Paso Peruano

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Paso Peruano
Peruvian Paso.jpg
Wichtige Daten
Ursprung: Peru
Hauptzuchtgebiet: Peru
Verbreitung: Peru, USA, Europa
Stockmaß: 142–155 cm
Farben: alle, Schecken sind nicht zur Zucht zugelassen
Haupteinsatzgebiet: Freizeitreiten

Der Paso Peruano oder Caballo de Paso ist eine Pferderasse aus Südamerika.

Hintergrundinformationen zur Pferdebewertung und -zucht finden sich unter: Exterieur, Interieur und Pferdezucht.

Exterieur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Quadrat stehendes Pferd. Trockener Kopf mit geradem bis konvexen Profil; genügend langer Hals mit natürlicher Aufrichtung und langer Mähne; abfallende Kruppe mit tiefem Schweifansatz; klare Beine mit elastischer, für europäische Massstäbe langer Fesselung und starker Hankenwinkelung; kleine, harte Hufe. Allen Farben, abzeichenloser Fuchs bevorzugt, Schecken nicht zur Zucht zugelassen. Füchse, Braune und Palominos sind am meisten vertreten.

Gangmechanik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gangarten des Peruano sind Schritt/Paso; Tölt (Viertakt) mit Lateralverschiebung/Paso Llano (urspr. Paso Castellano); Trab/Trote; Sobreandando/Rennpass; Galopp/Galope. (Huachano = reine Laterale, zeigen häufig Fohlen als Gangqualitätskriterium; geritten nicht akzeptiert)

Drei-, Vier- oder Fünfgänger? In Europa würden man den Paso Peruano als Fünfgänger sehen (Schritt/Paso, Tölt/Paso Llano, Trab/Trote, Sobreandando/Rennpass, Galopp/Galope), weil hier auch einige Pferde in Trab und Galopp geritten werden. In Peru wird Trab als Mangel gesehen und somit nicht akzeptiert. In seiner Heimat Peru wird der Paso Peruano hauptsächlich im Paso Llano ausgebildet und am Turnier geprüft - Galopp ist nicht relevant. Etliche Exemplare zeigen keinen bzw. keinen sauberen Galopp (Kreuzgalopp, Lateralgalopp...).

'Gangzuchtziel' ist das bequemste Pferd weltweit zu schaffen, bei höchst ökonomischem Bewegungsablauf. Das Pferd soll lange Schritte mit grösstmöglichem Raumgriff machen, dabei aber im Gegensatz zu vielen anderen Gangpferderassen, wenig Lift bzw. Vertikal-Aktion zeigen - denn dadurch würde es unbequem für den Reiter und kraftraubend für das Pferd. Um dennoch genügend Schwung für die Vorwärtsbewegung zu generieren, ist dem Peruano eine Besonderheit im Bewegungsablauf eigen: dem "Termino". Der Peruano bewegt aus der Schulter heraus die Vorderbeine in einer nach außen schwingenden, kraulenden Bewegung (nicht zu verwechseln mit dem hier bekannten und schädlichen Bügeln). Dadurch lässt das Pferd seinen Reiter in allen Gangarten erschütterungsfrei sitzen - eine Alternative bei Rückenproblemen wie Skoliosen oder Bandscheibenschäden.

Die Hinterbeine führt der Peruano knapp überm Boden, gerade nach vorne. Dabei darf die Kruppe in Höhe des Schweifansatzes kaum Bewegung zeigen (Turnier-Richtkriterium). Durch die starken Winkelungen im Exterieur, fällt es dem Peruano leicht, ordentlich Schub und Tragkraft zu erzeugen, sodass der Reiter wesentlich weniger sportlichen Aufwand an Versammlungsarbeit leisten muss.

Interieur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hervorstechende Merkmale dieser Pferderasse sind ihr freundliches Wesen und ihre aufmerksame Reaktionsbereitschaft, gepaart mit nervenstarker Sensibilität, Temperament und Leistungsbereitschaft. Die rasseeigene, BRIO genannte Eigenschaft, ist eifrige Bereitwilligkeit kombiniert mit energischem Einsatz und ausdrucksvoller Präsentation. Brio ist nicht mit Nervosität, Ängstlichkeit oder Ungezogenheit zuverwechseln. Paso Peruanos eignen sich hervorragend als Partner für den anspruchsvollen Freizeitreiter.

Bei vielen Rassen, unter anderem dem Paso Peruano, kann die Krankheit Degenerative Suspensory Ligament Desmitis (DSLD) auftreten.

Statue

Zuchtgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Entdeckung Amerikas 1492 durch Kolumbus gründete die spanische Krone Gestüte auf den westindischen Inseln, auf die zahlreiche Pferde aus Spanien gebracht wurden. 1531 kamen mit dem spanischen Eroberer Francisco Pizarro die ersten Pferde von dort nach Peru. In der spanischen Kolonie Vizekönigreich Peru entwickelten sich schließlich die Pferde des Paso-Llano Typs, der Paso Peruano. Die Zucht basiert auf altspanischen Geneten, Berbern und Andalusiern, die hauptsächlich aus Spanien, Jamaika und Panama importiert wurden.[1] Wegen der steinigen Wege und langen Strecken wurde auf einen komfortablen erschütterungsfreien Gang selektioniert und gezüchtet. In Peru waren Paso Peruanos die bevorzugten Reisepferde der sozial und ökonomisch herrschenden Klasse, mit denen die großen Distanzen im Vizekönigreich zurückgelegt wurden.

Um 1970 brachten europäische Züchter die Pferde erstmals nach Europa. Hauptsächlich findet man die Paso Peruanos in Deutschland, Österreich, Italien, den Benelux-Staaten und der Schweiz.

Seit 1982 existiert eine europäische Paso Peruano Vereinigung. Sie trug bis 2004 den Namen Paso Peruano Vereinigung Deutschland (PPV), heute heißt sie Paso Peruano Europa (PPE).

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Peruvian Paso – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bonnie Lou Hendricks: International Encyclopedia of Horse Breeds. University of Oklahoma Press, 1995, ISBN 9780806138848.