Schul-Cloud

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Die HPI Schul-Cloud des Hasso-Plattner-Institutes (HPI) und die schul.cloud von heinekingmedia sind zwei konkurrierende Cloud-Produkte zur Kommunikation zwischen Lehrern, Schülern und Eltern.[1]

  • Die HPI Schul-Cloud fügt fertige Open Source-Komponenten wie Messenger und Moodle zusammen, die eine Lernumgebung ergeben, in der jedoch Teile doppelt vorhanden sind, z. B. die Dateiablage.[1]
  • Die schul.cloud von heinekingmedia ist hauptsächlich ein Messenger mit Dateiablage, ergänzt um Umfrage, Kalender, Vertretungsplan.[1]

Mit den Plattformen können sich Lehrer und Schüler Nachrichten über das Internet schreiben und Dateien austauschen. Alle modernen IT-Infrastrukturen verfolgen das Prinzip BYOD (= Bring your own Device) und ermöglichen damit eine sofortige Umsetzung, denn praktisch alle Lehrer und die meisten Schüler besitzen bereits Endgeräte. Die Anbieter versichern, dass ihre Applikationen den Vorgaben der DSGVO genügen und damit auch den Anforderungen der Landesschulbehörden, was regelmäßig angezweifelt wird.[2]

Alternativen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Daneben gibt es in den Bundesländern Alternativen, die oft auf den Open Source-Plattformen Moodle oder ILIAS basieren.[3]

  • mebis (Bayern)
  • itslearning (Bremen)
  • Lernraum Berlin
  • LernSax auf WebWeaver-Basis (Sachsen)
  • Bildungsserver Sachsen-Anhalt mit sofatutor
  • Logineo (NRW)[4] und eduPort (Hamburg)
  • Schulcampus RLP
  • Lernwelt Saar
  • Dakora (BW)

Probleme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das deutsche Urheberrecht ist ein besonderes Problem beim Bereitstellen von Lehrmaterial. „Wir dürfen ... Material kopieren, ... wir dürfen es nicht digitalisieren. ... Das steht natürlich im Widerspruch zu so einer Geschichte wie der Cloud.“[5] Ein Lücke die Open Educational Resources teilweise füllen können.[6]

In den USA wurde schon vor Jahren digitales Lernen eingeführt, auch um Lehrkräfte einzusparen. Die wissenschaftliche Beweislage ist zwar dünn, es wurde aber festgestellt, dass soziale Unterschiede verstärkt werden und das Leseverständnis leidet.[7]

In der Corona-Krise 2020 zeigten sich die Versäumnisse der Vergangenheit in Form von unfertigen und durch Schüleransturm oder Angreifer überlasteten Lösungen.[8][9][10]

HPI: Schul-Cloud[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schul-Cloud-Projekt des Hasso-Plattner-Instituts (HPI) will eine einheitliche IT-Infrastruktur für alle Schulen entwickeln. Das Projekt wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit rund 7 Mio. Euro über den Zeitraum 2017–2021 bezahlt.[11] Geplant ist Unterrichtsvorbereitung, Terminkoordinierung und Kommunikation.

Die Infrastruktur und Anwendungen sollen nach Projektende privatisiert und lizenzpflichtig werden.[12] Die Lösung soll sowohl im Hinblick auf die Inhalte als auch auf die Geräte anbieterneutral sein. Alle Anwendungen und Daten werden dezentral vorgehalten und gewartet.

Technische Umsetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Projekt ist Open-Source, der Quellcode kann auf GitHub eingesehen und bearbeitet werden, die meisten Teile stehen unter der GNU Affero General Public License v3.0.[13]

Basis ist Cloud Computing mit einer modularen Microservice-Architektur, welche eine hohe Skalierbarkeit und die nahtlose An- und Abkoppelung einzelner Bestandteile ermöglichen soll. So können prinzipiell einzelne Dienste in bereits bestehende Lernplattformen integriert werden.

