Richtiger Wert

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Der Begriff richtiger Wert ist ein Begriff aus der Messtechnik und der Qualitätssicherung, er steht in enger Beziehung zum Begriff wahrer Wert. Der richtige Wert tritt an die Stelle des wahren Wertes, wenn es um quantitative Angaben eines Messergebnisses oder Merkmalswertes geht.

Definitionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der wahre Wert (einer Messgröße) ist definiert als

„Größenwert, der mit der Definition einer Größe übereinstimmt.“

– Internationales Wörterbuch der Metrologie (VIM), 2012, Nr. 2.11[1]

Dieser ist in seiner Größe eindeutig, aber nicht ermittelbar. Deshalb gibt es als weiteren Begriff den richtigen Wert (DIN) oder vereinbarten Wert (VIM), der definiert ist als

„Größenwert, der durch Vereinbarung einer Größe für einen gegebenen Zweck zugewiesen wird.“

– Internationales Wörterbuch der Metrologie, Nr. 2.12

Die grundlegende Normung zur Messtechnik[2] bezeichnet entsprechend

  • den wahren Wert der Messgröße als Ziel der Auswertungen von Messungen der Messgröße; er ist ein „ideeller Wert“,
  • den richtigen Wert der Messgröße als „bekannter Wert“ für Vergleichszwecke, dessen Abweichung vom wahren Wert für den Vergleichszweck als vernachlässigbar betrachtet wird.

Der richtige Wert wird auch als konventionell richtiger Wert bezeichnet.[2]

Dieses steht in Übereinstimmung mit der Normung zur Qualitätssicherung und Statistik.[3]

Anwendungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beispiele für wahre Werte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einer der wenigen wahren Werte, die in der Physik bekannt sind, ist die exakt durch Definition festlegte Lichtgeschwindigkeit im Vakuum mit .[4] Als exakt bekannte Größe ist sie aber kein Ziel einer Messung mehr. Bei Auswertungen von Messungen ist kein wahrer Wert der Messgröße bekannt und eine numerische Rechnung mit dem Wert der Messgröße ist nur mit einem richtigen Näherungswert möglich, dessen Abweichung vom wahren Wert für den Vergleichszweck als vernachlässigbar betrachtet wird.

Weitere genau bekannte wahre Werte sind beispielsweise

  • der Winkel des Vollkreises,
  • eine endliche Anzahl von Elementen.

Beispiele für richtige Werte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Praxis, z. B. im gesetzlichen Messwesen, gilt ein Messmittel als richtig, wenn seine systematischen Messabweichungen innerhalb festgelegter Fehlergrenzen liegen.[5]

Bei einem Gewichtsstück wird ein zum Zwecke des Kalibrierens ermittelter Wert seiner Masse durch Vereinbarung als richtiger – den wahren Wert ersetzender – Wert festgelegt. Dazu wird der richtige Wert mit Messgeräten oder Normalen ermittelt, deren Messabweichungen dem Betrage nach mindestens um eine Zehnerpotenz kleiner sein sollen als der Betrag der Messabweichung, die für den vorgesehenen Zweck zugelassen ist.[2][6] Der so gewonnene Wert kann vom Nennwert abweichen.

Der beste bekannte Wert der Elementarladung ist mit einer Unsicherheit von .[7] Wenn jemand mit die Kraft auf ein Elektron im elektrischen Feld der Stärke ausrechnen will, dabei aber die Feldstärke nur mit zwei signifikanten Stellen kennt, so kann man für diesen Zweck auch als richtigen Wert anerkennen.

Entsprechendes gilt für alle physikalische Konstanten bis auf die wenigen, deren Wert durch Definition festliegt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franz Adunka, Messunsicherheiten: Theorie und Praxis, Vulkan, 2007
  • Bernd Pesch, Messen, Kalibrieren, Prüfen, Books on Demand, 2009

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. JCGM 200:2012 International vocabulary of metrology — Basic and general concepts and associated terms (VIM). (PDF; 3,8 MB; abgerufen am 25. Januar 2015)
  2. a b c DIN 1319-1, Grundlagen der Messtechnik – Teil 1: Grundbegriffe, 1995, Nr. 1.3 und 1.4
  3. DIN 55350-13, Begriffe der Qualitätssicherung und Statistik - Teil 13: Begriffe zur Genauigkeit von Ermittlungsverfahren und Ermittlungsergebnissen, 1987, Nr. 1.3 und 1.4
  4. CODATA Recommended Values. National Institute of Standards and Technology, abgerufen am 6. August 2015. Wert der Lichtgeschwindigkeit, CODATA 2014
  5. DIN 1319-2 Grundlagen der Messtechnik – Teil 2: Begriffe für Messmittel, 2005, Nr. 3.7.3
  6. Wolfgang Dutschke: Fertigungsmesstechnik. 4. Auflage. Teubner, Stuttgart 2002, ISBN 978-3-519-36322-4, S. 9 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  7. CODATA Recommended Values. National Institute of Standards and Technology, abgerufen im 5. August 2015. Wert für die Elementarladung.