Saugwindharmonium

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Das Saugwindharmonium (auch Saugluftharmonium genannt) ist die auch in Deutschland seit Ende des 19. Jahrhunderts am weitesten verbreitete Art des Musikinstruments Harmonium (neben Kunstharmonium und Druckwindharmonium). Während das Kunstharmonium speziell für den künstlerisch-solistischen Einsatz konzipiert worden war, etablierte sich das Saugwindharmonium als ein Instrument, das oft in Kirchen und Kapellen als "Orgelersatz", daneben in vielen Bürgerhäusern als Instrument für die Hausmusik genutzt wurde. Die Mehrzahl der heute noch in Deutschland vorhandenen Harmonium-Instrumente gehören zum Typ "Saugwindharmonium".

Barr Colony Heritage Cultural Centre: Harmonium - ein aufwändig gebautes Harmonium
Mrs Meigs am Harmonium (1883)William Merritt Chase (1849–1916)

Ausstattung[Bearbeiten]

  • Tonerzeugung

Beim Saugwindharmonium wird der den Ton mit entgegengesetzter Luftstromrichtung wie beim Druckluftharmonium erzeugt. Durch das Treten des Pedals wird der Magazinbalg entleert. Er saugt dann beim Niederdrücken der Tasten Luft an, diese muss dabei an den Zungen vorbei - dabei versetzt er die Zungen in Schwingung dabei wird der Ton erzeugt. Weitere Erläuterungen gibt es beim Stichwort Harmonium.

  • NORMALHARMONIUM (in der Regel Standardausstattung des Saugwwindharmoniums)

Der "Verein der Harmoniumfabrikanten" unter dem Vorsitz von Theodor Mannborg beschloss 1903 eine Disposition für ein "Normalharmonium" , von dem möglichst jedes Mitglied ein Instrument anbieten sollte. Über die gemeinsame Disposition hinaus soll das Normalharmonium über zwei Knieregister verfügen (rechts - Forteklappen/ links - Tutti). Manualumfang 5 Oktaven,(F - f4), die Registerteilung ist zwischen h und c1/der Subbass 16' geht von C bis c, / Oktavkoppel [1]

Die vereinbarte Disposition :

(1P) Diapason Dolce 8' (7) Sub Bass 16' (6) Eolian Harp 2' (1) Diapason 8' (3 ) Viola 4' (3P) Viola Dolce 4' (VH) Vox Humana (4) Seraphone 8' (3) Flute 4' (1) Melodia 8' (5) Vox celeste 8' (OK) Octave Coupler (1P) Melodia Dolce 8'

Deutsche Produzenten verwendeten oft andere Registernamen, die Registernummern sind jedoch identisch und werden von den Komponisten auch so für den Harmoniumspieler vorgegeben. Frage zum Harmonium

  • Wie kann man ein Saugwindharmonium von einem Druckwindharmonium unterscheiden?[2]- (gleichzeitig ergibt dies eine vertiefende Ausstattungsbeschreibung)

1. Unterschiedsmerkmal: Expressionszug

Obwohl eine Expressionsvorrichtung für Saugwind-Harmoniums entwickelt worden war wurde sie nur in ganz wenigen Exemplaren eingebaut.

2. Unterschiedsmerkmal: Klaviatur

Die Klaviatur beim Saugwindharmonium geht von F - F3 (Druckwindharmonium C - c4)

3. Unterschiedsmerkmal: Klaviaturteilung

Saugwindharmonium: zwischen h und c1 (Druckwindharmonium: Klaviaturteilung zwischen e1 und f1)

Geschichte[Bearbeiten]

In Europa nimmt Christian Friedrich Ludwig Buschmann eine besondere Stellung, ein da er zumindest ab 1838 Saugwindharmoniums baute. Die industrielle Fertigung des Saugwindharmoniums begann in den USA von 1850 bis 1860 durch die großen Firmen 'Estey' und 'Mason & Hamlin'[3] In den USA wird das Saugwind-Harmonium (also das Harmonium des „amerikanischen Systems“) für gewöhnlich „reed organ“ (auch „pump organ“ oder „parlor organ“) genannt. Fabriken aus den USA und Kanada konnten viele Sauwindharmoniums nach Deutschland exportieren. Die Massenproduktion ermöglichte günstige Preise, gleichzeitig kam der Klangcharakter dieser Instrumente denen entgegen, die in erster Linie einen (günstigen) Ersatz für die Orgel suchten. Auch die europäischen Hersteller von Druckwindharmoniums führten nach und nach das neue Saugwindsystem ein - vor allem weil diese Instrumente preiswerter herstellbar waren (Firmengründer in Sachsen wie 'Mannborg', 'Lindholm').

Literatur[Bearbeiten]

  • Christian Ahrens , Gregor Klinke: Das Harmonium in Deutschland. 2. Auflage. Verlag: Verlag Erwin Bochinsky, 2001, ISBN 3-923639-48-1.
  • Harmonium. In: Musik in Geschichte und Gegenwart (MGG). Bd. 05 1708f.
  • Robert F. Gellermann: The American Reed Organ and the Harmonium. ISBN 1-879511-12-6.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Das Normalharmonium.
  2. FAQ
  3. Harmonium Julius Estey & Co. In: Klaus Gernhard, Hubert Henkel: Orgelinstrumente – Harmoniums. 1. Aufl. Breitkopf & Härtel, 1984, ISBN 3-7651-0201-6, S. 94.

Weblinks[Bearbeiten]