Santi Asoke

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Santi Asoke (nach Pali, in Thai สันติอโศก, RTGS: Santi Asok, so viel wie „Friedlicher Ashoka“) ist eine Sekte des Theravada-Buddhismus in Thailand, die 1975 von dem früheren Fernsehunterhalter und Liedermacher Phra Bodhirak gegründet wurde.[1] Sie wird teils als buddhistische Reformbewegung,[2][3] teils als fundamentalistische Gruppe bezeichnet.[4][5] Santi Asoke tritt für eine Rückkehr zu den Werten und Praktiken des ursprünglichen Buddhismus ein, lehnt Materialismus und Konsumismus strikt ab und fordert ihre Anhänger zu einer asketischen Lebensführung auf.[3] Die Gruppe erfreute sich vor allem in den 1980er-Jahren und frühen 90er-Jahren einiger Popularität und großer öffentlicher Aufmerksamkeit, verlor seither aber wieder an Bedeutung.

Entwicklung[Bearbeiten]

Bodhirak (auch Bodhiraksa oder Phothirak geschrieben) wurde ursprünglich innerhalb der Thammayut-nikai, einem der beiden Orden der staatlich anerkannten und regulierten thailändischen Sangha, zum Mönch ordiniert. Er verließ diesen Orden aber bald, um eine alternative Gruppe zu bilden, die er als Verschmelzung von Theravada- und Mahayana-Buddhismus versteht. Sie wirkt als eine radikale Bewegung, die in ihrer einfachen Lebensweise auf die Waldmönche zurückführt. Als wichtigen Einfluss nennt Bodhirak den bedeutenden thailändischen Mönch und buddhistischen Reformer Buddhadasa.[6]

Santi Asoke legt Wert auf eine streng moralische Gemeinschaft, die den Theravada-Traditionen verpflichtet ist und zehn weitere Gebote für Mönche und Laien bereithält. Sie verfolgt eine wirtschaftliche Doktrin mit gegen den Materialismus und Massenkonsum gerichteten Zielen: „Iss wenig, kaufe wenig.“

Santi Asoke entwickelte auch ein wirtschafts- bzw. entwicklungspolitisches Konzept: „Richtige Entwicklung“ müsse der Gruppe zufolge kulturell und lokal verortet, auf den Lebensunterhalt und das Auskommen von Menschen statt auf makroökonomisches Wachstum konzentriert, ökologisch nachhaltig sowie endogen (von innen her) angeregt, umgesetzt und aufrechterhalten werden.[7][8]

Im Juni 1989 wurden Bodhirak und 79 seiner Anhänger verhaftet. Der Anführer sowie eine Reihe von Mönchen wurden aus dem Thammayut-Orden ausgeschlossen und damit laisiert. Damit wurde die Bewegung vermutlich irreparabel geschädigt, obwohl sie immer noch im thailändischen Buddhismus präsent ist.

Santi Asoke ist auch als politische Partei in Thailand mit geringem Erfolg tätig. Sie ist mehr als Basisorganisation anzusehen, die in ländlichen Gebieten für nachhaltige Landwirtschaft eintritt. Gegenwärtig ist der Agitator Chamlong Srimuang die öffentliche Figur der Sekte.

Literatur[Bearbeiten]

  • Juliana Essen: “Right Development”. The Santi Asoke Buddhist Reform Movement Of Thailand. Lexington Books, Lanham MD/Oxford 2005, ISBN 0-7391-0937-5
  • Marja-Leena Heikkilä-Horn: Santi Asoke Buddhism and Thai State Response. Åbo Akademi University Press, Åbo 1996, ISBN 9529616716
  • Marja-Leena Heikkilä-Horn: Santi Asoke Buddhism and the Occupation of Bangkok International Airport. (PDF; 175 kB) In: Austrian Journal of South-East Asian Studies (ASEAS) Band 3, Nr. 1, 2010, S. 31–47
  • Marja-Leena Heikkilä-Horn, Rassamee Krisanamis: Insight Into Santi Asoke. Fah-aphai Co., Bangkok 2002, ISBN 974-374-076-7
  • Peter A. Jackson: Buddhism, Legitimation, and Conflict. The Political Functions of Urban Thai Buddhism. Institute of Southeast Asian Studies, Singapur 1989. Kapitel 7, Phra Phothirak (Bodhiraksa) Bhikkhu and Samnak Santi Asok, S. 159–198.
  • Rory MacKenzie: New Buddhist Movements in Thailand. Towards an Understanding of Wat Phra Dhammakaya and Santi Asoke. Routledge, Oxford/New York 2007, ISBN 978-0-415-40869-1

Weiterführende Links[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Sanitsuda Ekachai: The Man Behind Santi Asoke. (Memento vom 12. Juli 2012 im Internet Archive) In: Bangkok Post, 22. Juli 1988, S. 31.
  2. Essen: “Right Development”. 2005.
  3. a b Oliver Freiberger, Christoph Kleine: Buddhismus. Handbuch und kritische Einführung. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2015, S. 77.
  4. Donald Swearer; Charles Keyes, zitiert nach MacKenzie: New Buddhist Movements in Thailand. 2007, S. 155–156.
  5. Jeff Haynes: Religious Fundamentalism and Politics. In: Major World Religions. From Their Origins To The Present. RoutledgeCurzon, London/New York 2003, S. 331.
  6. Peter A. Jackson: Buddhism, Legitimation, and Conflict. S. 164–165
  7. Essen: “Right Development”. 2005, S. 151.
  8. Christopher Ives: Liberation from Economic Dukkha. A Buddhist Critique of the Gospels of Growth and Globalization in Dialogue with John Cobb. In: The World Market and Interreligious Dialogue. Cascade Books, Eugene OR 2011, S. 124.