Sicherungsarmatur

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Eine Sicherungsarmatur ist eine Armatur, welche das Trinkwasser vor Verschmutzung durch zurückfließendes Abwasser (bzw. Brauchwasser) schützt. Zurückfließen kann dann auftreten, wenn eine Verbindung zwischen Brauchwasser und Trinkwasserleitung hergestellt wird, so z. B. wenn der Brauseschlauch in die volle Badewanne fällt.

Ist eine Verbindung zwischen Brauchwasser und Trinkwasser gegeben, so kann Brauchwasser in die Trinkwasserleitung zurückfließen, wenn

  • in einem Gerät ein höherer Druck entsteht, als in der zugehörigen Leitungsanlage,
  • der Druck in der Trinkwasseranlage absinkt, weil
    • in einem tieferen Stockwerk eine Armatur mit großem Durchfluss geöffnet wurde, z.B. der Druckspüler eines WCs,
    • die Trinkwasserleitung abgesperrt und eine Armatur im abgesperrten Leitungsstrang geöffnet wurde,
    • in der Trinkwasseranschlussleitung ein Rohrbruch aufgetreten ist (z. B. durch Bauarbeiten oder Erdverwerfungen).

Unterdruck entsteht in der Leitung aufgrund eines Rohrbruchs oder wenn in einer abgesperrten Leitung eine Armatur an einem tiefergelegenen Punkt geöffnet wird, wie es bei Reparaturarbeiten an der Leitungsanlage regelmäßig der Fall ist.

Sicherungsmaßnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unvollständige Liste, grob geordnet nach der Reihenfolge ihrer Wirksamkeit:

  • freier Auslauf (sicherste Einrichtung)
  • Rohrunterbrecher A1,
  • Rohrtrenner Einbauart 3,
  • Rohrunterbrecher A2,
  • Rohrtrenner GB (Einbauart 2),
  • Systemtrenner/ Rohrtrenner BA, Rohrtrenner GA (Einbauart 1),
  • Systemtrenner/ Rohrtrenner CA, GA
  • Sicherungskombination,
  • Rückflussverhinderer und
  • Rohrbelüfter der Formen C, D und E.

Sicherungsarmaturen sind nicht zu verwechseln mit Sicherheitsarmaturen wie z. B. Sicherheitsventilen, welche die Entstehung von gefährlichem Überdruck verhindern.

Anwendungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenn an einem Trinkwasserhahn ein Schlauch zur Reinigung des Abflussrohrs angeschlossen wird, kann ein Rohrunterbrecher eine Verunreinigung der Armatur verhindern.

Bei Verwendung eines Schlauchs muss das Wasser am Schlauchende frei und ungehindert abfließen können. Sobald sich das Schlauchende in einem Behälter befindet oder fest angeschlossen wird, muss nach der jetzt gültigen EN 1717 eine Sicherungsarmatur zum Einsatz kommen.

Bei Anschluss des Schlauchs zum Nachfüllen des Wassers einer Heizungsanlage kann ein Systemtrenner Typ CA oder GA verwendet werden, wenn dem Heizungswasser keine Zusätze beigemischt wurden (Gefährdungsklasse 3). Kommen Zusätze zur Anwendung, bedarf es eines Systemtrenners Typ BA (Gefährdungsklasse 4).[1]

Richtlinien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2001 gilt die EN 1717 gemeinsam mit der bisherigen DIN 1988 Teil 4. Letztere soll nach Inkrafttreten der EN 806 Teil 1 – 5 zurückgezogen werden.[1]

Die Auswahl der Sicherungsarmatur erfolgt nach der von der Gefährdungsklasse des Trinkwassers nach DIN EN 1717.[2]

Familien von Sicherungsarmaturen:

  • Familie A Freier Auslauf
  • Familie B Kontrollierbare Trennung (erkennbar an meist drei Prüfventilen, mit denen Druckverlust in angeschlossenen Leitungen simuliert und die Mitteldruckzone kontrolliert wird)
  • Familie C Nicht kontrollierbare Trennung
  • Familie D Atmosphärische Belüftungseinrichtungen
  • Familie E Rückflussverhinderer
  • Familie G Rohrtrenner
  • Familie H Belüftungsarmaturen für Schlauchanschlüsse
  • Familie L Druckbeaufschlagte Belüfter.

Die Armaturen werden mit zwei Großbuchstaben gekennzeichnet von denen der erste die oben angegebene Familie benennt und der zweite den Typ der Armatur spezifiziert.

Sicherheitseinrichtungen mit atmosphärischer Belüftung (z.B. Typen AA, BA, CA, GA, GB, usw.) dürfen nicht Räumen oder Schächten eingebaut werden, an denen die Gefahr einer Überflutung besteht oder giftige Dämpfe auftreten können.[3][1]

Eine Sicherungseinrichtung setzt sich zusammen aus der eigentlichen Sicherungsarmatur und den Zubehörteilen nach DIN EN 1717, welche die ordnungsgemäße Funktion längerfristig sicherstellen und Prüfung und Wartung ermöglichen. Dazu gehören unter anderem Absperrventile und Verschraubungen zum einfachen Austausch einer defekten Armatur, Schmutzfänger zum Funktionserhalt von Rückschlagventilen und Ventile zur Funktionsprüfung durch Simulation eines Druckabfalls.[3]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Dipl.-Ing. Tino Reinhard: Bedeutung und Inhalt der DIN EN 1717 - Systemnorm regelt europaweit den Trinkwasserschutz, IKZ Haustechnik, Heft 13/2006, S. 32ff
  2. Tino Reinhard: Sicherungskonzept und Sicherungsarmaturen nach DIN EN 1717 in energie|wasser-praxis, Ausgabe Oktober 2008, online unter www.fachzeitschriften-wvgw.de (Memento vom 16. Juni 2012 im Internet Archive)
  3. a b twin - Information des DVGW zur Trinkwasser-Installation[Information Systemtrenner BA (Memento vom 3. September 2013 im Internet Archive) Systemtrenner], Stand April 2003