Es gibt eine webbasierte Oberfläche, seit 2017 sind auch native Apps für Android und iOS geplant. Durch das zugrundeliegende API-First-Paradigma, was bedeutet, dass alle Funktionen über eine API bereitgestellt werden, und die damit verbundene Trennung von Implementierungen können Komponenten ausgetauscht und auch native Applikationen angebunden werden. Ziel ist es, bestehende Dienste unterschiedlicher Anbieter zu vernetzen und anzubinden. Neue Lösungen und Komponenten werden nur dann entwickelt, wenn diese noch nicht existieren.[14]

Datenschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um die Praxistauglichkeit sicherzustellen, wird bei der Entwicklung mit mehreren Landesdatenschutzbeauftragten zusammengearbeitet.[15] Die Entwicklung folgt dem Prinzip „Privacy by Design“, das heißt Datenschutz und Privatsphäre werden bereits seit der Konzeptionsphase als integrale Bestandteile des Projekts behandelt.

Es wurde ein Konzept zur Pseudonymisierung personenbezogener Daten beim Aufruf externer Dienste wie Lehrinhalte oder Unterrichtstools erstellt. Dies verhindert, dass beispielsweise bei der Verwendung von interaktiven Lernanwendungen personenbezogene Daten übermittelt werden und trotzdem die Lernstände gespeichert werden können.[14]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Projekt wurde im September 2016 ins Leben gerufen und auf dem Nationalen IT-Gipfel im November desselben Jahres durch die damalige Bundesministerin Johanna Wanka und HPI-Direktor Christoph Meinel der Öffentlichkeit vorgestellt.[16]

Start[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Juni 2017 startete die erste Pilotphase, in der 27 Schulen des MINT-EC die Software in der Praxis erprobten. Der MINT-EC ist ein Zusammenschluss von rund 250 Gymnasien in ganz Deutschland. Ab Mai 2018 wurde der Testbetrieb schrittweise auf alle rund 300 MINT-EC-Schulen ausgeweitet. Das Feedback der Schulen fließt in die Entwicklung ein.[17]

Niedersächsische Bildungscloud[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Februar 2018 kooperiert das Projekt mit der niedersächsischen Landesinitiative N-21[18], da beide Projekte identische Zielsetzungen verfolgen und den gleichen Aufbau anstreben. Es wurden 45 Pilotschulen aller Schulformen zur Erprobung gefunden, die erarbeiten sollen, wie eine Cloud-Lösung in den Unterrichtsalltag eingebunden werden kann.[19]

2018[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut Koalitionsvertrag vom 12. März 2018 hat sich die Bundesregierung der 19. Legislaturperiode das Ziel gesetzt, eine gemeinsame Cloud-Lösung für Schulen in Deutschland zu schaffen.[20]

HPI versuchte 2019 die Eintragung von "HPI Schul-Cloud" als Markenname, wogegen Widerspruch eingelegt wurde.

Projektpartner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Projekt wird durch einen Fachbeirat begleitet, der sich aus Vertretern der Bildung, Wirtschaft und Politik zusammensetzt, darunter die Kultusministerkonferenz, die Landesdatenschutzbeauftragten Thüringens und Brandenburgs, der Softwarekonzern SAP und der Verband Bildungsmedien.

Im Rahmen der Testphase werden Lerninhalte zur freien Verfügung gestellt, von Schulbuchverlagen wie Cornelsen und Westermann, der Khan Academy und der Deutschen Digitalen Bibliothek.

Die Deutsche Telekom und die Aeroaccess GmbH haben einige Testschulen mit Infrastruktur unterstützt.[21]

