Reproduktionstechnik

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Unter Reproduktionstechnik in der Druckvorstufe sind die Verfahren zu verstehen, die sich mit der Wiedergabe von Bildern und Texten befassen und zur Herstellung der Druckformen für die verschiedenen Druckverfahren dienen. Davon ausgenommen sind von Künstlern geschaffene Druckformen, wie Kupferstich, Stahlstich, Holzschnitt und die Originallithografie. Dabei handelt es sich um originale Werke und keine Reproduktionen.

In den vergangenen vierzig Jahren hat sich die Reproduktionstechnik schneller entwickelt als in den hundert Jahren davor. Wer in den 1950er Jahren in einem der begehrten und gut bezahlten Berufe als Schriftsetzer, Chemigraf oder Lithograf ausgebildet wurde, galt als Handwerker. Heute arbeiten dort Informatiker, vermehrt auch Frauen, mit besonderen Kenntnissen in der Bildverarbeitung. Der Ausbildungsberuf heißt Mediengestalter für Digital- und Printmedien.

Die Reproduktionstechnik setzt sich aus zwei Fertigungsstufen zusammen, nämlich erstens der Datenerfassung der Vorlage und anschließenden Bearbeitung, sowie zweitens der eigentlichen Druckformherstellung.[1]

Übersicht über die Druckverfahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schema der Hauptdruckverfahren nach DIN 16500

Heute werden laut DIN 16500 vier Hauptdruckverfahren unterschieden, nämlich je nach Art der Druckform in Hoch-, Tief-, Flach- und Durchdruck.

Bei den Hochdruckverfahren sind die druckenden Elemente in der Druckform erhaben und werden mit Druckfarbe eingefärbt, nichtdruckende Partien dagegen liegen vertieft. Das Einfärben der Druckform erfolgt mittels farbführender Walzen. Zum Hochdruck gehören Buchdruck, Flexodruck und Letterset-Druck.

Bei den Flachdruckverfahren liegen druckende und nichtdruckende Elemente in einer Ebene. Das Druckprinzip basiert hier auf dem chemischen Gegensatz von Fett und Wasser. Druckende Stellen der Druckform nehmen die fetthaltige Farbe an, während nichtdruckende Partien angefeuchtet werden und Farbe abstoßen. Zu den Flachdruckverfahren gehören Offsetdruck, Steindruck und Lichtdruck.

Die druckenden Bildelemente der Tiefdruckverfahren liegen vertieft und werden mit flüssiger Farbe gefüllt. Nichtdruckende Partien liegen leicht erhaben, so dass die Druckfarbe mit einem Rakel entfernt werden kann. Zu den Tiefdruckverfahren gehören der maschinelle Rollentiefdruck, aber auch der Stahl- und Kupferstich, sowie die Radierung.

Die Druckform bei Durchdruckverfahren ist für Farbe durchlässig, während nichtdruckende Partien abgedeckt werden. Die Druckfarbe tritt durch die Druckform hindurch auf den zu bedruckenden Stoff. Zu den Durchdruckverfahren gehören Siebdruck und Risografie.

Darüber hinaus gibt es weitere Druckverfahren, die sich keiner der vorher genannten zuordnen lassen, zum Beispiel die elektrostatischen Drucker, wie Laserdrucker, Kopierer und Digitaldruckmaschinen, sowie die Tintenstrahldrucker.[2]

Geschichte der Reproduktionstechnik im Flachdruck[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedrich Hanfstaengel: Alois Senefelder, Kreidelithographie, 1834
Joseph Nicéphore Niépce, Erfinder der Fotografie

Im Jahr 1798 erfand Alois Senefelder die Lithografie und den Steindruck, zwei bahnbrechende Entdeckungen auf dem Wege zur modernen Reproduktionstechnik. Senefelder versuchte als erster, vorhandene gedruckte Kupferstiche erneut auf anderem Wege zu drucken, das heißt zu reproduzieren. Mit der 1837 vom deutsch-französischen Lithografen Godefroy Engelmann entwickelten Chromolithografie war es möglich, farbige Vorlagen zu reproduzieren, allerdings in mühseliger Handarbeit. Bis zu dieser Zeit gab es nur Farbdrucke mit einer oder mehreren Tonplatten als Radierung im Tiefdruck oder als Holzschnitt im Hochdruck.[1]

