Rigorismus

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Der Rigorismus (v. lat. rigor „Steifheit, Härte, Unbeugsamkeit“) bezeichnet

  • allgemein: eine überstrenge, starre Denk- und Handlungsweise, die an Grundsätzen und Prinzipien festhält, ohne Rücksicht auf die konkreten Bedingungen und Situationen[1]
  • im engeren Sinne: ein ethischer Standpunkt, nach welchem die Moralgesetze unter allen Umständen einen verpflichtenden Charakter besitzen.

Die Adjektive „rigoros“ und „rigid“ sind teilsynonym, insofern sie beide unter anderem „hart“ oder „streng“ bedeuten.[2] Unter dem Substantiv Rigorismus werden theoretische Begründungen für eine insbesondere ethische/moralische Härte beschrieben, zumeist mit einer abwertenden Konnotation.

Philosophie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stoa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zenon von Kition vertrat einen Rigorismus, der ein „Grundcharakter der stoischen Haltung“[3] sein soll.

Kant[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine rigoristische Auffassung der Moral vertrat vor allem Immanuel Kant:

„Es liegt [...] der Sittenlehre überhaupt viel daran, keine moralischen Mitteldinge weder in Handlungen (adiaphora[4]) noch in menschlichen Charakteren, so lange es möglich ist, einzuräumen: weil bei einer solchen Doppelsinnigkeit alle Maximen Gefahr laufen, ihre Bestimmtheit und Festigkeit einzubüßen. Man nennt gemeiniglich die, welche dieser strengen Denkart zugetan sind (mit einem Namen, der einen Tadel in sich fassen soll, in der Tat aber Lob ist): ‚Rigoristen‘; und so kann man ihre Antipoden ‚Latitudinarier‘ nennen. Diese sind also Latitudinarier der Neutralität und mögen Indifferentisten, oder der Koalition und können Synkretisten genannt werden.“ (in: Die Religion in den Grenzen der bloßen Vernunft, 1793).

Fichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Rigorist gilt auch Fichte.

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Christentum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • In der katholischen Kirche bezog sich der Begriff der Rigoristen ursprünglich auf die Vertreter der Jansenisten und Oratianer.[5]
  • Diejenige Moralaufassung, die man für zu hart hält, wird mit der Qualifizierung „Rigorismus“ kritisiert und abgewertet.
  • Liegt ein Rigorismus vor, kann man ihn als sündhaft analysieren: „Ist somit im Phänomen des Rigorismus auf spezifische Weise der homo incurvatus in seipsum gefaßt, dann ist der Rigorismus ein besonderer Ausdruck des sündigen und unerlösten Daseins.“[6]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Rigorismus – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.zeno.org/Meyers-1905/A/Rigorismus?hl=rigorismus
  2. Wahrig: Wörterbuch der deutschen Sprache. (hrsg. und neu bearb. von Renate Wahrig-Burfeind). Neuausgabe 2012. Dt. Taschenbuch-Verl., München 2012, ISBN 978-3-423-34450-0 (dtv; 34743)
  3. K. Wuchterl, Einführung in die Philosophiegeschichte, Bern u.a., 2000, S. 68
  4. Diesen Begriff leitete Kant von den Stoikern ab, die in ihrer Lehre keine moralischen Mitteldinge (adiaphora) zuließen.
  5. Siehe Rudolf Eucken, Beiträge zur Einführung in die Geschichte der Philosophie, 1906
  6. Hubert Windisch: Rigorismus. In: Christian Schütz (Hrsg.): Praktisches Lexikon der Spiritualität. Herder, Freiburg i.Br. u.a. 1992, ISBN 3-451-22614-6, Sp. 1061 (1062)