Sperrholz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Aus Fichte hergestelltes Sperrholz

Sperrholz besteht aus mindestens drei Holzlagen, deren Faserverlauf unter einem Winkel von 90° verleimt und gepresst wird. Dadurch werden richtungsgebundene Werkstoffeigenschaften wie z. B. das Quell- und Schwindverhalten über die Plattenebene homogenisiert. Durch die Art, Anzahl und Anordnung der Holzlagen ergeben sich der Plattenaufbau und seine spezifischen Festigkeitseigenschaften. Die Lagen des Sperrholzes können aus Massivholztafeln, Furnieren, Stäben oder anderen Holzwerkstoffen bestehen. Je nachdem wird unterschieden nach

  • Stab- bzw. Stäbchensperrholz, auch Tischlerplatte genannt, besteht aus einer Mittellage aus gesägten Vollholzleisten (Stäben) oder Schälfurnierstreifen (Stäbchen).
  • Furniersperrholz, auch Furnierplatte genannt, besteht ausschließlich aus einer ungeraden Anzahl an Furnieren, die symmetrisch zur Furniermittellage kreuzweise verleimt werden. Eine Platte über 12 mm Dicke und mit mindestens 5 Lagen wird als Multiplex-Platte bezeichnet.
  • Brettsperrholz, auch Kreuzlagenholz genannt, besteht aus mehreren, über Kreuz flach übereinanderliegenden Massivholztafeln.
  • Zusammengesetztes Sperrholz besteht aus einer oder mehrerer Innenlagen anderer Holzwerkstoffe wie Spanplatten oder nicht holzhaltigen Materialien wie Kunststoffschichten, beispielsweise zur Schalldämmung. Die Außenlagen bestehen aus Furnier.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor 4000 Jahren wurden bereits in Ägypten Platten in gesperrter Art für den Möbelbau hergestellt. Nachdem das Verfahren in Vergessenheit geriet, wurde es in der Mitte des 19. Jahrhunderts wiederentdeckt. Durch die schnelle Übernahme in industrielle Fertigung wurde Sperrholz wichtiger Werkstoff für das Holzhandwerk, in der Möbelherstellung und dem Fahrzeug- und Flugzeugbau.[1]

Herstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die getrockneten Holzlagen werden beleimt, kreuzweise übereinander gelegt und unter Wärmeeinwirkung gepresst. Spezialpressen ermöglichen die Herstellung beliebiger Formen – hier kommen überwiegend Buchenschälfurniere zum Einsatz.

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schneeschaufel aus Sperrholz

Für Sperrholz gibt es eine breite Anwendungspalette: als Baustoff für Außenwände, Dachschalungen, Innenwände und Betonschalungen im Rohbau und für Wand- und Deckenbekleidungen, Dachausbauten, Türen, Treppen und als Trägermaterial für Holzfußböden im Ausbau. Im Möbelbau wird es vielfach eingesetzt, beispielsweise für Schränke, Regale, Tische, Stühle und in der Unterkonstruktion von Polstermöbeln. Insbesondere dort, wo trotz hoher Belastung dünne Querschnitte gefordert sind, wird Sperrholz eingesetzt. Sperrholz ist, was die Festigkeit und Formstabilität betrifft, gegenüber der Spanplatte klar im Vorteil. Darüber hinaus wird es im Fahrzeug- und Bootsbau sowie als Verpackungsmaterial verwendet und kommt auch im Hobby- und Modellbaubereich vielfältig zum Einsatz. Auch im Musikinstrumentenbau findet es Anwendung.

Wirtschaftliche Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemessen an der Gesamtproduktion von Holzwerkstoffen macht Sperrholz mit ungefähr 1,5 % nur einen kleinen Teil aus. 2008 wurden in Deutschland 175.000 m³ Sperrholz produziert, davon etwas über 150.000 m³ Tischlerplatten (Stab- bzw. Stäbchensperrholz) und 22.000 m³ Furniersperrholz. In Europa betrug die Sperrholzproduktion im Jahre 2008 etwa 4 Mio. m³.[2]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • André Wagenführ, Frieder Scholz: Taschenbuch der Holztechnik. Fachbuchverlag im Carl Hanser Verlag, Leipzig 2008; S.127–259. ISBN 978-3-446-22852-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Sperrholz – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Informationsdienst Holz spezial Sperrholz, Februar 2008, Seite 4, online bei INFORMATIONSDIENST HOLZ des Informationsverein Holz e.V., Berlin, abgerufen am 16. Oktober 2015
  2. Verband der deutschen Holzwerkstoffindustrie (VHI). Branchendaten 2008.