Weitere Erfindungen im Laufe des 19. Jahrhunderts beschleunigten die Entwicklung der Reproduktionstechnik. Im Jahr 1837 entdeckte Louis Daguerre die Fotografie, nachdem Joseph Nicéphore Nièpce schon 10 Jahre zuvor fotografische Aufnahmen im Heliografie-Verfahren angefertigt hatte. 1861 entwickelte James Clerk Maxwell die Filtertechnik für Farbauszüge und 1881 Georg Meisenbach den Glasgravurraster. Damit waren alle Voraussetzungen geschaffen, um die Fotografie für die Reprotechnik und Druckformherstellung zu nutzen.[1]

Meisenbach entdeckte 1882 in München ein Verfahren, das er Autotypie nannte und mit dem fotografische Bilder von Zinkplatten im Hochdruck gedruckt werden konnten. 1883 erschien das erste gerasterte Foto in einer deutschen Zeitung. Etwas später wurde die Fotografie auch im Flachdruck eingesetzt und Fotolithografen bearbeiteten Farbauszüge und kopierten diese auf Lithografiesteine.[3] Im Tiefdruck wurde die Fotografie genutzt, indem die Aufnahme auf lichtempfindliches Pigmentpapier belichtet und dann auf die Druckform übertragen wurde. Dieses Verfahren nannte man Heliogravüre und wurde 1879 von Karl Klietsch erfunden.[4]

Chromolithografie (ca. 1840–1940)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zigarettenwerbung, Lithografie um 1910

1837 ließ sich der deutsch-französische Lithograf Godefroy Engelmann aus Mülhausen (Elsass) eine farbige Variante der Lithografie unter dem Namen Chromolithografie patentieren, die bis in die 1930er Jahre ein verbreitetes Verfahren für farbige Illustrationen hoher Qualität sein sollte. Aus bis zu 8, 12 und sogar 16 Farben bestehende Chromolithografien waren keine Seltenheit.[5]

Als Vorlage oder Original bekam der Chromolithograf ein gemaltes Bild von einem Künstler oder Grafiker, von dem er eine Konturenzeichnung auf Stein herstellte, die mit feinen Linien die Umrisse und Farbunterschiede des Originals markierte. Diese Konturenplatte diente dem Lithografen als Anhalt für die genaue Ausarbeitung der vorgesehenen einzelnen Farben. Mit Einsatz des Umdruckverfahrens wurden danach Klatsch genannte Kopien der Konturenplatte auf eine Anzahl Steine erstellt, die der Zahl der vorgesehenen Farben entsprach. Ein Klatsch zeigte die Konturen nur andeutungsweise in einem hellen Farbton und verschwand später bei der Druckvorbereitung der fertigen Chromolithografie.[5]

Eine typische 10-farbige Chromolithografie bestand zum Beispiel aus den Farben 1. Blau, 1. Rot, Gelb, 2. Blau, 2. Rot, Schwarz, 1. Grau, 2. Grau, Gold und Text. Nach Ausarbeitung der helleren Farben wurde mit dem Andruck begonnen. Mit Hilfe von dünnen Kreuzen, die Passmarken oder Passkreuze genannt wurden, konnte das zu druckende Motiv über alle Farben exakt und passgenau übereinander gedruckt werden. Nach dem Druck jeder Farbe prüfte der Chromolithograf den Fortschritt seiner Arbeit und bearbeitete danach die nächstdunklere Farbe. Texte zu den Abbildungen wurden auf besonderen Steinen von Schriftlithografen erstellt. Schließlich wurde der fertige Andruck dem Kunden vorgelegt, der seine Änderungswünsche äußern konnte. Beim Andruck entstand eine Farbskala, in der alle Druckfarben einzeln sichtbar waren, sowie der jeweilige Zusammendruck. Die Farbskala diente dem Drucker an der Steindruck-Schnellpresse als Anhalt für die Farbe und Farbführung. Nach erfolgter Kundenkorrektur war der Auftrag druckfertig. In der Schnellpresse konnte nun die Auflage gedruckt werden.[5]

Fotolithografie (ca. 1890–1950)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vierfarbskala
Drei Farbfilter in den Primärfarben Gelb (Y), Magenta (M) und Cyan (C), teilweise übereinander liegend.

Die Originale oder Vorlagen waren zumeist gemalte Bilder und retuschierte Schwarzweiß-Fotografien. Dazu lieferte der Grafiker ein Layout und Reinzeichnungen mit Texten und Strichzeichnungen.

