Spülbecken

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Spülbecken mit Abtropffläche

Ein Spülbecken (ugs. auch Spüle) (in Österreich auch „die Abwasch“, in der Schweiz vorwiegend „Abwaschbecken“), ist meist in die Platte der Küchenarbeitsfläche eingelassen und wird zur Vorbereitung von Speisen (z. B. Reinigen von Obst, Salat oder Gemüse) und zur Säuberung von Geschirr und Küchenmaterialien benutzt. Der Unterschied zum Waschbecken ist hygienischer Natur, während umgangssprachlich diese häufig nicht mehr unterschieden werden. Während in Waschbecken beispielsweise auch mal Schmierstoffe verwendet werden, ist es eine subjektive Frage inwieweit man diese gemeinsam mit Lebensmitteln bearbeiten möchte. Schüttsteine gab es bereits im Mittelalter, zumeist jedoch nur in Burgen oder Schlössern. Der umgangssprachlich in manchen Regionen (z. B. dem Rheinland) übliche Ausdruck Spülstein für das Spülbecken stammt noch hiervon ab.

Das Spülbecken zählt gemeinsam mit Herd und Kühlschrank zur Grundausstattung einer modernen Küche. Die Spüle ist zumeist mit einer Küchenarmatur ausgestattet und somit der zentrale Punkt, um die Küche mit heißem und kaltem Wasser zu versorgen. Im fränkischen Sprachraum wird das zweite Becken auch als Abfleibecken bezeichnet.

Spülenkonzepte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Man unterscheidet zwischen Ein- und Mehrbecken-Spülen. Letztere verfügen über ein kleineres Zusatzbecken und/oder ein zweites vollwertiges Hauptbecken, um parallele Arbeitsgänge wie das Ausgießen von Resten oder das Waschen von Gemüse zu ermöglichen. Da die meisten Haushalte über einen Geschirrspüler verfügen, ist zum komfortablen Reinigen größerer Gegenstände, z. B. Backblechen, Schneidbrettern oder Woks, ein geräumiges Hauptbecken mit großer Beckendiagonale besonders vorteilhaft. Häufig werden Spülbecken mit einer Abtropffläche[1] kombiniert, um abtropfendes Wasser in das Spülbecken zurückzuführen.

Rundbecken-Spülen sind zumeist als Einbecken-Spülen mit vergleichsweise kleinen Spülbecken konzipiert. Eckspülen sind spezielle Lösungen für Eckunterschränke.

Spülbecken müssen in Deutschland mit einem Überlauf ausgestattet sein, um dem versehentlichen Fluten der Küche vorzubeugen; in anderen Staaten sind auch Spülen ohne Überlauf zugelassen.

Für die Gastronomie sind Spülbecken in der DIN 66075-5 (Gastro-Norm: Einrichtungen für die Gastronomie; Spülbecken, Maße; Ausgabe 1975-07) genormt.

Materialien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Edelstahl ist der populärste Werkstoff für Spülbecken, der seit den 1950er Jahren in verschiedenen Material-Spezifikationen (z. B. DIN 1.4301) zum Einsatz kommt. Neben der klassischen glatten Oberfläche in unterschiedlichsten Veredelungen werden auch Spülen aus geprägtem Edelstahl, z. B. mit Leinen-Struktur, angeboten, die die Empfindlichkeit des Materials gegenüber Kratzern halbwegs kaschiert. Die Produktion von einfacheren Edelstahl-Spülen erfolgt durch Tiefziehen von Edelstahlblechen, anspruchsvollere Produkte entstehen durch Zusammenfügen mehrerer tiefgezogener Komponenten, aber auch durch Verschweißen von Blechzuschnitten.

Edelstahl-Spüle mit Zusatzbecken, Tropffläche und verschiebbarem Schneidbrett aus Sicherheitsglas

Seit Beginn der 1980er Jahre gibt es Küchenspülen aus hochwertigen Verbundwerkstoffen. Sie werden in vielen Farben und Formen angeboten. Hochwertige Produkte sind zumeist ausgesprochen kratzfest und pflegeleicht und halten Temperaturen bis 280 °C sowie allen küchenüblichen Beanspruchungen (z. B. stark färbende Lebensmittel oder Säuren) stand. Moderne Produktionsverfahren ermöglichen auch filigrane Formen, die mit anderen Werkstoffen nicht zu realisieren sind.

