Schwedisches Lehrsystem

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Sankt-Georgs-Kreuz
Das Sankt-Georgs-Kreuz ist ein Symbol der Schwedischen Freimaurerei

Das Schwedische Lehrsystem, auch Schwedischer Ritus oder Schwedisches Ritual genannt, ist eine christlich orientierte Lehrart der Freimaurerei. Sie wird in Deutschland von der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland (Freimaurerorden) bearbeitet.

Geschichte und Verbreitung[Bearbeiten]

Johann Wilhelm Kellner von Zinnendorf

Das schwedische System beruht auf den Akten von Carl Friedrich Eckleff, welcher damit 1756 in Schweden die Basis für das Hochgradsystem der Freimaurer-Orden, einem christlich orientierten Zweig der Freimaurerei schuf. Die tatsächliche Urheberschaft der von Eckleff verwandten Unterlagen ist bis heute ungeklärt.[1]

Das Schwedische System breitete sich im 18. Jahrhundert in Skandinavien als vorherrschende freimaurerische Lehrart aus. Seit 1770 wird das Schwedische System in einer von der skandinavischen Form leicht abweichenden Variante nach Johann Wilhelm Kellner von Zinnendorf auch in Deutschland durch die Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland (Freimaurerorden) bearbeitet.

Von 1776 bis 1779 war das Zinnendorfsche System auch in Russland vertreten, als Schwedisches System unter Herzog Karl von Södermannland hielt es sich einige Jahre länger, wurde letztlich aber eingestellt.

Das Schwedische System wird heute in Schweden, Norwegen, Dänemark, Finnland, Island, Rumänien und Deutschland bearbeitet.

Aufbau und Ausrichtung[Bearbeiten]

Christian Karl Friedrich Wilhelm von Nettelbladt
Otto Hieber

Das Schwedische System gründet sich auf die Lehre Jesu Christi, wie sie in der Heiligen Schrift enthalten ist und betrachtet den Glauben an Gott, an die Verantwortlichkeit des Menschen und an die Unsterblichkeit der Seele als Postulate der Vernunft. Es strebt durch seine christlich-mystische Lehrart die Erziehung zu einem innerlich freien Menschen an. Die Lehrart betont den Charakter eines christlichen Ritterordens, wobei der Begriff der Ritterschaft im geistigen Sinne zu verstehen ist.[2]

Die Freimaurerorden nach Schwedischem System bilden im Sinne ihres Ordensgedankens ein in sich geschlossenes System mit zehn Erkenntnisstufen bzw. Graden, welche sowohl die Johannisgrade als auch darauf aufbauende Hochgrade als einheitliche Struktur umfassen. Jeder Grad baut inhaltlich auf den vorhergehenden auf. Hinzu kommt ein elfter Grad als Ehrengrad.[3] Hierin besteht der wesentliche Unterschied des Schwedischen Systems zu anderen freimaurerischen Lehrarten, welche Johannisgrade und Hochgrade voneinander trennen und nicht auf eine bestimmte religiöse Basis ausgerichtet sind.

Die Ritualstik und Symbolik des Schwedischen Systems umfasst neben der in der Freimaurerei üblichen Bauhüttentradition vor allem auch Elemente französischer und englischer Hochgradsysteme.[4] Aufgrund der darüber zum Teil hinausgehenden mystischen Elemente wird das Schwedische System von einigen Quellen auch als in freimaurerische Formen gehüllte Erneuerung der mittelalterlichen Mystik beschrieben.[5]

Es gibt innerhalb jeder Großloge, die das Schwedische System verwendet, nur eine Form des geltenden Rituals für jeden Grad. Die Rituale in den verschiedenen Ländern unterscheiden sich voneinander, wobei die Unterschiede zwischen den Großlogen Skandinaviens nur gering sind. Anders als in der englischen Freimaurerei wird das Ritual nicht auswendig gelernt, sondern man folgt einem geltenden rituellen Manuskript, was die Einheitlichkeit und Unveränderbarkeit des Rituals sicherstellen soll. Im Laufe der Geschichte kam es zu mehreren Redaktionen des Rituals, die nicht in allen Ländern übernommen wurden. Am bedeutendsten sind wahrscheinlich die Bearbeitungen durch Herzog Carl von Södermannland für Schweden und durch Christian Nettelbladt (begonnen 1819) in Deutschland.[6] Daneben erfuhr die deutsche Variante des Schwedischen Systems Ende des 19. Jahrhunderts eine umfassende Exegese durch Otto Hieber.[7]

Ordensabteilungen[Bearbeiten]

Das System besteht aus drei Ordensabteilungen:

Johannisgrade[Bearbeiten]

Mehr als Dreiviertel aller Freimaurerlogen der Welt sind Johannislogen. Ihr Name erinnert an die Gründung der heutigen Freimaurerei in der Johannisnacht am 24. Juni 1717 in London. Ihr geistig-philosophisches Lehrsystem, das bei Tempelarbeiten – die in der Regel monatlich einmal abgehalten werden – vermittelt wird, gliedert sich in 3 Grade, die sich im Sinne obiger Graphik als Zyklus darstellen lassen: Lehrling (1. Grad), Geselle (2. Grad) und Meister (3. Grad).