In der Fotolithografie waren drei Verfahrensstufen zu unterscheiden, nämlich erstens die Erstellung der fotografischen Farbauszüge, zweitens die manuelle Korrektur durch den Fotolithografen und drittens die Übertragung der Aufnahme auf den Stein durch die Steinkopie, sowie die Druckvorbereitung des Lithografiesteins.[1]

Vom farbigen Original erstellte der Reprofotograf mit Hilfe von Farbfiltern Farbauszüge. Ein Vierfarbendruck erforderte je einen Farbauszug für Gelb, Rot, Blau und Schwarz. Der Reprofachmann nennt diese Farben Gelb oder Yellow, Magenta, Cyan und Tiefe oder Schwarz. Bei der Belichtung wurde im Objektiv ein Farbfilter vorgeschaltet, der der Komplementärfarbe des Farbauszugs entsprach, also ein Violettfilter für Gelb, ein Grünfilter für Magenta und ein Orangefilter für Cyan. Schwarz, das lediglich zur Erhöhung des Kontrasts diente, wurde ohne Filter aufgenommen.

Um die Farbauszüge drucken zu können, war eine Zerlegung in Rasterpunkte notwendig. Diese Aufrasterung erfolgte ebenfalls in der Reproduktionskamera, indem der zu belichtenden fotografischen Platte eine drehbare Rasterscheibe, der Glasgravurraster, vorgeschaltet wurde. Beim Vierfarbdruck, bei dem zur Darstellung eines Farbbildes mehrere Rasterwinkelungen übereinander gedruckt werden, versuchte man den Moiré-Effekt durch einen Winkelabstand von 30° je Farbauszug zu vermeiden. Von der Reinzeichnung wurde eine Strichaufnahme hergestellt.[1]

Schema der steinkopie.svg

An einem Leuchttisch beurteilte der Fotolithograf die Farbauszüge und nahm die notwendigen Korrekturen vor. Er hatte hierfür bestimmte Chemikalien und Werkzeuge zur Verfügung. Zu den Chemikalien gehörte Farmersche Abschwächer um Tonwerte aufzuhellen, sowie Quecksilberverstärker und Keilitzfarbe, um Tonwerte abzudunkeln. Rötel diente zum Abdecken lichtundurchlässiger Partien. Außerdem benutzte der Fotolithograf abzieh- oder abwaschbaren Abdecklack, mit dem er nicht zu verändernde Partien auf der Aufnahme schützen konnte. Er hatte nun die Möglichkeit, den Farbauszug insgesamt in einer flachen Schale mit Farmerschen Abschwächer oder Verstärker zu bearbeiten. Partielle Retuschen nahm er mit dem Pinsel vor. Alle Korrekturen unterlagen jedoch seiner persönlichen Beurteilung und Erfahrung. Das Ziel war, dem Original beim Druckergebnis möglichst nahezukommen.[1]

Die fertig retuschierten Negative dienten als Kopiervorlagen für die Steinkopie. Ein vorbereiteter Stein wurde mit einer Eiweißchromatlösung lichtempfindlich gemacht, die aus Lösung von destilliertem Wasser, Trockeneiweiß, Ammoniak und Ammoniumbichromat bestand. In einem Steinkopiergerät erfolgte die Belichtung mit Kohlenbogenlicht vom Negativ auf den Stein, wodurch die belichteten Partien gehärtet wurden. Anschließend walzte man den Stein mit schwarzer Druckfarbe ein und entwickelte die Kopie unter Wasser. Die nichtbelichteten Partien lösten sich und auf dem Stein erschien ein positiver seitenverkehrter Farbauszug. Dieser konnte nun nochmals manuell bearbeitet werden, bevor der Stein für den Druck vorbereitet und anschließend angedruckt wurde.[6]

Offsetreproduktion (seit 1910)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Übergang von der Fotolithografie zur Offsetreproduktion war fließend und die Verfahrensschritte ähnelten sich teilweise. Der Name Fotolithograf wurde auf die Offsetreproduktion übertragen, obwohl dieser mit dem Stein nichts mehr zu tun hatte. Erst 1956 wurde dieser Lehrberuf in Druckvorlagenvorbereiter-Fachrichtung Offset umbenannt. Nur wenige Berufe haben einen vergleichbar gravierenden technischen Wandel erfahren, wie die Fachleute in der Reproduktion. In den 1950er Jahren entstanden viele, überwiegend kleine Reproduktionsanstalten, die sich auf die Druckvorstufe für den Hoch- und Flachdruck spezialisierten.[7]

Konventionelles Verfahren (1910–1970)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Passkreuze
Andruckskala

Die Originale oder Vorlagen waren gemalte Bilder und retuschierte Schwarzweiß-Fotografien, später auch Farbdiapositive. Dazu lieferte der Grafiker oder die Werbeagentur das Layout und Reinzeichnungen mit Texten und Strichzeichnungen oder den Satz auf Barytpapier und Film.