Einbecken-Spüle aus hochwertigem Verbundwerkstoff mit integrierter Tropffläche

Keramik und Steinzeug sind traditionelle Werkstoffe, die seit vielen Jahrzehnten auch für die Herstellung von Küchenspülen eingesetzt werden.

Keramik-Spüle mit Zusatzbecken, Tropffläche, umhängbarer Edelstahl-Schale und verschiebbarem Schneidbrett aus Sicherheitsglas

Ein ebenfalls früher häufiger verwendeter Werkstoff ist Terrazzo, der heute jedoch nur noch für besonders exklusive Becken verwendet wird. Nachteilig ist das verhältnismäßig große Gewicht, das eine entsprechend stabile Unterkonstruktion nötig macht.

Naturstein ist als Material für Spülbecken weitgehend bedeutungslos geworden da viele Steinmaterialien nicht widerstandsfähig genug sind (z. B. Marmor) oder nicht mehr heutigen hygienischen Ansprüchen entsprechen (z. B. der Flüssigkeiten aufsaugende Sandstein).

Glas wird zumeist mit anderen Werkstoffen kombiniert. In den meisten Fällen werden Edelstahl-Becken mit einem horizontalen Arbeitsbereich aus Glas verbunden.

Emaillierter Stahl hat als Spülen-Werkstoff nur noch geringe Bedeutung. Er steht für die Anfänge farbiger Küchen-Spülen, die seit den Achtziger Jahren durch komfortablere und strapazierfähigere Produkte aus Verbundwerkstoff oder farbiger Keramik verdrängt wurden.

Einbauarten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den meisten Ländern der Erde wird der größte Teil der Spülbecken als Einbauspülen vermarktet und auf klassische Weise von oben in die zuvor ausgeschnittene Arbeitsplatte eingesetzt. Bei dieser Installationsmethode liegt der Spülenrand auf der Arbeitsplatte auf, die Fixierung der Spüle erfolgt mit Schraubbefestigungen oder Kleber.

Spülmodule und Aufsatzbecken werden ebenfalls von oben auf die Arbeitsplatte bzw. den Spülenunterschrank montiert, sind aufgrund ihres Designs aber vor allem für architektonisch anspruchsvolle Küchengestaltungen prädestiniert.

Beim flächenbündigen Einbau wird der Rand der Spüle in die Arbeitsplatte eingelassen. Spüle und Arbeitsplatte befinden sich auf einer Ebene, der Spülenrand bildet im Gegensatz zum klassischen Einbau keine Barriere, so dass der gesamte Arbeitsbereich ausgesprochen leicht zu reinigen ist.

Beim Unterbau werden die Becken bzw. Spülen unter eine Arbeitsplatte aus wasserbeständigem Material wie Naturstein, Beton, Verbundwerkstoff oder Glas montiert. Die Küchenarmatur wird bei dieser Einbau-Methode häufig direkt auf der Arbeitsplatte installiert, manche Anbieter offerieren auch Unterbaubecken mit integrierter Batteriebank.

Auflagespülen sind einfache Spülbecken aus Edelstahl, die auf einem Spülen-Unterschrank aufgelegt und befestigt werden.

Zubehör[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Küchenarmatur ist die wichtigste komplementäre Komponente einer Küchenspüle. Oft lässt sich die Armatur direkt auf der Spüle befestigen, eher selten sind Armaturen zur Wandmontage.

Man unterscheidet Armaturen mit Rohrauslauf und ausziehbarer Schlauchbrause bzw. Ausführungen für Hoch- und Niederdruck. Spezielle Vorfensterarmaturen lassen sich versenken oder abnehmen, um eine Küchenspüle auch vor Fenstern mit niedriger Brüstung platzieren zu können.

In vielen Ländern wird im Schrank unter der Küchenspüle ein Abfallsystem installiert. Die Lösungen reichen vom einfachen Müllsammler bis hin zu Systemen mit mehreren Behältern, die eine bedarfsgerechte Abfalltrennung ermöglichen. In manchen Staaten bzw. Regionen sind Müllzerkleinerer zugelassen, die am Spülenauslauf montiert werden und den organischen Abfall zermahlen und in die Kanalisation entsorgen. Diese Option der Entsorgung von kompostierbaren Abfällen ist in Deutschland unzulässig.

Hauptartikel: Küchenabfallzerkleinerer

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Spülbecken – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Spüle – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Thomas Laasch, Erhard Laasch: Haustechnik: Grundlagen - Planung - Ausführung. ISBN 3-8348-9900-3, S. 16 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).