PestschanLag

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

PestschanLag, errichtet 1949, das zu dem großen Komplex der Gulag-Lager gehörte, war ein Sonderlager des MWD für politische Gefangene mit bis zu fast 40.000 Häftlingen. Diese Sonderlager mit verschärftem Regime waren in der Nachkriegszeit durch das Innenministerium MWD (ehem. NKWD) geschaffene spezielle Einrichtungen im allgemeinen Gulag-System in der Sowjetunion.

Bezeichnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

PestschanLag, russisch Песчанлаг, trug ursprünglich die Bezeichnung Ossoblag Nr. 8, d. h. Sonderlager Nr. 8 (aus особый лагерь № 8, особлаг № 8). Die Abkürzung PestschanLag ist abgeleitet von песчаный ла́герь, d. h. Sandlager (diesen Namen findet man vereinzelt auch in der deutschsprachigen Literatur und deutschsprachigen Quellen). Diese Bezeichnungen für die ursprünglich nummerierten Sonderlager wurden erst später und meist zufällig vergeben, als eine Art Code, meist ohne irgendeinen Bezug zur Realität. Eine spätere Bezeichnung war dann Sand-ITL (Песчаный ИТЛ).[1][2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Lager PestschanLag wurde am 5. September 1949 aufgrund des Dekrets Nr. 00219 des Innenministeriums MWD vom 21. Februar 1948[3] anstelle des bisherigen Lagers Nr. 99 des MWD für Kriegsgefangene gegründet. Es befand sich in einem größeren Arbeitslagerkomplex nahe der Stadt Karaganda in der damaligen Kasachischen SSR.[1][2] Am 17. November 1950 wurden einige Lagerabteilungen des Sonderlagers Nr. 9 LugLag sowie die in Ekibastus gelegene Kohletagebauabteilung des Sonderlagers Nr. 4 StepLag an das Lager PestschanLag überführt; am 4. Januar 1951 wurden dem Lager dann die Lagerpunkte 1 und 2 der Abteilung für Besserungsarbeitskolonien (OITK) der MWD-Verwaltung für das Gebiet Karaganda unterstellt; am 24. April 1952 schließlich wurde auf der Basis der Lagerabteilung Nr. 6 von PestschanLag (Ekibastus) das Sonderlager Nr. 11 DalLag errichtet. PestschanLag wurde am 24. August 1955 durch die Übergabe der Lagerunterabteilung und Produktion an das Karaganda-ITL geschlossen.[2]

Für das Lager waren abwechselnd zuständig[2]:

  • GULAG (Hauptverwaltung der Besserungsarbeitslager und -kolonien) des MWD (September 1949 bis März 1953)
  • GTU (Hauptverwaltung der Gefängnisse) des MWD (März 1953 bis Februar 1954)
  • GULAG des MWD (Februar 1954 bis August 1955)

Tätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Häftlinge wurden vor allem im Bereich Kohletagebau und Steinbruch eingesetzt. Im Einzelnen (unter anderem)[2]:

  • Arbeiten beim Kohleabbau in Karaganda, u. a. in Ekibastus, im Staatsbetrieb KaragandaSchachtoStroi, im Kombinat KaragandaUgol (ITL der Karaganda-Kohle)
  • Arbeiten im Holzverarbeitungskombinat und in den Ziegeleiwerken des Trusts LeninUgol und KirowUgol und anderen
  • Arbeiten im Steinbruch von MolotowUgol und im Werk Beloginischtschenski des Trusts KaragandaStroiMaterialy
  • Arbeiten beim Bau des Veredlungswerks des Schachtes Nr. 105 und bei der Errichtung der Kohletagebauen von Ekibastus, beim Bau eines Fleischkombinats
  • Einsatz bei der Errichtung von Sozial- und Kulturbauten und im Wohnungsbau

Insassenzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Anzahl der Häftlinge wurde mit folgenden Zahlen dokumentiert[2]:

1. Februar 1950 6.682
1. Dezember 1950 9.517
1. Januar 1951 21.170
1. Januar 1952 39.612
1. Januar 1953 29.905
1. Januar 1954 23.626
1. Januar 1955 10.822

Bekannte Häftlinge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Vladimír Bystrov: Únosy československých občanů do Sovětského Svazu v letech 1945-1955 (Entführungen tschechoslowakischer Bürger in die Sowjetunion 1945-1955). Edition Svědectví, hrsg. vom Úřad dokumentace a vyšetřování zločinů komunismu ÚDV, eine Einrichtung des Innenministeriums der Tschechischen Republik, Prag 2003, 343 Seiten, ISBN 80-7312-027-5, online auf: szcpv.org/..., Abschnitt Pesčanlag, Seite 266.
  2. a b c d e f Д. Шкапов: ПЕСЧАНЫЙ ЛАГЕРЬ. In: M. B. Smirnow (Hrsg.): Система исправительно-трудовых лагерей в СССР (Das System der Besserungsarbeitslager in der UdSSR 1923–1960). Zwenja, 1998. Online auf Portal Мемориал (Memorial.ru) memo.ru/...; deutsche Fassung auf Portal MEMORIAL Deutschland e. V.: Dmitri Schkapow: Sandlager, In: Das System der Besserungsarbeitslager in der UdSSR 1923-1960, Hrsg. von Michail Smirnow, online auf: gulag.memorial.de/...
  3. Приказ МВД СССР № 00219 «Об организации особых лагерей МВД» (Gesetz Nr. 00219 über die Organisierung der Sonderlager des MWD). Online auf: alexanderyakovlev.org/...

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Übersichtskarte der Lager in der Kasachischen SSR. In: Portal von Memorial/Deutschland. Abgerufen am 13. Dezember 2016 (Verzeichnet als „Sandlager“ unweit der Stadt Karaganda).

Koordinaten fehlen! Hilf mit.