Von den Farbvorlagen erstellte der Reprofotograf mit Hilfe von Farbfiltern Farbauszüge, jetzt nicht mehr direkt gerastert sondern als Halbtonnegative. Der Druckvorlagenvorbereiter, der frühere Fotolithograf, stellte davon Farbkorrekturmasken her, die mit den Halbtonnegativen kombiniert und im Kontaktgerät mittels Kontaktraster aufgerastert wurden. Das Ergebnis war ein farbkorrigiertes Rasterdiapositiv, an dem kaum noch manuelle Korrekturen notwendig waren. Häufig wurden die farbkorrigierten Farbsätze angedruckt, um sie zu überprüfen und gegebenenfalls manuell zu korrigieren. Danach erfolgte das Zusammenkopieren von Bildern, Texten, Zeichnungen und sonstigen Bildelementen. Zu diesem Zweck wurden die einzelnen Bildteile je Farbe auf eine Montagefolie montiert. An den Rand der Montagefolien hatte der Vorlagenvorbereiter zuvor ein Lochregister gestanzt, damit die Folien mittels einer Passleiste exakt übereinander platziert werden konnten. Freistellmasken für die Bilder, sowie Texte, Zeichnungen und Fondtöne wurden auf separaten Folien montiert. Im Kontaktgerät wurden nun von allen Montagefolien Negative hergestellt. Das Kontaktgerät stand in einer Dunkelkammer und die belichteten Filme mussten manuell entwickelt und fixiert werden. Im Verlauf der 1960er Jahre löste die Entwicklungsmaschine die Handarbeit ab.[1] Im nächsten Arbeitsschritt folgte die Zusammenkopierung der Negative zum Endfilm, der nicht mehr bearbeitet werden durfte und als Kopiervorlage für die Offsetdruckplatte diente. Diese Arbeitsweise war sehr materialintensiv, denn häufig brauchte der Druckvorlagenvorbereiter zwischen 20 und 30 Einzelfilme bis zum fertigen Vierfarbsatz.

Als Nächstes wurde der Auftrag angedruckt. Dazu mussten die Endfilme auf einem Leuchttisch auf eine durchsichtige Montagefolie mit der Schichtseite nach oben montiert werden. Mit Passstiften fixierte der Druckvorlagenhersteller jede weitere Farbmontage passgenau übereinander. Danach erfolgte die Übertragung Schicht auf Schicht im Kopierrahmen auf vorbeschichtete lichtempfindliche Druckplatten, die zunächst aus Zink und später aus Aluminium bestanden. Mittels UV-Licht und unter Vakuum wurden die Platten belichtet. Im Film geschwärzte Partien blieben als druckende Bildstellen auf der Druckplatte ungehärtet und wurden anschließend in einer Entwicklungsmaschine ausgewaschen. Schließlich überzog man die Platte mit einer Gummiarabicum-Lösung. Nun konnte der Auftrag in der Andruckpresse angedruckt und dem Kunden zur Begutachtung vorgelegt werden. Nach erfolgter Korrektur lieferte die Reproduktionsanstalt die Filme zusammen mit einer Andruckskala an die beauftragte Druckerei aus.[8]

Klischograph und Trommelscanner (1963–1995)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trommelscanner

In den 1950er Jahren wurde von der Firma Hell in Kiel der Klischograph entwickelt, der die Klischeeherstellung im Hochdruck revolutionieren sollte. Der Klischograph war ein elektronisch gesteuertes Graviergerät zur Herstellung von druckfertigen Klischees. Der Nachfolger war der Vario-Klischograph, mit dem um 1968 eingefärbte Folien graviert werden konnten, die auch für die Offsetreproduktion einsetzbar waren, indem sie auf Film umkopiert wurden. Sie ersetzten zum Teil die Farbauszüge aus der Reproduktionskamera.[9] Zu Beginn der 1960er Jahre wurden die ersten Trommelscanner entwickelt, die farbige Vorlagen elektronisch abgetasteten und farbkorrigierte Halbtonnegative erzeugten. Von diesen wurden mittels Kontaktraster im Kontaktgerät gerasterte Positive für den Offsetdruck erstellt. Der entscheidende Durchbruch der Scannertechnik erfolgte, als 1971 die ersten Laserscanner auf den Markt kamen. Der bekannteste und erfolgreichste war der Chromagraph DC 300 von Rudolf Hell. Diese Geräte waren in der Lage, farbkorrigierte und gerasterte Farbauszüge von hoher Qualität auszugeben. Damit wurden die Farbauszüge aus der Reproduktionskamera nicht mehr benötigt.[10]

