Seehandelsrecht (Deutschland)

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Das deutsche Seehandelsrecht ist im 5. Buch des Handelsgesetzbuches (HGB) geregelt. Das allgemeine Handelsrecht und das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) werden dabei nicht vollständig verdrängt, sondern gelten subsidiär. Das heißt: Eine allgemeine Regelung des BGB oder des Handelsrechts findet nur Anwendung, wenn das Seehandelsrecht (lex specialis) keine speziellere Regelung enthält.

Am 25. April 2013 ist das Gesetz zur Reform des Seehandelsrechts in Kraft getreten (BGBl. I S. 831), welches vor allem erhebliche Änderungen im deutschen Seehandelsrecht (§§ 476 ff. HGB) und einige Änderungen im allgemeinen deutschen Transportrecht (§§ 407 ff. HGB) mit sich bringt.[1]

Für Altverträge gelten Übergangsregelungen nach Art. 71 des Einführungsgesetzes zum Handelsgesetzbuch (EGHGB).

Inhaltsübersicht der §§ 476 ff. HGB (in der Fassung seit dem 25. April 2013)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erster Abschnitt: Personen der Schifffahrt: Reeder, Ausrüster, Schiffsbesatzung, Kapitän, etc. (§§ 476 – 480 HGB)
  • Zweiter Abschnitt: Beförderungsverträge (§§ 481 ff. HGB)
    • Erster Unterabschnitt: Seefrachtverträge
      • Erster Titel: Stückgutfrachtvertrag
        • Erster Untertitel: Allgemeine Vorschriften (§§ 481 – 497 HGB)
        • Zweiter Untertitel: Haftung wegen Verlust oder Beschädigung des Gutes (§§ 498 – 512 HGB)
        • Dritter Untertitel: Beförderungsdokumente, u. a. Konnossement (§§ 513 –526 HGB)
      • Zweiter Titel: Reisefrachtvertrag (§§ 527 – 535 HGB)
    • Zweiter Unterabschnitt: Personenbeförderungsverträge (§§ 536 – 552 HGB)
  • Dritter Abschnitt: Schiffsüberlassungsverträge
    • Erster Unterabschnitt: Schiffsmiete (§§ 553 – 556 HGB)
    • Zweiter Unterabschnitt: Schiffscharter (§§ 557 – 569 HGB)
  • Vierter Abschnitt: Schiffsnotlagen
    • Erster Unterabschnitt: Schiffszusammenstoß (§§ 570 – 573 HGB)
    • Zweiter Unterabschnitt: Bergung (§§ 574 – 587 HGB)
    • Dritter Unterabschnitt: Große Haverei (§§ 588 – 595 HGB)
  • Fünfter Abschnitt: Schiffsgläubiger (§§ 596 – 604 HGB)
  • Sechster Abschnitt: Verjährung (§§ 605 – 610 HGB)
  • Siebter Abschnitt: Allgemeine Haftungsbeschränkung (§§ 611 – 617 HGB)
  • Achter Abschnitt: Verfahrensvorschriften (§§ 618 – 619 HGB)

Zur Vorgeschichte der Reform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das bis zum 24. April 2013 gültige deutsche Seehandelsrecht stammte – mit einigen Änderungen – im Wesentlichen noch aus der Zeit der Segelschifffahrt und genügte den Anforderungen an ein modernes Seehandelsrecht (z. B. auch in Bezug auf die heute üblichen Containerschifffahrt) nicht mehr.[2]

