St. Mary’s City

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Katholische Kirche, erbaut 1667, rekonstruiert 2009.

St. Mary’s City (St. Mary’s City Historic District) ist ein dünn besiedeltes gemeindefreies Gebiet, eine archäologische Stätte und ein historisches Freilichtmuseum im St. Mary’s County im Süden des amerikanischen Bundesstaats Maryland. Das Gebiet liegt am Mündungstrichter des Potomac River am Westufer der Chesapeake Bay. Die ursprüngliche Siedlung an diesem Ort war die erste Hauptstadt der englischen Kolonie Province of Maryland.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St. Mary’s City wurde 1634 als vierte dauerhafte englische Siedlung auf amerikanischem Boden gegründet (nach Jamestown, Plymouth und der Massachusetts Bay Colony). Für die folgenden 61 Jahre war der Ort Verwaltungssitz (County Seat) des St. Mary’s County und Hauptstadt der Kolonie Maryland.[1]

Als 1695 die Hauptstadt der Kolonie nach Anne Arundel’s Towne,[2] dem heutigen Annapolis verlegt wurde, war dies ein Bedeutungsverlust, von dem sich St. Mary’s City nicht mehr erholen konnte. Die Siedlung blieb zwar zunächst noch Verwaltungssitz des Countys, verlor aber 1708 auch den County Seat an das 25 km nordöstlich gelegene Seymour Town, das heutige Leonardtown.[3] Die meisten Einwohner verließen den Ort im Laufe der folgenden Jahre, die Häuser zerfielen oder wurden abgerissen und das Siedlungsgelände wurde Farmland. 100 Jahre später, um 1820, waren kaum noch Siedlungsreste zu sehen.[4]

Archäologische Forschungen und Museumssiedlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

State House der Kolonie Maryland in St. Mary’s City, erbaut 1676, rekonstruiert 1934.

Das letzte, Anfang des 19. Jahrhunderts noch erhaltene größere Gebäude war das 1676 erbaute erste State House der Kolonie Maryland. Als auch dies 1829 abgerissen wurde, erinnerte über dem Erdboden nichts mehr an die frühere Stadt. Allerdings lebte die Erinnerung an die Siedlung noch weiter, und 1934 wurde das State House anlässlich der 300-Jahr-Feiern Marylands rekonstruiert. Zu dieser Zeit fanden auf dem Gelände der früheren Siedlung auch die ersten archäologischen Untersuchungen statt.[5] Seit Intensivierung dieser Forschungen in den 1960er Jahren wurden mehrere typische Gebäude der ursprünglichen Siedlung anhand archäologischer Funde und historischer Beschreibungen rekonstruiert.

Das auffälligste dieser Gebäude ist die frühere katholische Kirche, die zwischen 2002 und 2009 als Teil des Freilichtmuseums rekonstruiert wurde. Der Bau war 1667 als erstes katholische Kirchengebäude in Ziegelbauweise auf amerikanischem Boden fertiggestellt worden, aber schon 1704 hatte der Gouverneur bestimmt, dass die Kirche wieder geschlossen werden sollte, anschließend war das Gebäude zurückgebaut worden.[6]

Seit 1966 ist der Ort offiziell als archäologische Stätte anerkannt, 1969 wurde das Gebiet vom amerikanischen Innenministerium als nationales Kulturdenkmal (National Historic Landmark District) ausgezeichnet und in das National Register of Historic Places (NRHP) aufgenommen.[7] Das Gebiet der ehemaligen Hauptstadt wurde Freilichtmuseum, das die Lebensumstände der Kolonialzeit veranschaulicht.[8]

St. Mary’s College of Maryland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort ist auch der Sitz des St. Mary’s College of Maryland, einer 1840 gegründeten Bildungseinrichtung, die zu den renommiertesten Schulen Marylands zählt. 2014 zählte das College rund 1800 Studenten.[9]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: St. Mary’s City – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Soweit nicht anders vermerkt: Alle Weblinks der Anmerkungen zuletzt abgerufen 28. Februar 2017.

  1. Maryland State Archives: St. Mary’s County, Maryland, Historical Chronology.
  2. Schreibweise mit visitannapolis.org: A Brief History of Annapolis.
  3. Morris L. Radoff: The County Courthouses and Records of Maryland. Part One: The Courthouses. (PDF) S. 129–133. The Hall of Records Commission, State of Maryland, Annapolis 1960.
  4. John Hartsock: Vanished Colonial Town Yields Baroque Surprise. In: The New York Times, 5. Februar 1989.
  5. Historic St. Mary’s City: An Archaeological Landscape (PDF).
  6. Historic St. Mary’s City: Reconstructing the Brick Chapel of 1667 (PDF).
  7. Maryland Historical Trust, Maryland’s National Register Properties: St. Mary’s City Historic District.
  8. Historic St. Mary’s City: Not just another pretty place ....
  9. St. Mary’s College: Key Facts.

Koordinaten: 38° 11′ N, 76° 26′ W