Proofverfahren (seit 1972)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine wichtige Neuerung war das Aufkommen der analogen Proofverfahren, mit denen dem Fachmann ein schnelles Kontrollmittel an die Hand gegeben wurde. Auf der Drupa 1972 stellte die Firma DuPont das Cromalin® vor, das sich gegenüber Konkurrenzprodukten, wie Matchprint und Remak, schnell durchsetzen konnte. Cromalin® ist ein von DuPont entwickeltes Farbprüfverfahren, mit dessen Hilfe das farbliche Ergebnis eines Scans vorab überprüft werden konnte, ohne dass angedruckt werden musste. Der farbige Proof als Kontrolle des Scans wurde bald Stand der Technik. Ein Vorteil der analogen Proofverfahren war, dass sie die Rasterpunkte des Offsetdrucks nachbildeten und sich durch die Reproduzierbarkeit der Ergebnisse auszeichneten. Damit wurden sie zunehmend von den Druckereien als Ersatz für einen Andruck akzeptiert.[11]

EBV-Systeme (1980–1995)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Plotter der Fa. Hewlett-Packard

Die Elektronische Bildverarbeitung (EBV) wurde 1979 auf der Imprinta erstmals vorgestellt. Die aufwändigen Seitenmontage-Systeme von Hell, Crosfield und Scitex sollten die mühsame Handarbeit der Druckvorlagenhersteller ersetzen. Das EBV-System kostete im kleinsten Einstieg rund eine Million DM. Skeptiker glaubten zu dieser Zeit, dass sich nur die größten Betriebe ein solches System leisten könnten. Am Ende des Jahrzehnts jedoch waren weltweit etwa 2.500 Anlagen installiert. Zur Drupa 1990 boten neun Anbieter 15 verschiedene EBV-Systeme an.[11]

Diese Systeme bestanden in der Regel aus einer Arbeitsvorbereitung, einem oder mehreren Scannern, einer Eingabe und einer Montagestation, einem oder mehreren Rechnern, sowie einem Plotter zur Proof- und Filmausgabe. Die Bilddaten wurden vom Scanner eingespeist und über eine Eingabe- oder Layoutstation konnten die Position und Ausschnitte der Abbildungen festgelegt werden. Strichelelemente, Texte und Grafiken tastete ein Flachbettscanner ab und verwandelte sie in Daten. Sämtliche Montagearbeiten und Retuschen wurden vom EBV-Operator am Bildschirm interaktiv durchgeführt und das Ergebnis als farbiger Proof ausgegeben. Schließlich erfolgte die Aufzeichnung auf Film über den Plotter.[11]

Desktop-Publishing (seit 1990)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

PC der Firma Apple

Mit dem englischen Begriff Desktop-Publishing (DTP) wird das Erstellen von Dokumenten mit Texten, Grafiken und Bildern am Computer bezeichnet. Durch die Weiterentwicklung der PC-Technik und der Standardsoftware zu Beginn der 1990er Jahre wurde die EBV sukzessive auf den PC verlagert. Dieses neue System kostete je nach Ausstattung nur noch ein Bruchteil der früheren EBV-Anlagen. Um 1995 deckten Apple und Microsoft fast 90 % der Betriebssysteme ab. Besonders die Apple-Technologie beeinflusste die elektronische Bildbearbeitung und Seitengestaltung. Bildgestaltungs-Software, wie Photoshop, Corel Draw, Illustrator und Freehand zusammen mit TIFF- und Postscript-Datenformaten ermöglichten den Datentransfer.[1]

Die Entwicklung der Digitalkamera seit 1998 ersetzte den Scanner bei der Datenerfassung. Gegenwärtig werden die Daten für den Seitenaufbau, also Layout, Texte, Grafiken und Bilder in den Werbeagenturen oder Redaktionen direkt erstellt. Als Aufgaben für den Reprobetrieb oder Reproabteilung verbleiben lediglich besondere Farb- und Tonwertkorrekturen, das Zusammenführen unterschiedlicher Datenformate, die Herstellung des fortdruckgerechten Proofs und die Druckformherstellung, heute zumeist über Computer to Plate oder Computer to Press.[1]