Dazu gibt es bildungswissenschaftliche Begleitforschung. Die Universität Tübingen erforscht in einer Delphi-Studie, welche Potentiale die Schul-Cloud in Hinblick auf Anwendungsbereiche und Unterrichtsszenarien hat.[22] Die Universität Augsburg erörtert in einem gemeinsam mit dem openHPI[23] durchgeführten Massive Open Online Course „Lernen 4.0 – Möglichkeiten & Grenzen einer Digitalisierung“ die Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung im Bildungsbereich.[24] Das Georg-Eckert-Institut führt an den MINT-EC-Pilotschulen eine Unterrichtsbeobachtung bezüglich des Einsatzes der Schul-Cloud und digitaler Medien durch.[25]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • C. Grella, N. Karn, J. Renz, C. Meinel: Schulrechner wandern in die Cloud – Was bedeutet das für die unterschiedlichen Stakeholder? In: C. Igel u. a. (Hrsg.): Bildungsräume. DeLFI 2017 – Die 15. e-Learning Fachtagung Informatik, Lecture Notes in Informatics (LNI), Gesellschaft für Informatik. Bonn 2017, S. 87–98.[1]
  • Jo Bager: Neuland Schul-Clouds. In: c't. Nr. 14, 2017, S. 74 f.
  • C. Meinel, J. Renz, C. Grella, N. Karn, C. Hagedorn: Die Cloud für Schulen in Deutschland: Konzept und Pilotierung der Schul-Cloud. (= Technische Berichte. Nr. 116). Universitätsverlag Potsdam, Potsdam 2017.
  • V. Malyska, J. Renz, C. Meinel: Eine Innovation für Deutschlands Bildungslandschaft – Projekt Schul-Cloud . In: K. Scheiter, T. Riecke-Baulecke (Hrsg.): Schule 4.0 (= Schulmanagement-Handbuch. 165). Vol. 37, Oldenbourg, München 2018, S. 75–83.
  • V. Malyska, C. Meinel: Lernen in Wolken. In: didacta DIGITAL. Nr. 1, 2018, S. 16–17.
  • V. Malyska: Neuer Wind durch Schul-Cloud. Neue Wege der Digitalisierung an den Schulen. In: Schulmanagement. Nr. 5, 2017, S. 25–28.
  • Anke Poimann: Das wolkige Klassenzimmer. HPI Schul-Cloud startet in die nächste Phase. In: c't. Nr. 19, 2018, S. 58–60.
  • Wolfgang Rzehak, Anmerkungen zur Digitalisierungswelle. Fachverband Deutsch, März 2018. «... in seiner berühmten Mega-Studie „Visible Learning“ festgestellt, dass der Bildungserfolg ... weder von einzelnen Unterrichtsmethoden wie etwa dem computergestützten Unterricht noch von der Schulstruktur wesentlich abhängt. Entscheidend ... seien Faktoren wie die „Lehrer-Schüler-Beziehungen“ oder die „Klarheit der Lehrperson“»

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

heinekingmedia: schul.cloud[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die schul.cloud ist ein Messenger mit Dateiablage für Lehrer, Schüler und Eltern, es ist für Schulen und Bildungseinrichtungen kostenlos. Käuflich unter dem Namen schul.cloud pro sind administrative, technische (Ordnersynchronisation wie DropBox) und didaktische Erweiterungen (Hausaufgabenmanagement, Kalender, Umfragen). Nach Angaben des Anbieters setzen über 4.000 Schulen das Produkt ein.

Technische Umsetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt eine webbasierte Benutzeroberfläche, Desktop-Anwendungen für Windows und MacOS, und native Apps für Android und iOS.

Basistechnologie ist der Messenger stashcat, der auch bei Behörden wie der Polizei Niedersachsen und Hessen sowie zahlreichen Unternehmen im Einsatz ist.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmalig vorgestellt wurde das Produkt auf der didacta 2017. Hier startete zudem der Pilot-Betrieb. Der flächendeckende Rollout folgte auf der didacta 2018. Im Rahmen der didacta 2019 wurde weiterhin die auf schul.cloud basierende Schulträgerlösung KIKS[26] durch die Stadt Köln vorgestellt.

Gegen die Eintragung der Wortmarke ist eine Löschung anhängig.

Datenschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die schul.cloud nutzt Ende-zu-Ende-Verschlüsselung.[27]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Carla Maria Hoppe: „schul.cloud“ oder „schul-cloud“ – welche ist die richtige Wolke für meine Schule? In: Digitale Schule | Kompakt. 27. September 2019; (deutsch).
  2. Jo Bager: Neuland Schul-Clouds. In: c't. 2017;.
  3. Heterogen, vielfältig, dezentral: Die Landschaft der Schullösungen in Deutschland. In: Blog Schul-Cloud. 8. Januar 2020;.
  4. Was ist LOGINEO NRW? | LOGINEO NRW. Abgerufen am 23. März 2020.
  5. Sandra Voß: Die Schul-Cloud - Viele Fragen bei der digitalen Vernetzung. In: Deutschlandfunk. 20. Dezember 2017; (deutsch).
  6. Open-Educational-Resources.de Was ist OER?
  7. Nike Heinen und Natalie Wexler: Das abstürzende Klassenzimmer. In: Technology Review. 23. März 2020;.
  8. Thomas Wagner: Digitalisierung an Schulen - Versäumnisse rächen sich in der Corona-Krise. In: Deutschlandfunk. 20. März 2020;.
  9. Wie gut funktionieren die Schulen online? In: Münchner Merkur - dpa. 23. März 2020;.
  10. dpa: Coronavirus: Tele-Unterricht ist bisher keine Option für Schulen. In: heise online. 11. März 2020;: „Dr. Ilka Hoffmann Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Derzeit gibt es "keine flächendeckenden Möglichkeiten", um Unterricht digital unterstützt nachzuholen oder stattfinden zu lassen. ... Kinder aus ärmeren Schichten können häufig weder auf eine entsprechende technische Ausstattung [Notebook] in ihrem Zuhause hoffen ... Zwar gibt es schon jetzt einige geeignete "Online-Learning"-Tools, aber die Lizenzgebühren sind für Schulen sehr teuer. ... die bundesweite "Schul-Cloud", die zwar schon lange diskutiert wurde, aber nur schleppend und mit einigen Pilot-Schulen aufgebaut wird...“
  11. Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Katja Suding, Nicola Beer, Dr. Jens Brandenburg und der Fraktion der FDP - Drucksache 19 / 8099 – 10. 28. Februar 2019;.
  12. Tilmann Warnecke: Bildungsclouds - Lernen in der Wolke auf tagesspiegel.de vom 8. Mai 2017, abgerufen am 26. April 2018
  13. GitHub: Schul-Cloud. 29. November 2016 (github.com [abgerufen am 19. März 2018]).
  14. a b Meinel, C., Renz, J.; Grella, C., Karn, N., & Hagedorn, C. (2017). Die Cloud für Schulen in Deutschland: Konzept und Pilotierung der Schul-Cloud. Technische Berichte Nr. 116. Potsdam: Universitätsverlag Potsdam. 9. März 2017 (uni-potsdam.de [abgerufen am 19. März 2018]).
  15. Schwerer Rückschlag für die Digitalisierung des Unterrichts: NRW stoppt den Start seiner Schul-Cloud – Sicherheitsbedenken auf news4teachers.de vom 24. Oktober 2017, abgerufen am 26. April 2018
  16. Für einen modernen Unterricht: die Schulcloud. 17. November 2016 (bmbf.de [abgerufen am 19. März 2018]).
  17. Neues Lernen in der Schul-Cloud. In: Pressemitteilung der Bundesregierung. 10. November 2017;.
  18. Neuer Kooperationspartner für die Schul-Cloud. 21. Februar 2018 (bmbf.de [abgerufen am 19. März 2018]).
  19. Niedersachsen Cloud. Abgerufen am 8. Februar 2019.
  20. Koalitionsvertrag der 19. Legislaturperiode zwischen CDU, CSU und SPD: Ein neuer Aufbruch für Europa, Eine neue Dynamik für Deutschland, Ein neuer Zusammenhalt für unser Land. 12. März 2018 (cdu.de [PDF; abgerufen am 19. März 2018]).
  21. Partner. 2018 (schul-cloud.org [abgerufen am 19. März 2018]).
  22. Begleitforschung Schul-Cloud. 30. Oktober 2017 (osf.io [abgerufen am 19. März 2018]).
  23. openHPI. 2012 (hpi.de [abgerufen am 19. März 2018]).
  24. Lernen 4.0. 8. Januar 2018 (hpi.de [abgerufen am 19. März 2018]).
  25. Schools in the Cloud: Wissenschaftliche Begleitforschung der Schul-Cloud Einführung. 2017 (gei.de).
  26. APP MACHT SCHULE - Filmbeitrag von RTL WEST. Abgerufen am 21. August 2019.
  27. schul.cloud Datenschutz. Abgerufen am 8. Februar 2019.
  28. Kostenfreien und DSGVO-koformer Messenger in der Schule einsetzten. In: Univention. 11. Januar 2019; (deutsch).