Replikation (Wissenschaft)

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Replikation bezeichnet in den Wissenschaftstheorie die Wiederholung einer wissenschaftlichen Studie. Das Ziel ist dabei die Kontrolle und Überprüfung der berichteten Forschungsergebnisse. Im Endeffekt wird durch Replikation zweierlei erreicht: Zum einen steigt die Akzeptanz der erfolgreich replizierten Studie und zum anderen diszipliniert sie Forscher, in ihrer Studie sorgfältig zu arbeiten und Betrug und Fälschung in der Wissenschaft zu unterdrücken.

Die Replikation ist zu unterscheiden von der Reproduktion, welche zwar mit bereits verwendeten Daten arbeiten, jedoch höchstens als Nebeneffekt eine Replizierung vorangegangener Studien versucht.[1]

Replikationstypen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es wird zwischen zwei Replikationstypen unterschieden: Replikation im engeren Sinne, das heißt unter gleichen Versuchsbedingungen, und Replikation im weiteren Sinne, also unter veränderten Versuchsbedingungen.[2]

Replikation unter gleichen Versuchsbedingungen (direkte Replikation)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei einer Replikation unter gleichen Versuchsbedingungen wird ein Experiment so genau wie möglich unter den Bedingungen eines Vorgängerversuchs durchgeführt. Handelt es sich nicht um ein Experiment, sondern um Feld- und empirische Studien, ist das Ziel, die Effekte erneut nachzuweisen. Nur wenn die gleichen Daten oder die der Datengenerierung zugrunde liegenden Prozesse verwendet werden, lässt sich die Reproduzierbarkeit der ersten Studie nachweisen.

Anlass kann Zweifel an den Ergebnissen einer vorangegangenen empirischen Studie sein. Eine professionell erstellte Studie im Rahmen der empirischen Sozialforschung weist in ihrem Beschreibungstext immer die Bedingungen und Instrumente / Methoden aus, die letztlich zum Versuchsergebnis führten.[3] So fällt es einem nachfolgenden Wissenschaftler leichter, den "Ur-Versuch" durch Replikation zu überprüfen.

Replikation unter veränderten Versuchsbedingungen (konzeptionelle Replikation)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei einer Replikation unter veränderten Versuchsbedingungen wird ein Experiment in (meist leicht) abgewandelter Form eines Vorgängerversuchs durchgeführt.

In der Psychologie werden Versuchs-Replikationen auch oft von den Wissenschaftlern, die den "Erstversuch" durchführten, unternommen. Ein Beispiel ist das Milgram-Experiment zur Gehorsamkeit gegenüber Autoritäten von Stanley Milgram. Milgram leitete den Versuch unter verschiedenen Bedingungen, wobei u. a. der Grad der Autorität des Versuchsleiters variiert wurde.

Innovation versus Replikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Wissenschaftsbetrieb besteht eine inherente Tendenz zum Neuen. Entsprechend geschwächt ist oft das Interesse an replikativer Forschungsarbeit. Zur ausdrücklichen Unterstützung replikations-orientierter Studien wurde 2016 in den Niederlanden ein 3 Mio. Euro-Förderprogramm eingerichtet.[4]

Verbreitung in den Sozialwissenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Replikation durch Dritte hat in den Sozialwissenschaften keinen hohen Stellenwert, obwohl sie für glaubwürdige Wissenschaft unerlässlich ist. So wies eine im American Economic Review bereits 1986 veröffentlichte Metastudien nach, dass Nicht-Replizierbarkeit eher die Regel denn die Ausnahme in der volkswirtschaftlichen Forschung sei.[5]

Grundvoraussetzung für Replikation ist ein hinreichendes Maß an Transparenz, also die Daten für die interessierte Öffentlichkeit zu hinterlegen. Obwohl als Problem erkannt, verlangen nur wenige Fachzeitschriften von Autoren die Einsendung der in ihrer Studie verwendeten Daten (inklusive der Verarbeitung). Selbst in Fällen wo ein Daten-Archiv vorhanden ist, gelingt es nur selten, die dazugehörigen Studien zu replizieren.[1]

Nur wenige wissenschaftliche Journale spezialisieren sich auf Replikation oder stellen wie das Journal of Applied Econometrics zumindest einen Teil des Bandes der Replikationen zur Verfügung. Das Zentrum für Statistik der Georg-August-Universität Göttingen bietet mit den Replication Working Papers eine Arbeitspapier-Serie für replizierte Studien an.[6]

In der psychologischen Wissenschaft setzt zunehmend ein Umdenken bezüglich der Replikationen von Ergebnissen ein. Ursache ist hierfür die "Replikationskrise", welche den Umstand beschreibt, dass viele Befunde in aufwendigen Replikationsversuchen nicht repliziert werden konnten. In diesem Sinne wird vermehrt auf die Umsetzung von Open Science-Praktiken (z. B. Verfügbarkeit von Studienmaterialien) gesetzt, um Replikationen in der Psychologie zu fördern und zu erleichtern.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Milgram, S. (2007). Das Milgram-Experiment - Zur Gehorsamsbereitschaft gegenüber Autorität (15. Auflage). Reinbek bei Hamburg: Rowohlt.
  • Bortz, J. & Döring, N. (2006). Forschungsmethoden und Evaluation für Human- und Sozialwissenschaftler (4. Auflage). Heidelberg: Springer.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b McCullough, B. D. & McGeary, Kerry Anne & Harrison, Teresa D.: Lessons from the JMCB Archive. In: Journal of Money, Credit and Banking. Band 38, Nr. 4, 2006, S. 1093–1107, doi:10.1353/mcb.2006.0061 (englisch).
  2. Pesaran, M. Hashem: Introducing a replication section. In: Journal of Applied Econometrics. Band 18, Nr. 1, 2003, S. 111, doi:10.1002/jae.709 (englisch).
  3. sinngemäß: Bortz, 2006, S. 88
  4. Wired: Error! Wie die Wissenschaft mit ihren Fehler umgeht vom 09.09.2016, geladen am 06.02.2017
  5. DeWald, William, Jerry Thursby und Richard Anderson: Replication in empirical economics: the Journal of Money, Credit and Banking project. In: American Economic Reviw. Band 76, Nr. 4, 1986, S. 587–603, JSTOR:1806061 (englisch).
  6. Georg-August-Universität Göttingen - Replication Working Papers. uni-goettingen.de, abgerufen am 2. September 2015 (englisch).