Nothafen

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Ein Nothafen (auch Schutzhafen, englisch port of distress) ist ein irregulärer Schiffsliegeplatz für ein in Seenot oder Gefahr befindliches Schiff. In Meyers Großes Konversations-Lexikon von 1908 heißt es, dieser Hafen sei dazu da, um einer Seenot oder Seegefahr zu entgehen, z. B. um eine notwendige Ausbesserung vornehmen zu lassen.[1]

Zweck[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brennende oder Leck geschlagene Schiffe sollen möglichst schnell an einen sicheren Liegeplatz gebracht werden, um dort Rettungsmaßnahmen durchführen zu können. Die Gefahr für die Meeresumwelt soll dadurch ebenfalls reduziert werden.

Rechtlicher Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verschiedene Länder haben in bilateralen Verträge sogenannte Notstands-Klauseln, in denen die gegenseitige Hilfe bei Seenot, Strandung/Grundberührung und Schiffbruch zugesichert wird. Jedoch können die Staaten mit dem Verweis auf die Gefährdung ihrer Meeresumwelt die Einfahrt in ihre Gewässer und Nothäfen verweigern.

Sowohl die Internationale Seeschifffahrts-Organisation als auch die Europäische Union haben Richtlinien und Vorschriften über die Passage beschädigter und in Seenot geratener Schiffe aufgestellt. Diese gelten bisher nur für Notfälle in küstennahen Gewässern. Jedoch traf genau dieser Fall z. B. auf die 2012 im Atlantik havarierte und in europäische Gewässer geschleppte MSC Flaminia nicht zu.[2]

Europäisches Nothafen-Konzept[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Umweltorganisationen wie Greenpeace und der WWF forderten eine länderübergreifende Nothafen-Strategie in der Europäischen Union. 2012 hatten Großbritannien und Frankreich die Aufnahme des deutschen Schiffes MSC Flaminia unter Verweis auf zu hohe Umweltrisiken verweigert.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.zeno.org/Meyers-1905/A/Nothafen?hl=nothafen
  2. Rettender Hafen Wilhelmshaven im Tagesspiegel, 11. September, 2012