Polskie Drużyny Strzeleckie

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Replika eines Abzeichens der Polskie Drużyny Strzeleckie von 1913, versilbert und poliert

Die Polskie Drużyny Strzeleckie (dt.: Polnische Schützenstaffeln) waren eine 1911[1] gegründete, paramilitärische Einheit der polnischen Unabhängigkeitsbewegung, die beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Jahr 1914 im Wesentlichen in den Polnischen Legionen aufging.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Im Jahr 1908 hatten polnische Nationaldemokraten in Galizien, dem von Österreich-Ungarn besetzten Teil Polens, den Polski Związek Wojskowy (dt: Polnischer Militärverband) in zwei Universitätsstädten gegründet: 1908 in Krakau und 1909 in Lemberg.[3] In dem Verband sollten Polen als zukünftige Offiziere in einem bewaffneten Kampf gegen die russischen Besatzer im Weichselland ausgebildet werden. Etwas später entstanden erste Schützenvereine: 1910 errichtete Józef Piłsudski eine solche Organisation in Krakau. Etwa zeitgleich gründete Władysław Sikorski den Związek Strzelecki (dt.: Schützenverband) in Lemberg. Der Polski Związek Wojskowy begründete seinerseits die Armia Polska (dt.: Polnische Armee), eine weitere Organisation, die den Freiheitskampf vorbereiten sollte. Die Armia Polska rief 1911 die Polskie Drużyny Strzeleckie ins Leben, die im relativ liberalen Galizien legal[2] Schützenvereine betreiben konnte. Die russischen Behörden betrachteten die zunehmende Organisation und Bewaffnung polnischer Freiheitskämpfer im angrenzenden Staat mit Argwohn.[3] Die österreichisch-ungarische Armee sah in den Schützenvereinen dagegen eine Ausbildungsstätte für polnische Truppen, die bei einer erwarteten Konfrontation mit Russland eingesetzt werden könnten.

Zu den Gründern der Polskie Drużyny Strzeleckie gehörten Norwid Neugebauer (1884-1954), Marian Januszajtis-Żegota (1889-1973) und Henryk Bagiński (1888-1973). Auch Frauen wurden bei den Drużyny aufgenommen. Sie übernahmen nachrichtendienstliche Aufgaben und waren als Kuriere oder Krankenschwestern tätig.[4] Die Organisation ähnelte in Struktur und Ausrichtung dem Związek Strzelecki, mit dem sie deshalb kooperierte. Auch mit den Drużyny Bartoszowe (Bartosz-Abteilungen)[5] wurde eng zusammengearbeitet.[6]

Bis 1912 wuchsen die Drużyny auf rund 650 Mitglieder. Bis Juli 1914 hatte die Organisation in 127 Vereinen bereits etwa 6000 Angehörige. Von 1912 bis 1914 war Januszajtis-Żegota der Kommandeur der Einheit. Bei Kriegsausbruch traten die besten Kämpfer der Drużyny in die Legionen Piłsudskis ein.[2] Genauso meldeten sich auch die Mitglieder des Związek Strzelecki mehrheitlich zu den Legionen.[1] Andere bildeten den Kern der ebenfalls neuaufgestellten Polska Organizacja Wojskowa (POW).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Jerzy Jan Lerski (auch: George J. Lerski), Historical Dictionary of Poland, 966-1945, ISBN 0-313-26-007-9, Greenwood, Westport 1996, S. 575
  2. a b c Studia historyczne, Band 42, Polskie Towarzystwo Historyczne, Kielce; Polska Akademia Nauk, Komisja Nauk Historycznych, Państwowe Wydawn. Naukowe, 1999, S. 235
  3. a b Roy Francis Leslie, The History of Poland Since 1863, ISBN 978-0-521-27501-9, Cambridge University Press, Cambridge/New York 1980, S. 107
  4. Ingrid Sharp und Matthew Stibbe, Aftermaths of War: Women's Movements and Female Activists, 1918-1923, Band 63 von: History of Warfare, ISBN 978-9-004-19172-3, Brill, 2011, S. 267f.
  5. Die Drużyny Bartoszowe entstanden 1908 zur Aktivierung der polnischen Jugend im östlichen Teil Galiziens. (Diethelm Blecking, Die Slawische Sokolbewegung: Beiträge zur Geschichte von Sport und Nationalismus in Osteuropa, Forschungsstelle Ostmitteleuropa, 1991, S. 126) Sie wurden von polnischen Nationalisten im Gebiet des russischen Gouvernements Podolien finanziert (Patrice M. Dabrowski, Commemorations and the Shaping of Modern Poland, Indiana University Press, 2004, S. 187)
  6. Kai Struve, Bauern und Nation in Galizien: Über Zugehörigkeit und soziale Emanzipation im 19. Jahrhundert, Band 4 der Schriften des Simon-Dubnow-Instituts, Simon-Dubnow-Institut für Jüdische Geschichte und Kultur, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH KG, 2005, ISBN 978-3-525-36982-1, S. 292