Polizeipräsidium Alexanderplatz

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Das Polizeipräsidium Alexanderplatz ist der ehemalige Sitz der Berliner Polizeipräsidenten und Teil der Zentralverwaltung der Berliner Polizei am Alexanderplatz.

Unter dieser Bezeichnung sind zwei Gebäude bekannt geworden:

Seit 1990 befindet sich das Gesamtberliner Polizeipräsidium am Platz der Luftbrücke, im Gebäude Alexanderplatz sind weiterhin Teile der Polizeiverwaltung untergebracht.

Polizeipräsidium Alexander-/Dircksenstraße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alexanderplatz um 1900 (v. l. n. r.: Lehrervereinshaus, Polizeipräsidium, Aschinger). Durch die Umgestaltungen des Platzes sind außer dem Bahnhof und dem Berolinahaus (1932 fertiggestellt) keine Orientierungspunkte erhalten geblieben.

Das Polizeipräsidium Berlin Alexanderplatz ist in der deutschen bzw. preußischen Geschichte auch als Rote Burg bekannt. Bereits 1885 plante die Reichshauptstadt diese Einrichtung als ein „deutsches Scotland Yard“.[1] 1886–1890 wurde der Ursprungsbau unter der Leitung des Berliner Stadtbaurates Hermann Blankenstein errichtet. Dieser Bau war damals neben dem Berliner Stadtschloss das größte Gebäude Berlins. Im Jahr 1900 folgte eine Erweiterung unter der Leitung von Paul Thoemer. 1933 wurde der Komplex Sitz der Berliner Gestapo. Im Zweiten Weltkrieg erlitt das Gebäude in den Jahren 1944 und 1945 bei den Luftangriffen der Alliierten und der Schlacht um Berlin schwere Schäden und wurde nicht wiederaufgebaut. 1957 wurden die letzten Reste abgetragen, sodass ein Parkplatz entstand. Seit 2007 befindet sich auf dem Areal das Einkaufszentrum Alexa.

Bereits 1896 verfügte das Präsidium über einen Erkennungsdienst, eine Bertillonsche Messkartei, ein Vermissten- und Vergehensregister und ab 1899 über ein eigenes Fotoatelier.[2] Der Polizeipräsident von Berlin war in Preußen mit der praktischen Führung sämtlicher polizeilichen und angegliederten Verwaltungsstrukturen beauftragt. Im Gebäude am Alexanderplatz befanden sich also nicht nur kommunale Polizeistrukturen, sondern auch Spezialabteilungen wie zum Beispiel die preußische Zensurbehörde. Die Aufgabenverteilung der Berliner Polizei war somit der Standard für Preußen und das spätere Deutsche Reich.

Polizeipräsidium Neue Königstraße/Keibelstraße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebäude wurde 1930/1931 für das Warenhaus-Unternehmen Rudolph Karstadt AG nach einem Entwurf des Karstadt-Hausarchitekten Philipp Schaefer errichtet.[3] Da es sich schnell für ein Kaufhaus oder Lagergebäude als zu groß erwies, verkaufte Rudolph Karstadt das repräsentative Haus im Jahr 1934 für 15 Millionen Reichsmark (kaufkraftbereinigt in heutiger Währung: rund 68,9 Millionen Euro) an das Reichsfinanzministerium. Dieses richtete hier das Statistische Reichsamt ein, das u. a. die jüdischen Einwohner Berlins statistisch erfasste und zentrale Informationen für die Kriegsführung sammelte.[4]

Nach der Zerstörung des alten Präsidiums am Ende des Zweiten Weltkrieg wurde der Bau nach rascher Reparatur ab 1945 Sitz des Berliner Polizeipräsidenten. Obwohl die Leitung der Berliner Polizei seit Mai 1945 unter Kontrolle der Alliierten Besatzungsmächte stand, kam es im Juli 1948 zur Absetzung des des Polizeipräsidenten Paul Markgraf. Der vom Magistrat eingesetzte Nachfolger Johannes Stumm verlegte das Präsidium in die Friesenstraße im Amerikanischen Sektor. Markgraf weigerte sich das Präsidium zu verlassen und blieb mit Billigung des sowjetischen Stadtkommandanten im Amt. Mit der Spaltung der Berliner Polizei begann die Spaltung Berlins.

Dienstgebäude der BIM

Nordöstlich des Alexanderplatzes und etwa 300 Meter entfernt vom alten Präsidium wurde bis 1951 ein rückwärtiger Gebäuderiegel in der Keibelstraße angebaut.

Das ehemalige Kaufhaus entlang der Neuen Königstraße diente bis 1990 als Zentralverwaltung der Berliner Volkspolizei, in dem Neubau wurde das Polizeigefängnis eingerichtet. Der 1951er Bau erstreckt sich über acht Etagen und verfügte über 100 Gefängniszellen. Nach 1990 fanden in dem Arrestbau mindestens zwei Filmaufnahmen statt (für Männerpension und Das Leben der Anderen), weitere Nutzungen gab es bis 2007 nicht. Dann übernahm die Berliner Immobilien Management GmbH (BIM) die gesamte Immobilie und konnte sie für 47 Millionen Euro komplett sanieren.

Gebäude Otto-Braun-Straße Ecke Keibelstraße nach der Fassadensanierung, 2010

In den ehemaligen Karstadt-Bau zog die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft ein. In mehreren Etagen in der Keibelstraße fanden neue Polizeidientstellen Platz, Hauptnutzer ist jedoch die BIM. Das erste Stockwerk wurde in Abstimmung mit dem Denkmalschutzamt im Jahr 2018 als Lernort umgestaltet und am 18. Februar 2019 eröffnet. Schüler der Altersgruppen 15–20 Jahre können die Zellen und die Ausstellung besichtigen und sich mit der Geschichte des Ortes sowie dem Schicksal einiger Gefangener (wie Norbert Bisky, Michael Brack oder Toni Krahl) intensiv beschäftigen.[5]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jürgen Thorwald: Die Stunde der Detektive. Werden und Welten der Kriminalistik. Droemer Knaur, Zürich und München 1966, S. 31–33.
  2. Jürgen Thorwald (1966), S. 33 f.
  3. Keibelstraße 29–36 im Berliner Adressbuch 1935> Karstadt, R. (A.G.) und Rettungsstelle.
  4. Historisches: Zum Gebäude an der Otto-Braun-Straße/Keibelstraße, abgerufen am 19. Februar 2019.
  5. Martin Klesmann: Plan für einen schwierigen Ort. In: Berliner Zeitung, 19. Februar 2019, S. 11 (Printausgabe), Ehemaliges DDR-Gefängnis öffnet als Lernort (Online-Ausgabe).

Koordinaten: 52° 31′ 10,9″ N, 13° 24′ 55,2″ O