Schul-Cloud

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Mithilfe einer Schul-Cloud soll Schulen und darin inbegriffen Lehrkräften und Schülern die digitale Bildung erleichtert werden, indem zeit- und ortsunabhängiger Zugriff auf Kommunikation und Lehrinhalte ermöglicht wird. Diese IT-Infrastruktur verfolgt das Prinzip BYOD (= Bring your own Device) und ermöglicht damit eine sofortige Umsetzung. Außerdem entsprechen die angebotenen Applikationen den Vorgaben der DSGVO und genügen damit auch den Anforderungen der Landesschulbehörden, die im schulischen Umfeld für rechtssichere Umsetzungen die Verantwortung tragen und entsprechende Leitlinien herausgeben.

Anbieter HPI: Schul-Cloud[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schul-Cloud-Projekt des Hasso-Plattner-Instituts (HPI) hat das Ziel, eine IT-Infrastruktur für Schulen zu entwickeln, die Schülern und Lehrkräften einen einfachen, sicheren sowie zeit- und ortsunabhängigen Zugriff auf digitale Lehr- und Lerninhalte ermöglicht.

Technische Umsetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alle Anwendungen und Daten werden dezentral vorgehalten und gewartet. Die Infrastruktur und Anwendungen sollen nach Projektende privatisiert und lizenzpflichtig werden.[1] Der niedrigschwellige Zugang zu aktuellen und zentral gewarteten Anwendungen in der Cloud soll die digitale Lernbegleitung von Schülern fächerübergreifend fördern. Lehrkräfte sollen durch die Schul-Cloud bei der Unterrichtsvorbereitung, Terminkoordinierung und Kommunikation unterstützt werden. Die Schul-Cloud soll sowohl im Hinblick auf die Inhalte als auch auf die Geräte anbieterneutral sein. Um die Praxistauglichkeit der Schul-Cloud sicherzustellen, wird bei der Entwicklung mit mehreren Landesdatenschutzbeauftragten zusammen gearbeitet.[2] Die Schul-Cloud ist ein bundesweites Forschungsprojekt des Hasso-Plattner-Instituts (HPI) in Zusammenarbeit mit dem nationalen Excellence-Schulnetzwerk MINT-EC. Gefördert wird das Projekt, das im September 2016 startete, durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schul-Cloud-Projekt wurde 2016 ins Leben gerufen und auf dem Nationalen IT-Gipfel im November desselben Jahres durch die damalige Bundesministerin für Bildung und Forschung Johanna Wanka und HPI-Direktor Christoph Meinel der Öffentlichkeit vorgestellt.[4] Im Juni 2017 startete die erste Pilotphase, in der 27 Schulen des bundesweit tätigen MINT-EC die Schul-Cloud in der Praxis erproben. Ab Mai 2018 wird der Testbetrieb schrittweise auf alle rund 300 MINT-EC-Schulen ausgeweitet. Das Feedback der Schulen fließt direkt in die Entwicklung der Cloud-Infrastruktur ein. Seit Februar 2018 kooperiert das Schul-Cloud-Projekt mit der niedersächsischen Landesinitiative N-21[5], mit deren Pilotschulen alle Schulformen vertreten sind.

Laut Koalitionsvertrag vom 12. März 2018 hat sich die Bundesregierung der 19. Legislaturperiode das Ziel gesetzt, eine gemeinsame Cloud-Lösung für Schulen in Deutschland zu schaffen.[6]

Technische Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schul-Cloud basiert technologisch auf dem Cloud Computing. Die Konzeption und Implementierung folgt dabei einem modularen Ansatz. Die Microservice-Architektur erlaubt eine hohe Skalierbarkeit und ermöglicht die nahtlose An- und Abkoppelung einzelner Bestandteile. So können prinzipiell einzelne Dienste in bereits bestehende Lernplattformen integriert werden. Die Schul-Cloud ist ein Open-Source-Projekt, dessen Quellcode auf GitHub eingesehen und bearbeitet werden kann.[7] Die Schul-Cloud stellt alle Funktionen über eine Programmierschnittstelle (API) zur Verfügung. Die Nutzer können darüber hinaus über eine webbasierte Benutzeroberfläche oder native mobile Applikationen für Android und iOS auf die Anwendungen zugreifen. Durch das zugrundeliegende API-First-Paradigma, was bedeutet, dass alle Funktionen über eine API bereitgestellt werden, und die damit verbundene Trennung von Implementierungen können Komponenten ausgetauscht und auch native Applikationen angebunden werden. Ziel der Schul-Cloud ist es, bestehende Dienste unterschiedlicher Anbieter zu vernetzen und anzubinden. Neue Lösungen und Komponenten werden immer nur dann entwickelt, wenn diese noch nicht existieren.[8]

Datenschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Entwicklung der Schul-Cloud folgt dem Prinzip „Privacy by Design“, das heißt Datenschutz und Privatsphäre werden bereits seit der Konzeptionsphase als integrale Bestandteile des Projekts behandelt. Richtlinien bilden sowohl die europäische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), als auch die Datenschutzrichtlinien der Bundesländer. Um diesen Anforderungen zu entsprechen, wurde durch das HPI ein Konzept zur Pseudonymisierung personenbezogener Daten beim Aufruf externer Dienste wie Lehrinhalte oder Unterrichtstools erstellt. Die Pseudonymisierung verhindert, dass beispielsweise bei der Verwendung von interaktiven Lernanwendungen personenbezogene Daten übermittelt werden, die Lernstände jedoch trotzdem gespeichert werden können.[8]

Projektpartner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schul-Cloud-Projekt wird durch einen Fachbeirat begleitet, der sich aus Vertretern der Bildungspraxis, Wirtschaft und Politik zusammensetzt, darunter die Kultusministerkonferenz, die Landesdatenschutzbeauftragten Thüringens und Brandenburgs, der Softwarekonzern SAP und der Verband Bildungsmedien. Partner für Lerninhalte, wie die Schulbuchverlage Cornelsen und Westermann, die Khan Academy und die Deutsche Digitale Bibliothek, stellen dem Projekt im Rahmen der Testphase verschiedene Inhalte zur freien Verfügung. Die Deutsche Telekom und die Aeroaccess GmbH haben einige Testschulen hinsichtlich ihrer Infrastruktur unterstützt.[9]

Die Entwicklung der Schul-Cloud wird im Rahmen einer bildungswissenschaftlichen Begleitforschung von der Universität Tübingen, der Universität Augsburg und dem Georg-Eckert-Institut unterstützt. Die Universität Tübingen erforscht in einer Delphi-Studie, welche Potentiale die Schul-Cloud in Hinblick auf Anwendungsbereiche und Unterrichtsszenarien hat.[10] Die Universität Augsburg erörtert in einem gemeinsam mit dem openHPI[11] durchgeführten Massive Open Online Course (MOOC) „Lernen 4.0 – Möglichkeiten & Grenzen einer Digitalisierung“ die Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung im Bildungsbereich.[12] Das Georg-Eckert-Institut führt an den MINT-EC-Pilotschulen eine Unterrichtsbeobachtung bezüglich des Einsatzes der Schul-Cloud und digitaler Medien durch.[13]

Kleine Anfrage der FDP[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 14. Februar 2019 stellte die FDP-Fraktion folgende Anfrage: "Kleine Anfrage zu Bundesförderung für die Entwicklung von Schul-Clouds". Mit dem 28. Februar 2019 lag die Antwort der Bundesregierung vor.[14]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Grella, C., Karn, N., Renz, J., Meinel, C. (2017): Schulrechner wandern in die Cloud – Was bedeutet das für die unterschiedlichen Stakeholder? In: Igel, C. et al. (Hrsg.): Bildungsräume, DeLFI 2017 – Die 15. e-Learning Fachtagung Informatik, Lecture Notes in Informatics (LNI), Gesellschaft für Informatik, Bonn 2017, S. 87–98.
  • Jo Bager: Neuland Schul-Clouds, c't 14/2017, S. 74 f
  • Meinel, C., Renz, J., Grella, C., Karn, N. & Hagedorn, C. (2017). Die Cloud für Schulen in Deutschland: Konzept und Pilotierung der Schul-Cloud. Technische Berichte Nr. 116. Potsdam: Universitätsverlag Potsdam
  • Malyska, V., Renz, J. & Meinel, C. (2018). Eine Innovation für Deutschlands Bildungslandschaft – Projekt Schul-Cloud . In Scheiter, K. & Riecke-Baulecke, T. (Hrsg.), Schulmanagement-Handbuch 165: Schule 4.0 (Vol. 37, S. 75–83). München: Oldenbourg.
  • Malyska, V. & Meinel, C. (2018). Lernen in Wolken. didacta DIGITAL, 1/18, S. 16–17
  • Malyska, V. (2017). Neuer Wind durch Schul-Cloud. Neue Wege der Digitalisierung an den Schulen. Schulmanagement, 5/2017, S. 25–28
  • Anke Poimann: Das wolkige Klassenzimmer. HPI Schul-Cloud startet in die nächste Phase. In: c't 19/2018, S. 58–60.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anbieter heinekingmedia: schul.cloud[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die schul.cloud (eingetragene Wortmarke) ist ein Messenger mit Dateiablage für Schulen und Bildungseinrichtungen. Der Dienst ist für Lehrkräfte, Schüler und Eltern nutzbar. Mit der schul.cloud pro kann die schul.cloud um administrative und didaktische Erweiterungen ergänzt werden wie z. B. das Hausaufgabenmanagement oder das Umfragetool. Nach Angaben des Anbieters setzen über 4.000 Schulen schul.cloud ein.

