Piteraq

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Der Piteraq (Plural Piteqqat) ist ein katabatischer Wind, der auf dem grönländischen Eisschild entsteht und dann an der Ostküste abwärts strömt. Das Wort „Piteraq“ bedeutet im Grönländischen „Der, der dich angreift“.[1] Piteqqat kommen am häufigsten im Herbst und im Winter vor. Typische Windgeschwindigkeiten sind 50–80 m/s (180–288 km/h). Am 6. Februar 1970 wurde die Gemeinde Tasiilaq vom stärksten bisher dokumentierten Piteraq in Grönland getroffen. Die geschätzte Höchstgeschwindigkeit betrug 90 m/s (324 km/h). Der Wind verursachte einige Sturmschäden.[1] Seit dem Beginn der 1970er Jahre werden vom Dänischen Meteorologischen Institut Piteraqwarnungen veröffentlicht.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Piteqqat entstehen besonders bei Wetterlagen, wenn sich ein Tiefdruckgebiet über dem Meer südöstlich von Grönland, der Irmingersee, kommend nordwärts bewegt. Da sich die Luft über dem bis zu drei Kilometer hohen Eis über Grönland stark abkühlt, sinkt sie ab und lastet auf dem Land – es bildet sich ein Hoch, der natürliche Gegenpol des auf dem Meer befindlichen Tiefs. In einem Tief wird Luft in die Höhe gesaugt, es wirkt wie ein Abfluss der Luftmassen eines Hochs. Da die grönländische Küste durch Fjorde stark zerklüftet ist, verstärkt sich der Abfluss der Luftmasse – dieser wird in einem engen Tal kanalisiert und bricht ausgangs des Fjordes, wo die meisten der wenigen Siedlungen liegen, wie Wellen in einer Brandung, was eine erhebliche Beschleunigung zur Folge hat. Dabei können ganze Eismassen aus dem Fjord auf das offene Meer getrieben werden.[2]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b The Observed Climate of Greenland, 1958-99, Dänisches Meteorologisches Institut, Technical Report 00-18, S. 96–98.
  2. Marilena Oltmanns: Strong wind events across Greenland's coast and their influence on the ice sheet, sea ice and ocean, Massachusetts Institute of Technology, 2012.