Retroring

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Abbildung 1: Kamera und Objektiv mit Retroring an einem Balgengerät

Ein Retroring, auch Umkehrring oder Retroadapter genannt, ist ein Bauelement der Fotografie, insbesondere für die Makrofotografie. Ein Retroring ermöglicht es, ein Objektiv umgekehrt an einer Kamera zu befestigen, das heißt mit dem Filtergewinde zur Kamera gewandt (statt mit dem Bajonett). Das Objektiv wird dann als Retroobjektiv bezeichnet.

Der Retroring hat daher auf einer Seite das Filtergewinde als Außengewinde, auf der anderen Seite den Anschluss der Kamera, also zumeist einen Bajonett-Anschluss.

Normalerweise ist ein Retroring nicht allein im Einsatz, sondern wird in Kombination mit Zwischenringen oder einem Balgengerät eingesetzt, um dem Objektiv zur Kamera einen festen oder einstellbaren Abstand, das heißt die richtige Bildweite für den beabsichtigten Aufnahmemaßstab zu geben. Einen Retroring zu montieren ist oft sinnvoll, damit der Abbildungsmaßstab 1:1 überschritten werden kann. Somit wird das Abbild des Objektes vergrößert.

Funktionsweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Fokuspunkt bzw. die Schärfeebene bei einem Objektiv liegt, technisch bedingt, näher an der Hinterlinse, als an der Vorderlinse. Dies ist so, weil die Film- bzw. Sensorebene in der Regel näher am Objektiv liegt. Beim Fokussieren eines Objektives wird, in der Normalstellung, die Schärfeebene verschoben, bis sich diese in der gewünschten Entfernung befindet. Dann hat man "scharfgestellt".

Wenn man nun ein Objektiv in der Retrostellung verwendet so kann man ein Objekt, welches nun in der Schärfeebene des Sensors liegt, größer abbilden, da es näher an der jetzigen Frontlinse liegt. Für diesen Fall ist es meist qualitativ günstiger, das Objektiv zu drehen, da seine Korrekturrechnungen für eine minimale Aufnahmedistanz von 35 bis 50 cm gerechnet wurden und in Normalposition des Objektivs die Verzerrungen bzw. Abbildungsfehler größer würden als in Retrostellung.

Bei der Verwendung von Nahlinsen werden weitere Glaselemente in den Lichtgang eingefügt. Dies kann das Bild verschlechtern. Hier ist der Retroring im Vorteil, da hier keine weiteren Glaselemente in den Lichtgang eingefügt werden. Allerdings ist man mit einem Retroring alleine nicht so flexibel mit dem Abbildungsmaßstab. Erst in Verbindung mit einem Balgengerät oder Zwischenringen kann man diesen variieren. Diesen kann man mit verschiedenen Nahlinsen gut verändern.

Genutzte Objektive[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Normalobjektive, Teleobjektive und Weitwinkelobjektive unterscheiden sich hauptsächlich in ihrem Bildwinkel. Dieser ist maßgeblich durch die Brennweite bedingt. Da nun der vorherige Aufnahmewinkel des Objektives auf den Film bzw. Sensor zeigt, wird an dieser Stelle das Objekt dementsprechend größer oder kleiner dargestellt. Ebenfalls ist die letzte Linse dieser Objektive bei den Weitwinkelobjektiven näher an der Film- bzw. Sensorebene als bei Teleobjektiven. Daher steht das Objekt bei Teleobjektiven weiter von der Linse weg als bei Weitwinkelobjektiven. Aus beiden Gründen ergibt es sich, dass mit einem Weitwinkelobjektiv das Objekt größer dargestellt werden kann als mit einem Teleobjektiv. Daher erhält man mit einem Weitwinkelobjektiv einen größeren Abbildungsmaßstab als mit einem Normalobjektiv. Folgende Abstufung lässt sich diesbezüglich feststellen:

Weitwinkelobjektiv > Normalobjektiv > Teleobjektiv

In der Praxis werden häufig auch ältere Objektive in Retrostellung benutzt, da diese noch eine manuelle Blendeneinstellung erlaubten, im Gegensatz zu modernen Digitalobjektiven, bei denen die Blendeneinstellung nur über die Kamerasoftware möglich ist.

Nutzung Balgengerät/Zwischenringe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch diese Geräte vergrößert sich die Fläche auf der Film- bzw. Sensorebene, wenn man das Objektiv von der Kamera wegschiebt. Daraus resultierend vergrößert sich die Abbildung des Objektes auf der Film- bzw. Sensorebene. In Retrostellung hat dies nun zur Folge, dass sich diese Fläche mehr vergrößert, als das dies in Normalstellung der Fall wäre. Daher kann man mit einem Objektiv in Retrostellung und an einem Balgengerät/Zwischenring noch wesentlich größere Abbildungsmaßstäbe erhalten als in Normalstellung.

Besonderheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abbildung 2: Umkehrring mit einem weiteren Adapterring

Da im Fall der umgekehrten Objektivbefestigung die elektrischen und mechanischen Betätigungen zwischen Kamera und Objektiv nicht mehr funktionieren, wird der Retroring manchmal um einen weiteren Adapterring auf der Kameraflanschseite des Objektivs ergänzt. Dieser gestattet nun mittels genuteter Wellen oder Kabelverbindung, weiterhin die Funktionalitäten zwischen Kamera und Objektiv zu gewährleisten. Hierunter fallen besonders die Funktionalitäten zur Blendensteuerung.

Die Abbildung 1 zeigt den Aufbau einer Kamera mit Balgengerät. Vor dem objektseitigen Balgenende ist der Retroring montiert, und auf ihm ist das Objektiv in Retrostellung am Filtergewinde befestigt. Das kameraseitige Bajonett des Objektives liegt frei. Das heißt, die Kamera hat hier mangels Übertragungselementen nicht die Information, mit welcher Blende das Objektiv eingestellt ist. Somit wird mit derjenigen Blende und Helligkeit fotografiert und zuvor die Helligkeit gemessen, die sich aus dem eingestellten Blendenwert des Objektivs ergibt („Arbeitsblenden-Messung“).

Wegen der bei großen Abbildungsmaßstäben

  • oftmals eingeschränkten Helligkeit (oft schattet das Objektiv selbst noch ab)
  • und der im Nahbereich (und in der Gestaltung der Schärfentiefe) heiklen Fokussierung

empfiehlt sich oft ein Aufbau von Kamera, Balgengerät, Retroring und Objektiv auf einem Stativ.

Siehe auch:

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  •  Commons: Photographic lenses in reverse position – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Praxis und Theorie der Retrostellung; Grundlagenbeitrag mit Auswirkungen auf Abbildungsmaßstäbe, Abstände, Belichtung, Schärfentiefe etc.[1] (PDF 2,2 MB; Quelle: fachliteratur.scheibel.de)