Digitale Druckformherstellung (seit 1995)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belichter der Firma Lüscher

Beim Computer to Plate-Verfahren (CtP) wird die Druckplatte in einem Belichter direkt mit Computerdaten bebildert, ohne den Umweg über einen Film. Die bisherige Handmontage der Filme entfällt, so dass daraus resultierende Fehler, wie ein schlechter Passer, nicht mehr auftreten. Außerdem lassen sich mit direkt bebilderten Druckplatten bessere Druckergebnisse erzeugen, da die Randschärfe der Rasterpunkte höher ist und kleinere Rasterpunkte erzeugt werden können. Entwickelt wird die Druckplatte online, also direkt im Belichter oder in einer separaten Entwicklungsmaschine.[12]

Die neueste Entwicklung seit dem Jahr 2008 heißt Computer to Press oder Direct Imaging, bei dem die Druckplatten direkt in der Druckmaschine bebildert werden. Damit entfällt das manuelle Einspannen und Einrichten der Druckplatte. Die Vorteile dieses Verfahrens liegen in der Verkürzung der Rüstzeiten für die Druckmaschine und die Automation aller damit verbundenen Arbeitsgänge. Die Druckplatten sind entweder einmal oder mehrmals beschreibbar und werden bei Bedarf ausgewechselt.[12]

Digitaldruck (seit 1995)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Digitaldruck wird eine Gruppe von Druckverfahren bezeichnet, bei denen das Druckbild direkt von einem Computer in eine Druckmaschine übertragen wird, ohne dass eine statische Druckform benötigt wird. Der Digitaldruck ist für kleinere Auflagen kostengünstiger als der Offsetdruck. Da inzwischen im Digitaldruck mit günstigen Fertigungskosten gearbeitet wird, erscheinen heute bereits viele Bücher unbekannter Autoren zu marktfähigen Preisen und in handelsüblicher Qualität. Auch das Book-on-Demand, das Buch auf Bestellung, gehört in diese Kategorie. Ein neues Feld für den Digitaldruck bietet das personalisierte Buch. So erlebt derzeit der Digitaldruck einen Boom durch Digitalfotografie, denn Fotobücher, Kalender, Grußkarten und andere Drucksachen werden millionenfach direkt von Konsumenten bestellt und im Digitaldruck gefertigt.[13]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i Entwicklung der Reprotechnik, abgerufen am 8. Juli 2009 (MS Word; 64 kB)
  2. Übersicht über die Druckverfahren, abgerufen am 8. Juli 2009
  3. Georg Meisenbach (1841–1912), abgerufen am 9. Juli 2009
  4. Heliogravure, abgerufen am 9. Juli 2009
  5. a b c Jürgen Zeidler: Lithographie und Steindruck. Ravensberger Buchverlag 1994, ISBN 3-473-48381-8, S. 84–89.
  6. Fotolithografie, abgerufen am 8. Juli 2009
  7. Jürgen Zeidler: Lithographie und Steindruck. 1994, S. 71f.
  8. Konventionelle Verfahren im Offsetdruck, abgerufen am 10. Juli 2009
  9. Vario-Klischograph, abgerufen am 10. Juli 2009
  10. Laserscanner Chromagraph DC 300, abgerufen am 10. Juli 2009
  11. a b c Vom Handwerk zur Industrie, abgerufen am 10. Juli 2009
  12. a b Computer to Plate, abgerufen am 11. Juli 2009
  13. Digitaldruck, abgerufen am 12. Juli 2009

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Walter Domen: Die Lithographie: Geschichte, Kunst, Technik. Dumont Taschenbücher, Köln 1982, ISBN 3-7701-1431-0.
  • Henry Cliffe: Lithographie heute, Technik und Gestaltung. Ravensburg 1968.
  • Helmut Kipphan: Handbuch der Printmedien. 1. Auflage. Springer Verlag, Heidelberg 2000, ISBN 3-540-66941-8.
  • Jürgen Zeidler: Lithographie und Steindruck in Gewerbe und Kunst, Technik und Geschichte. Ravensberger Buchverlag, 2008, ISBN 978-3-419-53486-1.
  • Jürgen Zeidler: Lithographie und Steindruck. Ravensberger Buchverlag, 1994, ISBN 3-473-48381-8.
  • Dieter Fiebig, Karl-Heinz Beck: Reprotechnik. Programmierte Anleitung für den Satzhersteller. Schule + Beruf, Elmshorn 1977, ISBN 3-88013-122-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]