Technische Umsetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Basistechnologie hinter der schul.cloud ist der Messenger stashcat, der auch bei Behörden wie der Polizei Niedersachsen und Hessen sowie zahlreichen Unternehmen im Einsatz ist.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmalig vorgestellt wurde die schul.cloud auf der didacta 2017. Hier startete zudem der Pilot-Betrieb. Der flächendeckende Rollout folgte auf der didacta 2018. Im Rahmen der didacta 2019 wurde weiterhin die auf schul.cloud basierende Schulträgerlösung KIKS[15] durch die Stadt Köln vorgestellt.

Datenschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die schul.cloud nutzt eine echte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung der Daten.[16]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anbieter Landesinitiative n-21 Schulen in Niedersachsen online e.V.: Niedersächsische Bildungscloud[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Niedersächsische Bildungscloud ist ein Projekt der Landesinitiative n-21 Schulen in Niedersachsen online e.V., bei dem Projektschulen in der Erprobungsphase erarbeiten, wie eine Cloud-Lösung in den Unterrichtsalltag eingebunden werden kann.[17]

Technische Umsetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aktuell befindet sich das Projekt mit ausgewählten Schulen in der Erprobungsphase. Dank der Projektpartnerschaft mit dem Hasso-Plattner-Institut besteht die Möglichkeit, bereits während der Erprobungsphase über den Prototypen hinaus zu entwickeln.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Niedersächsische Bildungscloud steht seit dem 20. Februar 2018 zur praktischen Erprobung zur Verfügung. Hierfür haben sich 45 Projektschulen zusammengefunden. Die Arbeiten folgen sich orientierend an dem Konzept „Medienkompetenz in Niedersachsen –Ziellinie 2020“.

Projektpartner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es besteht eine Entwicklungspartnerschaft mit dem Hasso-Plattner-Institut, da beide Projekte identische Zielsetzungen verfolgen und den gleichen Aufbau verfolgen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tilmann Warnecke: Bildungsclouds - Lernen in der Wolke auf tagesspiegel.de vom 8. Mai 2017, abgerufen am 26. April 2018
  2. Schwerer Rückschlag für die Digitalisierung des Unterrichts: NRW stoppt den Start seiner Schul-Cloud – Sicherheitsbedenken auf news4teachers.de vom 24. Oktober 2017, abgerufen am 26. April 2018
  3. Schul-Cloud. 2016 (schul-cloud.org [abgerufen am 19. März 2018]).
  4. Für einen modernen Unterricht: die Schulcloud. 17. November 2016 (bmbf.de [abgerufen am 19. März 2018]).
  5. Neuer Kooperationspartner für die Schul-Cloud. 21. Februar 2018 (bmbf.de [abgerufen am 19. März 2018]).
  6. Koalitionsvertrag der 19. Legislaturperiode zwischen CDU, CSU und SPD: Ein neuer Aufbruch für Europa, Eine neue Dynamik für Deutschland, Ein neuer Zusammenhalt für unser Land. 12. März 2018 (cdu.de [PDF; abgerufen am 19. März 2018]).
  7. GitHub: Schul-Cloud. 29. November 2016 (github.com [abgerufen am 19. März 2018]).
  8. a b Meinel, C., Renz, J.; Grella, C., Karn, N., & Hagedorn, C. (2017). Die Cloud für Schulen in Deutschland: Konzept und Pilotierung der Schul-Cloud. Technische Berichte Nr. 116. Potsdam: Universitätsverlag Potsdam. 9. März 2017 (uni-potsdam.de [abgerufen am 19. März 2018]).
  9. Partner. 2018 (schul-cloud.org [abgerufen am 19. März 2018]).
  10. Begleitforschung Schul-Cloud. 30. Oktober 2017 (osf.io [abgerufen am 19. März 2018]).
  11. openHPI. 2012 (hpi.de [abgerufen am 19. März 2018]).
  12. Lernen 4.0. 8. Januar 2018 (hpi.de [abgerufen am 19. März 2018]).
  13. Schools in the Cloud: Wissenschaftliche Begleitforschung der Schul-Cloud Einführung. 2017 (gei.de).
  14. Antwort der Bundesregierung zur kleinen Anfrage der FDP. Abgerufen am 12. März 2019.
  15. APP MACHT SCHULE - Filmbeitrag von RTL WEST. Abgerufen am 21. August 2019.
  16. schul.cloud Datenschutz. Abgerufen am 8. Februar 2019.
  17. Niedersachsen Cloud. Abgerufen am 8. Februar 2019.