Potager

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Als Potager bezeichnet man einen traditionellen Gemüsegarten (Küchengarten), der der jahreszeitlich wechselnden Erzeugung von Gartenprodukten für eine Verwendung in der Küche eines großen Bauernhofes oder Schlosses dient und damit eine andere Funktion erfüllt als ein Wohn-, Spiel- oder Ziergarten.

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Potager du Roi im Park von Schloss Versailles

Im Französischen leitet sich das Wort potager von pot ‚Topf, Kochtopf‘ ab. Die hier behandelte Bedeutung von ‚Garten, Gemüsegarten‘ ist wie folgt definiert:

  • potager (m.) (latein. hortus olitorius) ein besonderer Garten (oder Teil eines Gartens), in dem Kräuter, Gemüse und bestimmte Früchte ausgesät, gepflanzt und kultiviert werden, die für eine Verwendung in der Küche gedacht sind.[1][2] Das Wort kann auch adjektivisch verwendet werden: le jardin potager ‚der Gemüsegarten‘; une herbe potagère ‚das Küchenkraut‘.

Der mit den Produkten dieses Gemüsegartens zusammenhängende Begriff ist

  • potage (m.) ein gekochtes Gericht (fette oder magere Suppe, Eintopf, Ragout etc.), das zusammen mit einer dicken Scheibe Brot als erster Gang eines Essens serviert wird.[1][2]

Weitere Bedeutungen von potager, die mit oben Gesagtem in Zusammenhang stehen, sind

  • potager (m.) ein großer Küchenherd (oder allgemein Kochstelle) mit mehreren Heizstellen, um gleichzeitig mehrere potages (s. o.) zu kochen.[1][2] Im Potager wird kein Feuer gemacht, sondern Glut aus dem Küchenkamin in eine Art Gusseisenkörbe geschaufelt.
  • potager (m.) ein Topf aus Keramik oder Metall, den man verwendet, um Handwerkern vorgekochte Mahlzeiten an den Arbeitsplatz zu bringen.[1][2]
  • potager (m.) war eine Bezeichnung für den persönlichen königlichen Leibkoch, der für die potages (s. o.) verantwortlich war.[1]

Garten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Villandry, Potager

Potager (nach franz. "Jardin potager") bezeichnet auch einen ornamental gestalteten Küchengarten, wie er besonders von französischen Renaissance-Schlössern bekannt ist. Bekanntestes Beispiel ist der nach Renaissance-Vorbildern gestaltete Garten des Schlosses Villandry im Loire-Tal, wo Nutzpflanzen mit Rosen und anderen Blumen in geometrischen Beeten kombiniert sind. Jedes mit einer niedrigen Buchsbaumhecke eingefaßte Beet ist mit nur einer Gemüsesorte bepflanzt, das Gemüse wird jedoch nicht geerntet, da dies den ästhetischen Gesamteindruck zerstören würde[3].

Auf Befehl von Ludwig XIV. legte Jean-Baptiste de la Quintinie 1678 im Schloss von Versailles östlich des Schweizer Sees einen Potager (Potager du Roi) an, der auch als Wandelgarten diente[4]. Arc en Ciel de Bosmelet in der Normandie[5] und Château de St-Jean de Beauregard[6] sind weitere bekannte Potagers.

Küchengarten in West Dean, Sussex

In England wurde diese Idee in den viktorianischen Gärten großer Güter wieder aufgenommen. Die Gärten von West Dean in Sussex bieten ein gutes Beispiel eines restaurierten viktorianischen Potager.

Potagers wurden in den letzten Jahren zunehmend populär und wurden zum Beispielauf der Chelsea Flower Show der britischen Royal Horticultural Society gezeigt[7]. Die Baroness Laurence de Bosmelet gewann 2007 mit einem Potager "arc en ciel" eine Goldmedaille in der Chelsea Flower Show[8], ebenso gewann Bunny Guinness 2011 mit einem Potager-Garten (M&G Garden) einen Preis[9]. Marie de Curel in Frankreich (Château de St-Jean de Beauregard, Îsle de France) und Rosemary Verey in England (Barnsley House in Gloucestershire) legten neue Potagers an. Auch in den USA finden sich inzwischen Potagers[10].

Potager in Rosemary Vereys Barnsley House mit buchseingefaßten Beeten

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Marylyn Abbott, Gardens of Plenty: The Art of the Potager Garden. Kyle Cathie 2011. ISBN 978-1856263672
  • Jennifer R. Bartley, Designing the New Kitchen Garden: An American Potager Handbook. Timber Press 2006. ISBN 978-0881927726
  • Rosalind Creasy, The Edible French Garden. Boston, Periplus 1999. ISBN 978-9625932927
  • Josy Marty-Dufaut, Le potager du Moyen Age: Créez votre jardin médiéval. Editions Autres Temps 2006. ISBN 978-2845212374
  • Sally Gregson, Ornamental Vegetable Gardening. Ramsbury 2009, Crowood Press. ISBN 978 1 84797 117 3
  • Louisa Jones, The Art of French Vegetable Gardening. Workman 1995. ISBN 978-1885183095
  • Joy Larkcom, Creative Vegetable Gardening. Mitchell Beazley 2008. ISBN 978-1845333904 (praktische Hinweise und Kochrezepte)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Pierre Richelet: Dictionnaire de la langue française ancienne et moderne, Volume 3, Pierre Bruysset-Ponthus (1759), S. 223
  2. a b c d Dictionnaire De L'Académie Françoise: L - Z, Band 2 (1762), S. 432
  3. Sally Gregson, Ornamental Vegetable Gardening. Ramsbury 2009, Crowood Press, 66
  4. Pierre David/Martine Willemin, Der Küchengarten des Königs (Fotograf Gilles Mermet). Köln, Dumont 2011
  5. http://www.french-gardens.com/gardens/chateau-de-bosmelet.php
  6. http://www.ft.com/cms/s/2/7eb8ba3e-0088-11e1-ba33-00144feabdc0.html#axzz1oAPUF1O2
  7. Sally Gregson, Ornamental Vegetable Gardening. Ramsbury 2009, Crowood Press, 65f
  8. http://www.french-gardens.com/gardens/chateau-de-bosmelet.php
  9. http://forums.gardenweb.com/forums/load/potager/msg0508592929998.html
  10. Rosalind Creasy, The Edible French Garden. Boston, Periplus 1999, 14