Schnelltelegrafie

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Morsenachricht „Wikipedia“ mit 30 WPM
Halbautomatische Morsetaste von Vibroplex
Elektronische Morsetaste

Schnelltelegrafie ist Morsetelegrafie mit besonders hohen Geschwindigkeiten.

Definition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschwindigkeit von Telegrafienachrichten wird in BPM (Buchstaben pro Minute) oder WPM (Wörtern pro Minute) gemessen. In Deutschland gebräuchlich ist dabei die PARIS-Norm: Wenn man das Wort PARIS 30 mal in genau einer Minute sendet, beträgt die Geschwindigkeit 30 WPM oder 150 BPM. Dies entspricht einer Dauer von 40 Millisekunden für einen Punkt und 120 Millisekunden für einen Strich. Da Striche dreimal so lange dauern wie Punkte, besteht das Wort PARIS inkl. Zeichen- und Wortabständen aus 50 Punktlängen. Eine Geschwindigkeit von 30 WPM entspricht also 1500 Punktlängen in 60 Sekunden und somit einer Punktlänge von 40 ms.

In Amerika wird die CODEX-Norm verwendet. Zur Umrechnung aus der PARIS-Norm dividiert man durch 1,2.

In der Schweiz wird die VVVVV-Norm verwendet. Zur Umrechnung aus der PARIS-Norm dividiert man durch 1,28.

Automatische Tasten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Erleichterung beim Senden werden mechanische halbautomatische Morsetasten oder elektronische automatische Morsetasten verwendet. Halbautomatische Tasten geben mehrere Punkte automatisch mit einem Pendel, während Striche von Hand gegeben werden. Elektronische Tasten geben auch Strichfolgen automatisch. Professionelle Funkdienste, wie etwa Küstenfunkstellen, sendeten Telegramme auch mit automatischen Gebern ab Lochstreifen.

Rekorde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Wikipedia“ mit 75 WPM

Im Geben mit der Handtaste gilt der US-amerikanische Militärfunker und Funkamateur Harry Abner Turner (1906–1994, Amateurfunkrufzeichen W9YZE) mit einer Tastgeschwindigkeit von 175 Zeichen pro Minute (etwa 35 WpM) im Jahr 1942 als Rekordhalter.[1][2] Internationale Wettbewerbe im Gehörlesen für Funkamateure werden von der International Amateur Radio Union organisiert. Der schnellste Telegrafist war der US-Amerikaner Theodore Roosevelt McElroy (1904–1963) im Jahre 1939 mit einer Geschwindigkeit von 75,2 WPM (etwa 440 BpM)[3] und 1954 Fjodor Wassiljewitsch Rosljakow (1918–1972)[4] aus der Sowjetunion mit 88 WPM (etwa 361 BpM).[5]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Joachim Beckh: Blitz & Anker: Informationstechnik - Geschichte und Hintergründe, Band 1. Books on Demand, Norderstedt 2005, S. 350.
  2. Lewis Coe: Wireless Radio: A Brief History. McFarland, Jefferson NC 1996, S. 139.
  3. World's record established in code receiving. In: The Asheville Times, 3. Juli 1939.
  4. Georgi Ulijanz (UY5XE): Entstehung und Entwicklung der Radioliebhaberbewegung. (RTF, 947 kB) S. 30 f., abgerufen am 27. November 2012 (Fjodor Wassiljewitsch Rosljakow wird in der Umschrift als Fedor Rosljakow genannt).
  5. I. A. Demjanow, I. W. Kasanski: Радиоспорт в СССР. Energija, Moskau 1979, S. 42.