Otto Schlüter

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Otto Ludwig Karl Schlüter (* 12. November 1872 in Witten/Ruhr; † 12. Oktober 1959 in Halle (Saale)) war ein deutscher Geograph, der sich hauptsächlich mit Siedlungsgeographie befasste.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schlüter war der Sohn eines Rechtsanwalts und absolvierte seine Schulpflicht in seiner Vaterstadt. Schlüter begann an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg Geographie, Geschichte, deutsche Philologie und Philosophie zu studieren. 1891 schloss er sich dem Corps Rhenania Freiburg an. Als er 1892 mit denselben Fächern an die Friedrichs-Universität Halle wechselte, wurde er auch im Corps Palaiomarchia Halle aktiv.[1] Mit einer Doktorarbeit über Siedlungsgeographie bei Alfred Kirchhoff wurde er 1896 zum Dr. phil promoviert.

Seit 1899 Assistent der Gesellschaft für Erdkunde, habilitierte er sich 1906 in Berlin an der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin und wurde Privatdozent an der Universität zu Köln und der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Am 15. Februar 1911 wurde er als o. Professor der Nachfolger von Alfred Philippson in Halle. 1938 emeritiert, wurde Schlüter 1948–1951 erneut mit einer Professur für Geographie der Kulturlandschaft und für Methodik der Geographie betraut.[2] Seine letzte Ruhestätte befindet sich auf dem hallischen Laurentiuskirchhof.

Schlüter war Mitglied mehrerer geographischer Gesellschaften und Vereine für Erdkunde. Er wurde 1943 Vizepräsident der Leopoldina und 1952/53 als Nachfolger von Emil Abderhalden ihr Präsident. Sein Nachfolger wurde 1954 Kurt Mothes. Wissenschaftlich überragend sind seine Leistungen in der Siedlungsgeographie. 1952 legte er eine Karte der frühgeschichtlichen Siedlungsräume Mitteleuropas vor, die zwar der alten Vorstellung einer relativ linearen Entwicklung folgte, aber die Veränderlichkeit der Landschaft eindrücklich zeigte und so auch Eingang in viele Schulbücher fand.

Schlüter war seit 1907 verheiratet mit Margret geb. Heyer, einer Führerin der Caritativen Bewegung. Sie starb früh. Zwei Söhne fielen im Zweiten Weltkrieg; der dritte wurde Stadtoberbaumeister in Hannover. Seit 1948 lebte der tiefgläubige Otto Schlüter allein.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schlüter gehörte politisch dem rechtskonservativen Lager an. 1912 wurde er Mitglied des Reichskolonialbunds, 1915 des Alldeutschen Verbands und nach dem Ersten Weltkrieg des Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbunds. Ende 1918 trat er der Deutschnationalen Volkspartei bei.[2] Seit 1935 gehörte er der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt und dem Nationalsozialistischen Altherrenbund an.[2].

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bemerkungen zur Siedlungsgeographie (1899)
  • Siedlungskunde des Thales der Unstrut von der Sachsenburger Pforte bis zur Mündung (1896)
  • Siedlungsräume Mitteleuropas in frühgeschichtlicher Zeit (1952–1954)
  • Über das Verhältnis von Mensch und Natur in der Anthropogeographie (1907)
  • Ziele der Geographie des Menschen (1906)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kösener Corpslisten 1930, 35, 553; 61, 256.
  2. a b c Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, S. 526.