Round Table

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The Winchester Round Table
Nationale RT Logos

Round Table (RT) zählt zu den Service-Clubs und ist eine parteipolitisch und konfessionell neutrale Vereinigung junger Männer im Alter von 18 bis 40 Jahren. Die Idee und die Organisationsform von Round Table haben ihren Ursprung in der Tradition des englischen Clublebens: Örtlich selbständige „Tische“ führen jeweils etwa 15 bis 25 junge Männer unterschiedlicher Berufe und Wirkungsbereiche zusammen. In Deutschland sind 233 Tische mit 3558 Mitgliedern (Stand März 2018) aktiv. Weltweit zählt die Vereinigung 35.000 Mitglieder in 60 Ländern.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Round Table wurde 1927 in Norwich gegründet. Der Gründer Louis Marchesi wollte eine Vereinigung ins Leben rufen, die sich an das Vorbild ähnlicher Clubs anlehnte, jedoch in einem für ihn wichtigen Punkt ein Gegengewicht bilden sollte: beim Alter der Mitglieder. Die Mitgliedschaft in anderen Clubs ist in der Regel lebenslang angelegt, was in Verbindung mit zahlenmäßigen Aufnahmebeschränkungen meist zu einem hohen Altersdurchschnitt führt. Bei Round Table dagegen erlischt die Mitgliedschaft automatisch mit dem 40. Lebensjahr. Auf diese Weise werden regelmäßig wieder Plätze für neue, jüngere Tischmitglieder frei. Diese Regelung hat bei Round Table zu einem Altersdurchschnitt von Mitte 30 und zu einem hohen Maß an Homogenität unter den Tischmitgliedern geführt, was die persönliche Lebenssituation in Beruf und Familie angeht.

In einigen englischsprachigen Ländern wurde die Altersgrenze auf 45 angehoben, um dem heute vergleichsweise höheren Alter beim Eintreten, bedingt durch längere Ausbildungszeiten als vor Jahrzehnten, Rechnung zu tragen. Zwischenzeitlich ist in den meisten Ländern die Entscheidung gefallen, die dort ehemalige Altersgrenze von 40 Jahren wieder einzuführen. In Deutschland und Österreich beträgt die Altersgrenze weiterhin 40, so soll ein permanenter Zufluss von neuen Ideen gesichert werden.

Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges hat sich Round Table in den meisten Ländern Europas sowie in Afrika, Asien und Nordamerika verbreitet.

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der erste deutsche Club, RT 1, wurde 1952 in Hamburg gegründet. Bis Dezember 2017 ist die Zahl der Tische auf über 230 angewachsen.

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gründung des ersten Clubs in Österreich erfolgte 1956 in Wien. Bis 2006 ist die Zahl der Tische auf 50 in gesamten Bundesgebiet angewachsen.

Andere Länder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2018 gab es nationale Round Table Organisationen in 60 Ländern, die sich zur Dachorganisation „Round Table International“ zusammengeschlossen haben. Round Table International hat sich mit anderen Organisationen ähnlicher Zielsetzung wie

im „World Council of Service Clubs (WOCO)“ vereinigt, der sich einmal im Jahr an einem ständig wechselnden Ort trifft und mehr als 100.000 Mitglieder hat.

Die Idee[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Adopt, Adapt, Improve“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Round Table erwartet von seinen Mitgliedern („Tabler“) Aufgeschlossenheit und Interesse gegenüber traditionellen wie neuen Ideen und Entwicklungen entsprechend dem Motto Adaptieren, Anpassen, Verbessern („adopt, adapt, improve“). Das Motto stammt aus einer Rede des Prince of Wales Eduard VIII., der im Jahr 1927 mit diesen Worten junge Männer dazu ermunterte, bewährte Lösungen zu übernehmen und sie auf die veränderten Verhältnisse der Gegenwart und der Zukunft hin weiterzuentwickeln und zu verbessern.

Im Bewusstsein der Leitworte „adopt, adapt, improve“ verfolgt Round Table Deutschland folgende Ziele:

  • Förderung und Vertiefung der Freundschaft junger Menschen verschiedener Berufsgruppen untereinander durch Austausch ihrer beruflichen Erfahrungen und durch gemeinsamen Dienst an der Allgemeinheit.
  • Stärkung des Bewusstseins, dass jeder Verpflichtungen gegenüber der Allgemeinheit hat.
  • Förderung hoher Ideale im beruflichen und gesellschaftlichen Leben.
  • Bildung und Vertiefung internationaler Verständigung, Freundschaft und Zusammenarbeit.
  • Verbreitung von Round Table in ganz Deutschland.

Ein wesentlicher Teil des Clublebens ist deshalb der Information über die Ursachen und Auswirkungen aktueller Entwicklungen und dem Austausch von Berufs- und Lebenserfahrungen der Tischmitglieder untereinander gewidmet. Der einzelne kann auf diese Weise Standpunkte und Meinungen auch aus der Sicht anderer heraus kennenlernen und seinen Horizont über den eigenen Erfahrungsbereich hinaus erweitern. Die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Meinungen und Verhaltensweisen fördert bei den Mitgliedern von Round Table eine Form der Toleranz, die Gemeinsamkeiten über Unterschiede hinweg entwickelt und dabei Gräben nicht zuschüttet, sondern Brücken darüber baut.

