Reichskrone (Naumburg)

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Reichskrone (1900)

Die Reichskrone in Naumburg (Saale) ist ein der Stadt Naumburg gehörendes ehemaliges Hotel und Theater, das ungenutzt unter Denkmalschutz steht.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altes Theater (2012)

Die Reichskrone wurde ab 1881 auf dem Grundstück des früheren Gasthofs Zum blauen Stern in Naumburg für die Reichsgräfin Ida von Hoffmannsegg als Hotel und Theater errichtet. Das Gebäude erhielt seinen Namen von dem davor befindlichen Platz, der zu der Zeit Reichskrone hieß, dann später zum Bismarckplatz, Platz der Einheit, von 1991 bis 2019 Theaterplatz und seitdem Curt-Becker-Platz heißt. Die Reichskrone wurde 1883 feierlich eröffnet und ging mit dem Tod der Reichsgräfin von Hoffmannsegg als testamentarisches Vermächtnis in das Eigentum der Stadt Naumburg über. Die Geschichte des Anwesens spiegelt für Naumburg seither facettenreich die Deutsche Geschichte auf der lokalen Ebene der Stadt wider.

1897 fand hier die für Naumburg erste öffentliche Aufführung mit einem Cinématographe statt – gezeigt wurden die bewegten Bilder einer Russland-Reise – und 1924 wurden die Reichskronen-Lichtspiele im Saal eingerichtet. Im Jahr 1918 wurde die Reichskrone zum Schauplatz der Novemberrevolution. Am 10. November konstituierte sich hier der Naumburger Arbeiter- und Soldatenrat. Am 13. November war Volksversammlung und am 23. November Bürgerversammlung. Dann folgten die ersten bürgerlichen Parteigründungen, am 2. Dezember die Ortsgruppe der Deutschnationalen Volkspartei und wenig später am 18. Dezember 1918 die der Deutschen Demokratischen Partei. Am 14. März 1920 formierte sich in der Reichskrone der Naumburger Widerstand gegen den Kapp-Putsch, indem hier das Aktionsbündnis seine Vertreter wählte, die die Streikmaßnahmen zu koordinieren hatten. Auch der Übergang von der Weimarer Republik zum Nationalsozialismus fand vor und in der Reichskrone statt, die von den Nationalsozialisten später als Kommandantur genutzt wurde. So hielt beispielsweise Reichsjugendführer Baldur von Schirach am 17. März 1936 eine Rede vor der Reichskrone.[1]

In der Nachkriegszeit in Deutschland wurde das Alte Theater im nun „Haus des Volkes“ genannten Gebäudes auch von der Kreisleitung der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands genutzt und so wurde die „Eroberung der Reichskrone“ durch die Bürgerbewegung der DDR im Jahr 1990 wieder ein wichtiges Etappenziel der Umsetzung deutscher Geschichte in Naumburg. Nach der Deutschen Wiedervereinigung wurde die Reichskrone einige Jahre als Bürohaus für Unternehmen und Institutionen sowie Parteien genutzt. Seit der Aufgabe der Nutzung steht die Reichskrone leer und ist zunehmend dem baulichen Verfall ausgesetzt. Der große Saal war schon seit 1986 wegen Baufälligkeit gesperrt.[2] Seit 2008 gibt es Pläne, die Reichskrone als Veranstaltungszentrum für die Region wieder herzurichten.[3] Seitdem steht das Haus zum Verkauf.[4] Im Jahr 2019 wurde das Dach repariert und teilweise erneuert, um weitere Schäden am Gebäude zu verhindern.[5] Im großen Saal der Reichskrone hat sich unter der später abgehängten schlichten Decke ein kolossales Deckengemälde im Stil des Historismus erhalten.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Chronik Naumburg 1918–1945. naumburg1933.de. Abgerufen am 5. September 2019.
  2. Von Reichsgräfin Ida von Hoffmannsegg geplantes Schauspielhaus wurde 1883 eröffnet. In: naumburger-tageblatt.de. 1. August 2019, abgerufen am 6. September 2019.
  3. Helga Heilig: Neue Pläne für Reichskrone (Memento vom 6. September 2012 im Webarchiv archive.today) In: Naumburger Tageblatt, 24. September 2008.
  4. Erstklassiges Hotel im historischen Theater In: investieren-in-sachsen-anhalt.de, 29. September 2010, abgerufen am 6. September 2019.
  5. Albrecht Günther: Reichskrone in Naumburg: Ein Schatz, der einst glänzte. In: mz-web.de. 1. August 2019, abgerufen am 6. September 2019.

Koordinaten: 51° 9′ 7,8″ N, 11° 48′ 53,8″ O