Société astronomique de France

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Die Société astronomique de France (deutsch: Astronomische Gesellschaft Frankreichs), abgekürzt SAF, ist eine Non-Profit-Organisation. Sie wurde 1887 von Camille Flammarion gegründet und verfolgt das Ziel, die Entwicklung und Anwendung der Astronomie zu fördern. Ihre anerkannte Gemeinnützigkeit besteht seit dem 4. April 1897.[1]

Geschichte und Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die SAF bietet allgemein zugängliche, monatliche Konferenzen und Einführungsnachmittage in den Räumlichkeiten ihres Hauptsitzes, der sich seit 1974 in der Beethovenstraße 3 in Paris (3 rue Beethoven, 75016 Paris) befindet. Sie wurde zunächst im Gästehaus der Pariser Gelehrtengesellschaft (29 rue Serpente) gegründet und war danach in einem Saal des Hauses der Chemie (rue Saint-Dominique) untergebracht. Die SAF zählt zwölf Fachabteilungen. Sie bietet die Möglichkeit, etwa im Stadtkern von Paris in der Kuppel des Observatoire de la Sorbonne (dort befinden sich auch die optischen Labore) oder am Observatoire de Juvisy-sur-Orge in Juvisy-sur-Orge, spektakuläre, astronomische Ereignisse zu entdecken.

Jeden Sommer werden die „Astro Ciel Treffen“ organisiert, bei denen sich mehr als zweihundert Hobby-Astronomen für zwei oder drei Wochen unter dem Sternenhimmel der Haute-Provence treffen.

Präsidenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis heute (2019) hatte die Gesellschaft 49 Präsidenten, meistenteils bekannte Persönlichkeiten aus der Astronomie oder verwandten Fachrichtungen. Zirka die Hälfte der Präsidenten (28) waren Astronomen, gefolgt von elf Physikern und zehn weiteren Berufen, Ingenieuren, einem Mediziner, zwei Generälen, einem Prinzen, einem Schriftsteller und einem Historiker.

Name Beruf Jahre
Camille Flammarion Gründer SAF, Astronom, Autor 1887–1889[2]
Hervé Faye Astronom 1889–1891[2]
Anatole Bouquet de La Grye Hydrograph, Geograph 1892–1893[2]
Félix Tisserand Astronom 1893–1895[2]
Jules Janssen Astronom 1895–1897[2]
Alfred Cornu Physiker 1897–1899[2]
Octave Callandreau Physiker 1899–1901[2]
Henri Poincaré Mathematiker, Physiker, Ingenieur, Wissenschaftsphilosoph 1901–1903[2]
Gabriel Lippmann Physiker, Erfinder 1903–1904[2]
Chrétien Édouard Caspari Astronom, Hydrograph 1905–1907[2]
Henri-Alexandre Deslandres Astronom 1907–1909[2]
Benjamin Baillaud Astronom 1909–1911[2]
Pierre Puiseux Astronom 1911–1913[2]
Aymar de la Baume Pluvinel Astronom 1913–1919[3]
Paul Émile Appell Mathematiker 1919–1921[3]
Roland Bonaparte Französischer Prinz, Präsident Société de Géographie 1921–1923[3]
Charles Lallemand Geophysiker 1923–1925[3]
Gustave-Auguste Ferrié Radiopionier, Armeegeneral 1925–1927[3]
Eugène Fichot Hydrograph 1927–1929[3]
Georges Perrier Armeegeneral, Präsident der Société de Géographie 1929–1931[3]
Charles Fabry Physiker 1931–1933[3]
Ernest Esclangon Astronom, Mathematiker 1933–1935[3]
Jules Baillaud Astronom 1935–1937[3]
Charles Maurain Geophysiker 1937–1939[4]
Fernand Baldet Astronom 1939–1945
Bernard Lyot Astronom 1945–1947
André-Louis Danjon Astronom 1947–1949
Lucien d’Azambuja Astronom 1949–1951
Jean Cabannes Physiker 1951–1953
Pierre Chevenard Bergwerksingenieur 1953–1955
André Couder Astronom, Feinoptiker 1955–1957
Albert Perard Physiker, Meteorologe 1957–1958
Jean Coulomb Geophysiker, Mathematiker 1958–1960
André Lallemand Astronom 1960–1962
André-Louis Danjon Astronom 1962–1964
Pierre Tardi Astronom 1964–1966
Jean Rösch Astronom 1966–1970
Jean Kovalevsky Astronom 1970–1973
Jean-Claude Pecker Astronom 1973–1976
Bruno Morando Astronom 1976–1979
Audouin Dollfus Astronom 1979–1981
Jacques Boulon Astronom 1981–1984
Paul Simon Astronom 1984–1987
Philippe de la Cotardière Schriftsteller, Wissenschaftsjournalist 1987–1993
Jean-Claude Ribes Astronom 1993–1997
Roger Ferlet Astrophysiker 1997–2001
Patrick Guibert Ingenieur 2001–2005
Philippe Morel Mediziner 2005–2014
Patrick Baradeau Historiker, Herausgeber 2014–heute