„Lebensfreu(n)de“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Tabler sind Freunde des Lebens. Sie leben gern und sind sich bewusst, dass es vielen nicht so gut geht. Sie möchten ihre Lebensfreude teilen mit jenen, die nicht so viel Glück hatten oder haben.
  • Tabler sind Freunde fürs Leben. Sie haben Freunde auf der ganzen Welt, völlig unabhängig davon, ob sie sich vorher schon einmal begegnet sind.

Das Motto „Meeting old friends for the very first time“ gilt für alle Tische.

Service-Gedanke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den Mitgliedern wird weiterhin die Bereitschaft erwartet, sich innerhalb des eigenen Tisches und darüber hinaus im Rahmen von „Service-Projekten“ für andere zu engagieren. Hinter dieser Erwartung steht die Überzeugung, dass der einzelne auch Pflichten gegenüber der Gemeinschaft hat. Bei dem Engagement in Service-Projekten ist nicht Geld, sondern persönlicher Einsatz gefordert, der sich auf Offenheit für die Probleme anderer und auf die Freude am gemeinsamen Handeln gründet. Round Table ist deshalb ein Service Club, aber keine karitative Einrichtung.

Nationale Serviceprojekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jedes Jahr wählt der Club ein „Nationales Serviceprojekt (NSP)“[1].Ein Jahr lang wird das gewählte Projekt von allen 3.500 Mitgliedern des Serviceclubs unterstützt. Viele noch heute erfolgreiche Projekte haben als Nationales Serviceprojekt des Serviceclubs begonnen.

Beispiele:

  • Round Table KiTa-Pate[2]
  • Round Table Bananenflankenliga[3]
  • Round Table Kinder- und Jugendcamp Kaub[4]
  • Round Table SchmetterlingsKIDS: Kinder mit Epidermolysis bullosa[5]
  • Raus aus dem toten Winkel: Round Table erklärt Kindern den toten Winkel[6]
  • Round Table School of Hope: Round Table baut eine Schule in Kenia[7]
  • Round Table Children's Wish e.V.: Round Table erfüllt schwer kranken Kindern Herzenswünsche[8]
  • K.I.D.: Round Table finanziert 6 ambulante Kinderhospize[9]
  • H.O.P.E: Round Table unterstützt aidskranke Kinder in Südafrika[10]
  • NCL-Stiftung: Round Table stiftet das Anfangskapital der Stiftung[11]
  • 11FSN: Round Table baut 11 Schulen in Nepal und ermöglicht Kindern eine Schulausbildung[12]

Weihnachtspäckchenkonvoi[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den erfolgreichsten und längsten Service-Projekten seit dem Jahr 2001 zählt der Weihnachtspäckchenkonvoi. Hierbei werden jedes Jahr im November Weihnachtsgeschenke bei Kindern in Deutschland gesammelt und von Mitgliedern von Round Table, Old Tablers, Ladies´ Circle und Tangent Club sowie weiteren Ehrenamtlichen zu bedürftigen Kindern nach Rumänien, Moldawien, Bulgarien und in die Ukraine gebracht. Schirmherren waren in der Vergangenheit u. a. Musiker Peter Maffay und Bundesminister Hermann Gröhe. 2017 wurden über 130.000 Päckchen[13] transportiert und persönlich übergeben.

Struktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ebenen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Round Table ist auf verschiedenen Ebenen organisiert:

  • lokal: Tische vor Ort
  • regional: Distrikte (mehrere Tische bilden einen Distrikt)
  • national: Round Table Deutschland (RTD)
  • international: Round Table International

Präsidium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jede Ebene wird von einem Präsidium geleitet, das jährlich von den Mitgliedern gewählt wird.

  • Präsident
  • Vizepräsident
  • Pastpräsident: der Präsident des Vorjahres
  • Sekretär
  • Schatzmeister
  • International Relations Officer (IRO)
  • Public Relations Officer (PRO)

Das Clubleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die örtlichen Tische treffen sich alle zwei Wochen zu einem „Tischabend“. Dieser Tischabend beginnt häufig mit einem gemeinsamen Essen und hat in der Regel einen Vortrag aus den eigenen Reihen oder von Gastreferenten zum Mittelpunkt. Daneben gehört der „Drei-Minuten-Vortrag“ eines Tischmitgliedes zu einem tagesaktuellen Thema und die Abwicklung der tisch-internen „Regularien“ zum normalen Verlauf des Abends. Gelegentlich kommt ein „Ego-Vortrag“ hinzu, in dem sich ein neues Tischmitglied vorstellt oder in dem ein älteres Mitglied den Tisch über Veränderungen in seinem persönlichen Umfeld informiert.