  • Am 5. Juli 2004 hatte die damalige Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) ein Sachverständigengremium zur Reform des Seehandelsrechts eingesetzt. Das Gremium hatte den Auftrag, das im Handelsgesetzbuch kodifizierte Seehandelsrecht kritisch zu untersuchen und das Bundesministerium der Justiz (BMJ) bei einer umfassenden Reform des Seehandelsrechts zu unterstützen.[3]
  • Am 27. August 2009 übergab die Expertengruppe den Abschlussbericht zur Reform des Seehandelsrechts.[4][5]
  • 2011 legte das BMJ einen Referentenentwurf vor, der Änderungen im deutschen Seehandelsrecht, dem Beförderungsrecht von Passagieren auf Seeschiffen, sowie im allgemeinen Transportrecht vorsah.[6][7]
  • Am 9. Mai 2012 hatte das Bundeskabinett einen entsprechenden Gesetzesentwurf beschlossen [8].
  • Nach einer Sachverständigenanhörung und dem Bericht des Rechtsausschuss des Deutschen Bundestages vom 12. Dezember 2012 (BT-Drs. 17/11884) erfolgte die Beschlussfassung des Bundestages am 13. Dezember 2012 und die des Bundesrates am 1. Februar 2013 (BR-Drs. 8/13).[9]
  • Das Gesetz zur Reform des Seehandelsrechts ist am 25. April 2013 in Kraft getreten.[10]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • zum deutschen Recht: (Rechtslage bis zum 24. April 2013)
    • Carl Creifelds: Rechtswörterbuch. Herausgegeben von Klaus Weber. 19. neu bearbeitete Auflage. C. H. Beck, München 2007, ISBN 978-3-406-55392-9, Stichwort: Reeder.
    • Rolf Herber: Seehandelsrecht. Systematische Darstellung. de Gruyter, Berlin u. a. 1999, ISBN 3-11-016311-X.
    • Rolf Herber: Seefrachtvertrag und Multimodalvertrag. Aktuelle Entwicklungen. 2. neubearbeitete Auflage. RWS-Verlag Kommunikationsforum, Köln 2000, ISBN 3-8145-9170-4 (RWS-Skript 170).
    • Heinz Prüssmann: Seehandelsrecht. Fünftes Buch des Handelsgesetzbuches. Mit Nebenvorschriften und internationalen Übereinkommen. Bearbeitet von Dieter Rabe. 4. neubearbeitete Auflage. C. H. Beck, München 2000, ISBN 3-406-45510-7 (Beck'sche Kurz-Kommentare 9b).
    • Hans-Jürgen Puttfarken: Seehandelsrecht. Verlag Recht und Wirtschaft, Heidelberg 1997, ISBN 3-8005-1171-1 (Schriftenreihe Recht)
    • Thomas Wieske, Transportrecht schnell erfasst, 3. Aufl. 2012, Verlag: Springer, ISBN 978-3-642-29726-7
  • zum deutschen Recht: (neue Rechtslage ab dem 25. April 2013)
    • Beate Czerwenka, Das Gesetz zur Reform des Seehandelsrechts. Einführung, Erläuterungen, Synopse, Materialien, Bundesanzeiger-Verlag, 1.Aufl., 2014, ISBN 978-3-89817-967-6
    • Oetker, Kurz-Kommentar zum HGB, 4.Aufl. 2015
    • Münchner Kommentar zum HGB, Bd.7 - Transportrecht, 3.Aufl., 10/2014, Beck-Verlag München [Anm.: mit Kommentierung der ADSp, CMR, MÜ, CMNI, COTIF und des neuen dt. Seehandelsrechts!]
    • Rolf Herber: Seehandelsrecht. Systematische Darstellung., 2. Aufl., de Gruyter, Berlin/Boston 2016, ISBN 978-3-89949-211-8.
    • Dieter Rabe/ Kay-Uwe Bahnsen, Seehandelsrecht. HGB und Nebengesetze. Kommentar, 5.Aufl., München 2017, Verlag C.H. Beck

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise und Hinweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nur der Vollständigkeit halber erwähnt, da für das Seehandelsrecht nicht maßgeblich: Ebenfalls werden die Bedingungen und Regeln zum Seepassagierrecht (jetzt §§ 536 ff. HGB) und Binnenpassagierrecht (durch Verweis von § 77 BinSchG auf die §§ 536 ff HGB) geändert. Siehe auch Fahrgastrechte
  2. Vgl. Pressemitteilung vom 9. Mai 2012 zum Gesetzesentwurf der Bundesregierung mit Link auf den Gesetzesentwurf (vgl. auch die dortige Gesetzesbegründung)[1] auf den Seiten des BMJ
  3. Pressemitteilung des BMJ zur Ernennung der Reform-Sachverständigengruppe
  4. Abschlussbericht der Sachverständigengruppe zur Reform des Seehandelsrechts vom 27. August 2009 (abgerufen am 27. Dezember 2016 auf der Internetseite der Deutschen Gesellschaft für Transportrecht e.V., da der ursprüngliche Link des BMJV nicht mehr abrufbar ist.)
  5. Ein Bericht und Stellungnahmen dazu sind u. a. auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Transportrecht e. V. unter Entwürfe und Stellungnahmen zu finden
  6. Pressemitteilung des BMJ vom 17. Mai 2011: Neuer Rechtsrahmen für den Seehandel und besserer Schutz für Schiffpassagiere(abgerufen am 27. Dezember 2016 auf der Internetseite der Anwaltskanzlei Konrad Rechtsanwälte, Bad Mergentheim, da der ursprüngliche Link des BMJV nicht mehr abrufbar ist.).
  7. Referentenentwurf vom 5. Mai 2011 (abgerufen am 27. Dezember 2016 auf der Internetseite der Deutschen Gesellschaft für Transportrecht e.V., da der ursprüngliche Link des BMJV nicht mehr abrufbar ist.) (PDF; 1,6 MB)
  8. Gesetzesentwurf der Bundesregierung vom 9. Mai 2012 (abgerufen am 27. Dezember 2016 auf der Internetseite der Deutschen Gesellschaft für Transportrecht e.V., da der ursprüngliche Link des BMJV nicht mehr abrufbar ist.)
  9. Übersicht zu den Beratungsvorgängen des Bundesrates, ua. zur 906. Plenarsitzung des Bundesrates vom 1. Februar 2013 >
  10. Gesetz zur Reform des Seehandelsrechts auf der Seite des BGH
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