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Ausgabe des Magazins L’Astronomie (1882)

Die Gesellschaft veröffentlicht die monatlich erscheinende Zeitschrift L’Astronomie, erhältlich an Kiosken oder per Abonnement. Sie veröffentlicht auch die Zeitschrift "Observations et Travaux", die sich mit den von ihren Mitgliedern angewandten Techniken und erzielten Ergebnissen befasst.

Die heutige Zeitschrift l’Astronomie ist aus einer Reihe von mit der SAF verbundenen Zeitschriften hervorgegangen. Das erste von Camille Flammarion herausgegebene Heft datiert drei Jahre vor der Gründung der SAF.

Fachabteilungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gesellschaft ist thematisch in Fachabteilungen organisiert, die speziell auf den Gebieten der theoretischen und praktischen Astronomie tätig sind. Es folgt die Liste der Kommissionen (in Klammern die deutschen Begriffe)[5]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gesellschaft verleiht Preise und Auszeichnungen an Mitglieder oder bedeutende Persönlichkeiten aus der Welt der astronomischen und astrophysikalischen Forschung.[6] Einige dieser Auszeichnungen sind seit vielen Jahren nicht mehr vergeben worden und sind hier nur von historischem Interesse.

Preis Zielsetzung Häufigkeit Vergeben
Prix Jules Janssen Dieser internationale Preis wird abwechselnd an einen französischen und einen ausländischen Astronomen verliehen und würdigt dessen wissenschaftliche Arbeit bzw. Beitrag zur Verbreitung der astronomischen Wissenschaften. Der Preis wurde von Jules Janssen begründet. jährlich seit 1896[7]
Prix international d'Astronautique Dieser Preis würdigt wichtige Fortschritte in Fragen der interstellaren Navigation oder Astronautik. Die Auszeichnung wurde von Robert Esnault-Pelterie und André-Louis Hirsch begründet und hieß vor 1936 Prix Rep-Hirsch nach Anlass 1928–1939[7][8]
Prix des Dames Für besondere Verdienste um die SAF. Der Preis wurde von Sylvie Camille Flammarion und einer Gruppe weiblicher Mitglieder der SAF initiiert. jährlich seit 1896[7]
Prix Maurice Ballot Dieser Preis wird auf Vorschlag des Sorbonne-Komitees an ein Mitglied, das regelmäßig an einem SAF-Observatorium gearbeitet hat, verliehen. - Der Preis wurde vom SAF-Bibliothekar Maurice Ballot gestiftet.[9] nach Anlass 1921–[7]
Prix Georges Bidault de l'Isle Der Preis wird für die Ermunterung junger Menschen, sich für Astronomie oder Meteorologie zu interessieren, verliehen. Vor 1956 war er als Prix de l’Observatoire de la Guette bekannt.[10] jährlich 1925–[7]
Prix Henry Rey Jährlich wird eine Silbermedaille für eine wichtige astronomische Arbeit verliehen. Der Preis geht auf ein von Henry Rey de Marseille hinterlassenes Vermögen zurück.[9] jährlich seit 1926[7]
Prix Gabrielle et Camille Flammarion Der Preis würdigt bedeutende Entdeckungen oder Fortschritte in der Astronomie oder einer verwandten Wissenschaft und unterstützt einen unabhängigen Forscher oder einen jungen Forscher beim Eintritt in die Astronomie. jährlich seit 1930[11]
Prix Dorothea Klumpke - Isaac Roberts Der Preis ist der Erforschung der diffusen Nebel von Herschel, dunklen Objekten von Barnard und kosmischer Nebel von Hagen gewidmet.- Dieser zweijährliche Preis wurde von Dorothea Klumpke Roberts als Gedenken an ihren verstorbenen Ehemann Isaac Roberts ins Leben gerufen.[9] zweijährlich, seit 1946 in geraden Jahren 1931–[7]
