St. Martinus (Erlenbach)

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St. Martinus in Erlenbach

Die Kirche St. Martinus in Erlenbach im Landkreis Heilbronn im nördlichen Baden-Württemberg ist eine katholische Pfarrkirche, die in der Mitte des 18. Jahrhunderts im Stil des späten Barock erbaut wurde.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Pfarrkirche St. Martin in Erlenbach wurde erstmals 1335 erwähnt. Der Ort kam 1484 an den Deutschen Orden, der die jetzige Kirche in den Jahren 1753 bis 1760 nach Plänen von Johann Michael Keller dem Jüngeren neu erbauen ließ. 1781 wurde abermals von Keller sowie von Franz Häffele das benachbarte Pfarrhaus erbaut.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs erlitt die Kirche im April 1945 schwere Schäden durch Brandgranaten und Artilleriebeschuss. Ein neugotischer Hochaltar von 1889 wurde zerstört und 1949 durch einen neuen Altar im barocken Stil ersetzt. Zahlreiche Risse, Löcher und Schrammen im Mauerwerk konnten bei einer großen Kirchenrenovierung von 1974 bis 1986 fast restlos beseitigt werden.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick zum Chor

Die Pfarrkirche St. Martinus ist ein spätbarocker, einschiffiger Putzbau, der durch Sandsteinpilaster und -gesimse gegliedert wird. Das Hauptportal der Kirche befindet sich in der westlichen Giebelseite, die außerdem mit einer 1775 gestifteten Marienfigur in einer Nische sowie Figuren des Petrus und des Paulus auf den Ecken des Ziergiebels ausgestattet ist. Nach Osten ist an das Langhaus ein Chor angebaut, südlich vom Chor befindet sich der Kirchturm. Im Chor ist ein 1949 gefertigter Martinsaltar aus Holz und Stuckmarmor aufgestellt. Die Figuren des Hl. Stephanus und Laurentius neben dem Altar stammen noch von einem Barockaltar aus dem Jahr 1755 und wurden von Johann Anton Esterbauer[1] oder von Franz Esterbauer aus Neckarsulm[2] angefertigt. An der Südwand des Langhauses befindet sich eine barocke Kanzel mit der Darstellung der vier Evangelisten. Im Westen des Langhauses ist eine moderne Empore eingezogen, auf der sich die Orgel befindet.

Das Kirchenschiff ist von einem Stichkappengewölbe überspannt, dessen Stuckarbeiten von Johann Michael Winsberg aus Mergentheim stammen. Das Deckengemälde im Langhaus zeigt Mariä Himmelfahrt und wurde von Giovanni Battista Ferrandini geschaffen. Auch der Chor hat eine reich mit Stuckarbeiten und Deckengemälde verzierte Decke.

Die Kirche ist reich an Ausstattung und Figurenschmuck. Eine Madonna an der Ostwand sowie gotische Standfiguren der Heiligen Barbara, Katharina und Martin stammen noch aus dem späten 15. Jahrhundert. Im Chor, im Kirchenraum und an den Wänden befinden sich mehrere weitere Heiligenfiguren, außerdem sind an den Seitenwänden des Langhauses und an der Brüstung der Empore zahlreiche ältere Bilder mit christlichen Motiven angebracht. Die Weihekreuze der Kirche sind als farbige Stuckreliefs ausgeführt.

Orgelprospekt

Die Orgel wurde im Jahre 1840 durch den Orgelbauer Bernhard Dreymann (1788–1857) errichtet und zuletzt im Jahre 1990 umfassend renoviert. 1914 erhielt die Orgel ein elektrisches Gebläse. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Disposition entsprechend den Klangidealen der Orgelbewegung „barockisiert“; diese Veränderungen wurden im Zuge der umfassenden Restaurierung rückgängig gemacht. Das Schleifladen-Instrument hat 24 Register auf zwei Manualen und Pedal. Die Trakturen sind mechanisch.[3]

I Hauptwerk C–g3
1. Principal 08'
2. Bordun 16'
3. Salcional 08'
4. Quintade 08' E
5. Großgedact 08'
6. Octava 04'
7. Quinta 03'
8. Kleingedact 04'
9. Gemshorn 02'
10. Mixtur 02'
11. Trompet 08' N
II Positiv C–g3
12. Principal 04'
13. Spitzflöte 08'
14. Großgedact 08'
15. Kleingedact 04'
16. Flageolet 02'
17. Sesquialtera II (ab c0) E
18. Sifflet 01' E
19. Krummhorn 08' N
Pedalwerk C–c1
20. Violonbass 16'
21. Subbass 16'
22. Principalbass 08'
23. Octavbass 04'
24. Posaunenbass 16' N
  • Anmerkungen:
E = Ergänzung aus dem Jahr 1948
N = Ergänzung aus dem Jahr 1990, bereits 1840 vorgesehen, aber nicht realisiert

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. lt. Fekete, s. Literatur
  2. lt. Weiß, s. Literatur
  3. Informationen zur Orgel (gesehen am 1. Juli 2018)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Julius Fekete: Kunst- und Kulturdenkmale in Stadt und Landkreis Heilbronn. Theiss, Stuttgart 2002, ISBN 3-8062-1662-2, S. 159
  • Erwin Weiß: Ortschronik Erlenbach und Binswangen. Gemeinde Erlenbach, Erlenbach o. J. [1986], S. 50, 179–201

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: St. Martinus (Erlenbach) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 49° 10′ 16,1″ N, 9° 16′ 5,1″ O