewerbegebiet und Hafen. Als nach Einstellung der Straßenbahn die Erschließungsstraße um 1970 mehrspurig ausgebaut wurde, musste die Straße vor dem schmalen Ostentor enden. Die Pläne, nach denen das Ostentor zu Gunsten einer autogerechten Erschließung der Altstadt von Regensburg abgerissen werden sollte, wurden nach 1980 aufgegeben.[7] Im Jahr 2007 wurde das Ostentor unter Förderung des Freistaates Bayern umfassend innen und an der Fassade saniert.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ostentor – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karl Bauer: Regensburg, Kunst-, Kultur und Alltagsgeschichte, S. 537 f MZ-Buchverlag 2014, ISBN 978-3-86646-300-4
  2. Peter Engerisser, Pavel Hrncirik: Nördlingen 1634. Die Schlacht bei Nördlingen, Wendepunkt de Dreißigjährigen Krieges. Späthling, Weißenstadt 2009; S. 35; ISBN 978-3-926621-78-8
  3. Klaus-Peter Rueß: Der Gesandtenfriedhof bei der Dreieinigkeitskirche in Regensburg, seine Entstehung und seine Baugeschichte. Staatliche Bibliothek Regensburg, Regensburg 2015, S. 67.
  4. Karl Bauer: Regensburg, Kunst-, Kultur und Alltagsgeschichte, S. 394, MZ-Buchverlag 2014, ISBN 978-3-86646-300-4
  5. Helmut Halter, Johann Schmuck: Alt Regensburg, Bilder einer Stadt, Verlag Gebr. Metz Tübingen 1989, ISBN 3-921580-80-3, S. 142
  6. http://eisenbahnfreunde-regenstauf.npage.de/regensburger-strassenbahn.html
  7. Peter Morsbach: Wir wollen Wächter sein, 50 Jahre Vereinigung Freunde der Altstadt Regensburg e.V. Broschüre Stadt Regensburg 2016

Koordinaten: 49° 1′ 5,3″ N, 12° 6′ 28,3″ O