Sägekettenöl

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Zwischen Sägekette und Schiene gibt es Reibung, die durch Öl verringert wird.
Nachfüllen des Tanks für Sägekettenöl

Sägekettenöl, Sägekettenhaftöl oder Kettenöl dient dazu, die Reibung zwischen Sägekette und Schiene von Motorkettensägen zu verringern und damit den Verschleiß, besonders der Schiene, gering zu halten.

Das Öl wird der Kette aus einem gesonderten Tank in der Motorsäge von einer Ölpumpe zugeführt. Die Ölpumpe wird zusammen mit der Sägekette angetrieben, so dass im Leerlauf kein Öl zugeführt wird. An teuren Motorkettensägen ist die Fördermenge der Ölpumpe einstellbar, so dass die Schmierstoffmenge der verwendeten Schienenlänge, der Holzart und der Viskosität des verwendeten Öls angepasst werden kann.

Laut einer Studie des Kuratoriums für Waldarbeit und Forsttechnik zur „Laufzeitstruktur von Motorsägen in der motormanuellen Holzernte“[1] verbrauchen Motorsägen etwa 0,3 bis 0,4 Liter Sägekettenöl je Stunde Betriebszeit.

Sägekettenöl kann auf Basis von Mineralöl oder auf Basis pflanzlicher Öle hergestellt werden. Durch Additive (Zusatzstoffe) im Sägekettenöl werden das Fließverhalten und die Haftfähigkeit des Öles beeinflusst. Sägekettenöl sollte sowohl bei hohen als auch tiefen Außentemperaturen ganzjährig eingesetzt werden können. Gute Haftfähigkeit verringert das „Verschleudern“ des Öls auf den Waldboden und damit den Ölverbrauch. Bei einer Säge mit hohem Ölverbrauch kann jedoch auch ein Defekt des Pumpmechanismus vorliegen.

Moderne Sägekettenöle werden in der Regel auf Basis von umweltfreundlichen, biologisch leicht abbaubaren und nicht wassergefährdenden Pflanzenölen hergestellt. Diese Öle werden als „Bio-Kettenöl“ vermarktet. Auch ist der Hautkontakt mit diesen Ölen gesundheitlich unbedenklich. 2003 waren 80 % der erhältlichen Sägekettenhaftöle und Sägegatteröle biogenen Ursprungs und bilden somit den einzigen Bereich der Schmierstoffe, in welchem biogene Schmierstoffe gegenüber mineralölbasierten Schmiermitteln deutlich überwiegen. Die Gesamtmenge des in Deutschland gebrauchten biogenen Sägekettenöls betrug etwa 6.200 Tonnen.[2] Der Marktpreis biogenen Sägekettenöls liegt etwa 15 bis 50 Prozent über dem vergleichbarer Produkte auf Mineralölbasis.[3]

Viele professionelle Nutzer von Kettensägen verwenden einfaches, im Supermarkt erhältliches Pflanzenöl. Da Haftkraft und Viskosität von Speiseölen geringer sind, als die von Kettensägenölen, bestehen Bedenken, dass bei Maschinen mit großer Schwertlänge unter Umständen eine geringere Menge des Öls bis zum unteren Bereich des Schwerts gelangt.

Das bayrische Technologie- und Förderzentrum im Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe (TFZ) hat den Einsatz von kaltgepresstem, nicht-additiviertem Rapsöl mit guten Ergebnissen getestet und schreibt ihm bessere Verschleißeigenschaften zu als konventionellem Mineralöl.[4]

Durch die Verwendung nicht verharzender Öle wie Raps- und Sonnenblumenöl vermeidet man Rückstandsbildung und Schwergängigkeit der Sägekette, die bei verklebendem Bio-Sägekettenöl auftreten können. Raps- und Olivenöle sind hitzebeständiger als andere Pflanzenöle. Ebenso sind heißgepreßte, raffinierte Öle hitzebeständiger als kaltgepresste Öle.

Zusammensetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein typisches modernes „Bio-Kettenöl“ besteht üblicherweise aus folgenden Komponenten:

  • ca. 97 % Rapsöl,
  • ca. 2 % ölgelöster Kautschuk (vorwiegend als Haftverbesserer),
  • ca. 1 % Acrylcopolymer (zur Erhöhung der Viskosität, also zur Verdickung) sowie
  • geringe Mengen Erdöldestillate zur Verringerung der biologischen Selbstzersetzung noch vor dem Ausbringen des Öls.

Pflanzliche Sägekettenöle von geringer Qualität können nach einigen Monaten Standzeit verharzen, wodurch sich im Kettenlauf unter Umständen zähe Rückstände bilden. Selten benutzte Motorsägen von Rettungsorganisationen werden deshalb oft noch mit Sägekettenöl auf Mineralölbasis betrieben.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Studie des Kuratoriums für Waldarbeit und Forsttechnik zur „Laufzeitstruktur von Motorsägen in der motormanuellen Holzernte“ (PDF; 221 kB).
  2. Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (Hrsg.): Daten und Fakten zu nachwachsenden Rohstoffen. Gülzow 2006; Seite 57 (PDF-Download).
  3. Industrielle stoffliche Nutzung nachwachsender Rohstoffe. Themenfeld 4: Menrad, Klaus et al.: „Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen – Markt, makroökonomische Effekte und Verbraucherakzeptanz.“ Gutachten im Auftrag des Deutschen Bundestags, Vorgelegt dem Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB), 2006, S. 31 (PDF).
  4. Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe (TFZ) im Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF): Rapsöl als Sägekettenöl – Projekt „Technische Eignung von naturbelassenem, nicht-additiviertem Rapsöl für den Einsatz als Sägekettenöl, Technologie- und Förderzentrum“, Zeitraum: 1994, abgerufen am 9. März 2015.