Aus pädagogisch - didaktischen Gründen soll sich die Lehrarbeit der Johannislogen ausschließlich auf diese 3 Grade konzentrieren. Die Lehren der einzelnen Grade muss der Freimaurerbruder in Ritualen praktisch erfahren, um sie ständig im Gedächtnis zu behalten. Dem meditativen Erleben und Durchleben der einzelnen Lehren kommt hierbei eine besondere Bedeutung zu.

Mit der rituellen Aufnahme in den Lehrlingsgrad erwirbt der Aufnahmebewerber (Suchender) seine Zugehörigkeit zum Freimaurerbund. Der Weg des neu aufgenommenen Freimaurers durch den Zyklus des Lehrsystems der Johannisloge verläuft in den Eingangs dargestellten 3 Graden, die dem Rhythmus und dem Pulsschlag des menschlichen Lebens angepasst sind und dessen geistiges Abbild zum Ausdruck bringen.

1. Lehrlingsgrad (1. Grad) Mit der Aufnahme in den Lehrlingsgrad erfährt der Aufnahmebewerber (Suchender) den Augenblick der Geburt vom Materiellen zum Geistigen. Sein gesamtes zukünftiges Leben ist auf Gott ausgerichtet, der unter dem überkonfessionellen Sinnbild des Allmächtigen Baumeister aller Welten bejahrt und verehrt wird, ohne dabei die individuelle Zugehörigkeit zu einer Kirche oder einer Religionsgemeinschaft anzutasten oder zu beeinträchtigen.

Erkenne dich selbst - Schau in dich - sind die Leitmotive des Lehrlinggrades. Nach mindestens einjähriger Lehrlingszeit ist die Beförderung in den Gesellengrad möglich. Voraussetzung hierzu sind die Fortschritte des Freimaurer Lehrlings in diese Stufe des Lehrsystems, die er in einem Vortrag vor den Brüdern der Loge nachzuweisen hat.

2. Gesellengrad (2. Grad) Der Gesellengrad stellt das menschliche Leben in froher, heiterer Sicht dar. Das Erleben zwischenmenschlicher Harmonie ist sein wichtigster Lehrinhalt.

Seine Leitmotive sind: Schau um dich - Sei Bruder und du wirst Brüder finden. Nach mindestens einjähriger Gesellenzeit ist die Erhebung in den Meistergrad möglich. Voraussetzung hierzu sind die Fortschritte des Gesellen in dieser Stufe des Lehrsystems, die er in einem Vortrag vor den Brüdern der Loge nachzuweisen hat.

3. Meistergrad (3. Grad) Der wichtigste und inhaltsreichste Grad aller freimaurerischen Lehrsysteme ist der Meistergrad. Dem Rhythmus und dem Pulsschlag des gesamten menschlichen Lebens entsprechend befasst er sich mit dem Tod, der Auferstehung und setzt sich in diesen Zusammenhängen - ohne verbindliche Heilsaussage - in Ansätzen auch mit Fragen transzendenter (jenseitiger) Dinge auseinander.

Schau über dich ist das Leitmotiv des Meistergrades. Mit dem deutlichen Hinweis, dass wir ungeachtet des erreichten Status im menschlichen Dasein ständig Lehrlinge und Suchende vor dem Mysterium des Göttlichen sind und bleiben, schließt der Zyklus der Johannisgrade.

In dieser ständigen themenbezogenen Auseinandersetzung vermögen Logen im Wege ethischer Bildung und Erziehung wertvolle Beiträge zur Persönlichkeits- und Charakterbildung des Menschen zu leisten und dabei gleichzeitig die persönliche individuelle sittlich-religiöse Einstellung und Überzeugung des einzelnen Logenbruders zu fördern und uneingeschränkt zu tolerieren.

