Rankgerüst

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Rankgerüst zur Fassadenbegrünung

Ein Rankgerüst (Rankgitter, Rankhilfe) ist eine bauliche Konstruktion aus Metall, Holz oder Kunststoff, die es einer Kletterpflanze ermöglicht, artspezifisch in die Breite oder Höhe zu wachsen. Rankgerüste finden als konstruktives Element der Gartengestaltung oder an Hauswänden (Fassadenbegrünung) Anwendung. Umgangssprachlich werden die Begriffe "Rankhilfe", "Rankgerüst" usw. gerne synonym für "Kletterhilfen" verwandt. Korrekt ist eine deutliche Unterscheidung: Rankhilfen sind Kletterkonstruktione für solche Kletterpflanzen, die Rankorgane ausbilden. Als "Kletterhilfen" bezeichnet man hingegen Stütz- und Kletterkonstruktion für alle Kletterpflanzen unabhängig von ihrer Kletterform. Tatsächlich wirkt eine gute Rankhilfe für eine filigrane Rankpflanze für viele andere Kletterpflanzen, z.B. starkwüchsige Schlingpflanzen, eher wuchsbehindernd als hilfreich.

Material[Bearbeiten]

Rankgerüste können aus Metall-, Holz- oder Kunststoffprofilen, Drähten und Seilen oder aus Kombinationen verschiedener Werkstoffe bestehen. Relevante Eignungsaspekte der Materialien sind deren Erkletterbarkeit durch Kletterpflanzen, Vermittlung dauerhaften sicheren Haltes, Witterungsbeständigkeit und ausreichende Festigkeitswerte und Tragfähigkeit je nach Verwendung. Metalle mit hoher Wärmeleitung und/oder pflanzentoxischen Oxidationsprodukten sind u.U. weniger geeignet. Eine thermische Belastung des Bewuchses kann insbesondere dann auftreten, wenn sich dunkle, dickere Metallprofile unter Sonnenlicht erwärmen und viel Wärme an junge Pflanzenteile abgeben. Im Winter kühlt sich die Oberfläche aller Kletterhilfen nicht tiefer ab als die umgebende Luft.

Grobkonstruktion[Bearbeiten]

Rankhilfe im Kleingarten
Rankgerüst für rankende und spreizklimmende Kletterpflanzen (Rebe und Rosen)

Wenn man von einem Gerüst spricht, bezeichnet man damit in der Regel ein räumliches Gebilde zum Beispiel eine Ranksäule oder auch eine Laubenkonstruktion. Für flächige Rankhilfen trifft der Begriff „Rankgitter“ (oder gegebenenfalls auch „Ranknetz“) besser zu. Den Anspruch, eine Rankhilfe darzustellen, erfüllt eine Konstruktion u.a. durch ein ausreichend großes Angebot entsprechender Profile in dem Bereich, den eine Rankpflanze erklettern soll. Entsprechend stellt sich ein Rankgerüst i.d.R. sehr filigran dar.

Gitterweiten[Bearbeiten]

Gitterweiten zwischen ungefähr 10 × 10 cm und 40 × 40 cm sind für verschiedene Rankpflanzen geeignet. Je kräftiger deren Holz und je länger und haltbarer die jeweiligen Ranken sind, desto größere Profilabstände sind möglich.

Materialdicken[Bearbeiten]

Die verschiedenen Ansprüche, die eine kletternde Pflanze entsprechend ihrer Klettertechnik an ihre Wuchshilfe stellt, sind zu beachten. Der Stab- bzw. Lattenumfang sollte kleiner sein als die aktive Länge der Ranken.

  • Ranker benötigen meist mehr oder weniger dünne Seile oder Stäbe (Wein, Clematis usw.). Selbst für Rankpflanzen, deren aktive Rankenlänge groß ist, sollte der Profildurchmesser maximal ca. 2 cm groß sein. Bei Latten (Rechteckprofilen o.ä) sollte ein Profilumfang < 7 cm gewählt werden.
  • Schlinger (etwa Glyzinie, Baumwürger, Bohnen) schlingen sich am besten um Rundstäbe bis etwa 5 cm Dicke.
  • Spreizklimmer (z.B. Rose, Brombeere) benötigen Quer- und Längsstäbe/-seile, da sie sich mit Trieben einspreizen und oft zusätzlich mit Stacheln (Widerhaken) einhaken.

Berücksichtigung der Windlast[Bearbeiten]

Bei frei stehenden Rankgerüsten sollte, je nach Standort, die eventuelle Windlast nicht vernachlässigt werden. Rankgerüste an ungeschützten Standorten sollten auf etwa 50 kp/m² Horizontallast (bezogen auf die künftige vom Bewuchs gebildete Staufläche) ausgelegt werden.

Geschichte[Bearbeiten]

Klassische, rein funktionale Rankgitter (Rechteckstruktur), die in der Regel aus Holz gefertigt wurden, zierten ab etwa Ende des 19. Jahrhunderts viele landwirtschaftlich genutzte Gebäude und Wohnhäuser. Konstruktiv unterschieden sich derartige Rankgitter wenig von Spalierkonstruktionen, wie sie heute vor allem noch im Alpenraum üblich sind. Neben den funktionalen Rechteckrastern aus Latten (teilweise zusätzlich mit Drahtbespannung) gab es besonders an "gutbürgerlichen" Wohnhäusern häufiger auch diagonal verstrebte Rankgitter aus dünneren Leisten. Diese bildeten ein Rautenmuster, das häufig ganze Fassaden bedeckte und dessen Umrahmung auch runde Formen der Fassade aufnahm. Dort wurde das Rankgitter gezielt als eigenständiges Element einer Fassadengestaltung eingesetzt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Manfred Köhler: Fassaden- und Dachbegrünung. Ulmer, 1993, ISBN 3-8001-5064-6
  • FLL: Richtlinie zur Planung, Ausführung und Pflege von Fassadenbegrünungen mit Kletterpflanzen. Bonn, 2000 Bezug + Info