Das Clubleben beschränkt sich nicht auf den einzelnen Tisch, sondern führt weit darüber hinaus. In der Vielzahl von Treffen und Veranstaltungen auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene lernen sich Mitglieder von Round Table aus unterschiedlichen Regionen, Ländern und Kulturen kennen. Das verbindende Element dabei ist über alle Unterschiede und Grenzen hinweg die Freude aller „(Round) Tabler“ an der Begegnung mit anderen Menschen und ihre gemeinsame Grundhaltung.

Einmal im Jahr treffen sich die deutschen Tische von „Round Table“ zu einem „AGM“ (Annual General Meeting). Darüber hinaus organisieren benachbarte Clubs gemeinsame Veranstaltungen, und einzelne Tische richten Wochenend-Veranstaltungen aus, zu denen sie bundesweit alle Mitglieder von Round Table einladen.

International hat jeder deutsche Tisch von Round Table in den anderen europäischen Ländern jeweils einen Partnerclub. Die Partner-Clubs treffen sich einmal im Jahr zum „Euromeeting“ (auch „Nummern-Treffen“ genannt), für das in jedem Jahr ein anderer der Tische der Gastgeber ist. Darüber hinaus veranstalten die Organisationen von Round Table in regelmäßigen Abständen „Mass-Touren“, Rundreisen durch ihre Länder, zu denen sie die Round Table Mitglieder weltweit einladen.

Der gesellige Rahmen dieser Begegnungen und Veranstaltungen und die selbstverständliche Beteiligung auch der Partnerinnen führt zu einer Vielzahl von Kontakten, Verbindungen und Freundschaften, die oft weit über die Zeit der Round Table Mitgliedschaft hinaus reichen.

Mitgliedschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um Mitglied von Round Table und damit ein sogenannter „Tabler“ zu werden, bedarf es im Regelfall der Empfehlung durch ein Mitglied. Nach dem „Gabeltest“, bei dem es sich um ein gemeinsames Abendessen von einigen Tischmitgliedern mit dem Interessenten handelt, wird den „Tablern“ am Tisch über den Verlauf des ersten Treffens beim nächsten Tischabend berichtet. Wenn die Tischmitglieder mehrheitlich zugestimmt haben, beginnt die sogenannte „Aspirantenphase“, in der der Interessent („Aspirant“) vom Tischpräsidenten zu den folgenden Tischabenden eingeladen wird.

In der Regel wird der „Aspirant“ an seinem dritten Tischabend einen „Ego-Vortrag“ halten, in dem er sich ausführlich allen Tischmitgliedern vorstellt. Im Anschluss daran erfolgt die Abstimmung der Tischmitglieder über die Aufnahme eines „Aspiranten“, der nur aufgenommen wird, wenn alle anwesenden Tischmitglieder einstimmig dafür stimmen.

Old Tablers[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Viele der ausscheidenden Mitglieder schließen sich den „Old Tablers“[14] an. Da der Round Table mit 40 Jahren verlassen werden muss, wird Old Tablers in vielen Ländern auch „club41“ genannt. Die ältesten Tische in Deutschland sind in Berlin (OT 1), Konstanz (OT 2) und Wilhelmshaven (OT 3).

Stiftung Round Table Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2006 gründete Round Table eine eigene Stiftung, die als rechtsfähige Stiftung bei der zuständigen Stiftungsbehörde Hamburg eingetragen ist. Als „Die Tablerstiftung“[15] sorgt die gemeinnützige Institution für die Weiterführung von Serviceprojekten in einem professionellen Rahmen und sorgt so für eine nachhaltige Struktur.

Ladies Circle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da Round Table und Old Table prinzipiell Männern vorbehalten sind, haben sich Frauen im Rahmen des Round Table im sogenannten Ladies’ Circle zusammengeschlossen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Edwin A. Biedermann: Logen, Clubs und Bruderschaften. Droste-Verlag, Düsseldorf 2004, ISBN 3-7700-1184-8
  • Sebastian Gradinger: Service Clubs – zur Institutionalisierung von Solidarität und Sozialkapital. VDM Verlag 2007, ISBN 3-8364-4651-0

Online-Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Round Table Deutschland: Übersicht: Nationale Serviceprojekte. 2. Juni 2017, abgerufen am 31. Januar 2018.
  2. Round Table KiTa-Pate. Abgerufen am 31. Januar 2018.
  3. Round Table Bananenflankenliga. Abgerufen am 31. Januar 2018.
  4. Round Table Kinder- und Jugendcamp Kaub. Abgerufen am 31. Januar 2018.
  5. Round Table SchmetterlingsKIDS
  6. Raus aus dem toten Winkel
  7. RT School of Hope
  8. Round Table Children's Wish e.V.
  9. K.I.D.
  10. H.O.P.E
  11. NCL-Stiftung
  12. 11FSN
  13. Pressemitteilung 2017 zum Weihnachtspäckchenkonvoi. Abgerufen am 31. Januar 2018.
  14. „Old Tablers“.
  15. Round Table Deutschland: Stiftung Round Table. 11. November 2017, abgerufen am 31. Januar 2018.