Da die völlig dogmenfreien Lehren der Freimaurerei nur einen Weg der permanenten (fortwährenden) Pflichterfüllung in Staat und Gesellschaft weisen können, kann sie auch nicht in Kollision zu bestehenden Religionen geraten oder diese gar ersetzen. Unter strengster Respektierung der Geistes- und Gewissensfreiheit jedes einzelnen Menschen enthält sich die Freimaurerei ihrerseits jeder missionarisch beeinflussenden und bestimmenden Tätigkeit.

Andreasgrade[Bearbeiten]

  • 4. Grad: Andreas-Lehrling
  • 5. Grad: Andreas-Geselle
  • 6. Grad: Andreas-Meister

Kapitelgrade[Bearbeiten]

  • 7. Grad: Ritter vom Osten
  • 8. Grad: Ritter vom Westen
  • 9. Grad: Vertrauter Bruder der Johannisloge
  • 10. Grad: Vertrauter Bruder der Andreasloge

Ehrenstufe[Bearbeiten]

  • Höchsterleuchteter Bruder mit dem Roten Kreuz mit dem Kürzel R+K, auch Tempelmeister und Ritter-Kommandeur genannt. Zurzeit sind mehr als 70 Freimaurer in Deutschland Mitglieder dieses Ordens.

Leitung[Bearbeiten]

  • Der Hochwürdige Meister regiert eine Johannisloge.
  • Der Hochleuchtende Andreasmeister leitet die Andreasloge.
  • Der Weise Kapitelmeister leitet das Kapitel.
  • Der Höchstleuchtende Landesgroßmeister ist für die Grade 1 bis 6 zuständig.
  • Dem Weisesten Ordensmeister an der Spitze des Ordensrates unterstehen die Kapitelgrade ab dem 7. Grad.

Öffentliche Verdienstorden für Freimaurer des Schwedischen Lehrsystems[Bearbeiten]

Karl XIII., König von Schweden und Norwegen
Friedrich VII. König von Dänemark

Königlicher Orden Karl XIII.[Bearbeiten]

König Karl XIII. von Schweden stiftete und etablierte 1811 den „Königlichen Orden Karl XIII.”. Es ist ein ziviler Orden und wird vom König nur an Freimaurer verliehen. Ursprünglich war seine Anzahl auf 33 limitiert. Er ist kein freimaurerischer Grad. Zurzeit sind ca. 60 Freimaurer Mitglieder des Ordens.

Ritter-Kommandeur mit dem „Roten Kreuz“[Bearbeiten]

1862 stiftete und etablierte König Friedrich VII. von Dänemark den Orden Ritter-Kommandeur mit dem „Roten Kreuz“ für Freimaurer. Er ist kein freimaurerischer Grad. Seine Mitgliederzahl war ursprünglich auf 33 limitiert. Heute sind ca. 55 dänische Freimaurer Träger dieses Ordens.

Literatur[Bearbeiten]

  • Reinhold Dosch: Deutsches Freimaurer Lexikon. Die Bauhütte, Bonn 1999, ISBN 3-930139-15-4
  • Ferdinand Runkel: Geschichte der Freimaurerei. Reprint von 1932, Edition Lempertz, Bonn 2006, ISBN 3-933070-96-1
  • Eugen Lennhoff/Oskar Posner/Dieter A. Binder: Internationales Freimaurer Lexikon, F. H. Herbig Verlagsbuchhandlung GmbH, München 2006, ISBN 978-3-7766-2478-6

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eugen Lennhoff/Oskar Posner/Dieter A. Binder: Internationales Freimaurer Lexikon, F. A. Herbig Verlagsbuchhandlung GmbH, München 2006, S. 241 ff.
  2. Eugen Lennhoff/Oskar Posner/Dieter A. Binder: Internationales Freimaurer Lexikon, F. A. Herbig Verlagsbuchhandlung GmbH, München 2006, S. 769 ff.
  3. Eugen Lennhoff/Oskar Posner/Dieter A. Binder: Internationales Freimaurer Lexikon, F. A. Herbig Verlagsbuchhandlung GmbH, München 2006, S. 769 ff.
  4. W. Kirk MacNulty: Die Freimaurer - Das verborgene Wissen, F. A. Herbig Verlagsbuchhandlung GmbH, München 2006, ISBN 978-3-7766-2482-3
  5. Eugen Lennhoff/Oskar Posner/Dieter A. Binder: Internationales Freimaurer Lexikon, F. A. Herbig Verlagsbuchhandlung GmbH, München 2006, S. 768, 769
  6. Ferdinand Runkel, 3. Band, S. 210 ff
  7. Eugen Lennhoff/Oskar Posner/Dieter A. Binder: Internationales Freimaurer Lexikon, F. A. Herbig Verlagsbuchhandlung GmbH, München 2006, S. 770