Prix Marcel Moye Diese Auszeichnung wird für beste Beobachtungen an ein Mitglied vergeben, das nicht älter als 25 Jahre ist. jährlich seit 1946[7]
Prix Marius Jacquemetton Für eine bemerkenswerte astronomische Leistung sowohl im Bereich der Verbreitung als auch in der Praxis der Amateurastronomie. jährlich seit 1947[7]
Prix Viennet - Damien Für die Herstellung eines besonderen optischen Gerätes oder für Arbeiten in diesem Bereich der Astronomie. In ungeraden Jahren im Wechsel mit dem Prix Dorothea Klumpke-Isaac Roberts. 1949–[7]
Prix Julien Saget Für Autoren, die durch astronomische Bilder auf sich aufmerksam gemacht haben. jährlich seit 1969[7]
Prix Edmond Girard Zur Unterstützung einer angehenden Berufung oder von wissenschaftlichen Arbeiten eines Beobachters am Observatoire de Juvisy-sur-Orge; ansonsten an jede andere würdige Person. jährlich 1974–[7]
Prix Camus - Waitz Zum Gedenken an Jacques Camus und Michel Waitz. in ungeraden Jahren bis heute
Prix Marguerite Clerc Die Verleihung ist dem Rat der SAF vorbehalten.[12] in geraden Jahren bis heute
Prix Alexandre Ananoff Der Preis soll einen Amateur würdigen, der nach dem Vorbild zahlreicher Initiativen des Pioniers französischer Astronautik Alexandre Ananoff der breiten Öffentlichkeit die Weltraumkultur nähergebracht hat. nach Anlass seit 2015
Médaille Commémorative Diese Medaille wird einem Mitglied zuerkannt, das in den letzten drei Jahren eine große Zahl Mitgliedschaften erbringen konnte. Die Präsidiumsmitglieder und Preisträger vergangener Jahre sind ausgeschlossen. jährlich 1901–[7]
Médaille des soixante ans Die "60-Jahre-Medaille" der Manley-Bendall-Stiftung wird an Mitglieder verliehen, die seit 60 Jahren bei der SAF tätig sind. nach Anlass bis heute
Plaquette du Centenaire de Camille Flammarion Würdigung früherer oder andauernder Verdienste um die SAF. jährlich 1956–[13]

Der Medailleur Alphée Dubois (1831–1905) hat mehrere Medaillen für die SAF kreiert, nämlich 1887 die Medaille der Gesellschaft „la Nuit étoilée“.[14], 1896 die Medaille des Prix des Dames, 1896 die Medaille des Prix Janssen[15] und die Gedenkmedaille der Gesellschaft[16]

Der Asteroid (4162) SAF[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der von André Patry am Observatoire de Nice am 24. November 1940 entdeckte Asteroid (4162) SAF wurde auf Vorschlag von Michel-Alain Combes am 1. September 1993 zu Ehren der SAF benannt.[17]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Erklärung der Gemeinnützigkeit
  2. a b c d e f g h i j k l m Bulletin de la Société astronomique de France, 1911, vol. 25, pp. 581-586
  3. a b c d e f g h i j Bulletin de la Société astronomique de France, November 1937, plates X-IX
  4. Bulletin de la Société astronomique de France, January-February-March 1945, i.
  5. SAF: Commissions
  6. SAF: Auszeichnungen
  7. a b c d e f g h i j k l m L’Astronomie, Band 93, 1979, Seiten 543–546.
  8. Bulletin de la Société astronomique de France, January 1928, pp. 347-348.
  9. a b c Bulletin de la Société astronomique de France, 1937, ohne Seitenzahl, frolgt auf S. 611
  10. L’Astronomie, 1957, vol. 71, pp. 446-447.
  11. L’Astronomie, 1979, vol. 93, p. 543.
  12. L’Astronomie, Vol. 111, 1997, p. 23.
  13. L’Astronomie, 1971, Vol. 85, p.179
  14. L’Astronomie, 1887, p. 24.
  15. L’Astronomie, 1901, pp. 404-6.
  16. L’Astronomie, 1905, p. 478-9.
  17. Minor Planet Center

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]